Für eine profilierte Kirche mit Blick für die Menschen

Christine Lichtenberger-Maier ist neue Vorsitzende der Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen. Die Delegierten sprachen sich am gestrigen Montag bei ihrer Tagung im evangelischen Gemeindehaus in Lustnau ohne Gegenstimmen und bei vier Enthaltungen für die Pfrondorferin aus.

Die Grundschullehrerin gehört seit 2001 dem Kirchengemeinderat ihrer Heimatgemeinde an, deren Vorsitzende sie auch ist. Den Blick über den eigenen Ortsgemeindetellerrand hinaus auf den Kirchenbezirk mit seinen 42 evangelischen Kirchengemeinden hat die engagierte Lehrerin bereits durch ihre Mitarbeit im Pfarrplan-Sonderausschuss geweitet. Zwei Mal gehörte sie dem Gremium an und dachte mit anderen zusammen darüber nach, wie die Zahl der Pfarrstellen, die die Landeskirche alle sechs Jahre bekanntgibt, am besten im Kirchenbezirk verteilt werden kann.

Fünfeinhalb Pfarrstellen muss der Kirchenbezirk Tübingen im laufenden Pfarrplanprozess bis 2024 abbauen. Ein schmerzhafter Einschnitt, der im Kirchenbezirk aber auch einiges in Bewegung gebracht hat, beobachtet die neue Synodenvorsitzende. Kirchengemeinden müssten sich nun Gedanken machen „wo sind unsere Schwerpunkte, und was kann man mit der Nachbargemeinde gemeinsam machen“, so Lichtenberger-Maier.

„Ich finde es spannend zu sehen, was alles in diesem Kirchenbezirk steckt“, sagt die Pfrondorferin. Der Kirchenbezirk Tübingen bilde im Kleinen das ganze theologische Spektrum der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ab, vom Pietismus bis zu liberalen Strömungen. Diese Bandbreite bringe die Herausforderung mit sich, „jeden mit seinem Anliegen wahrzunehmen und gleichzeitig ein klares Profil von Kirche zu zeigen“, weiß die neue Vorsitzende.

Und eine profilierte evangelische Kirche, die Stellung bezieht, wünscht sich Christine Lichtenberger-Maier, eine Kirche, die christliche Werte deutlich vertritt und den Menschen im Blick hat. „Wir beschäftigen uns mit Bau- und Verwaltungssachen, aber merken unsere Mitmenschen, dass wir durch unseren christlichen Glauben getragen werden?“, fragt die Synodenvorsitzende kritisch.

Christine Lichtenberger-Maier ist in Tübingen geboren und in Pfrondorf aufgewachsen. Nach ihrem Abitur am Tübinger Wildermuth-Gymnasium studierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg Evangelische Theologie, Heimat- und Sachunterricht sowie Deutsch und Mathematik.  Nach ihrem Referendariat in Pliezhausen war sie Lehrerin in Neustetten, wohnte während dieser Zeit in der Tübinger Altstadt und war Mitglied der Jakobuskirchengemeinde. Derzeit unterrichtet sie an der Dorfackerschule in Lustnau.

Die neue Vorsitzende der Bezirkssynode ist verheiratet und hat einen Sohn und zwei Töchter. In ihrer Freizeit schwimmt sie gerne, liest viel – am liebsten russische Schriftsteller – und geht auf Reisen. Die französische Atlantikküste, Griechenland und Brasilien haben es ihr besonders angetan.

Geschrieben von Andreas Föhl am 26.03.2019.