Klinikseelsorger Friedemann Bresch geht in den Ruhestand

„Seelsorge ist für mich eine Herzensangelegenheit“ sagt Friedemann Bresch. Der evangelische Pfarrer ist seit 2010 Seelsorger am Universitätsklinikum Tübingen (UKT), zuständig für die Bereiche Psychiatrie, Neurochirurgie und Medizinethik. Jetzt geht er in den Ruhestand. Am Freitag, 22. März, verabschiedet Dekanin Elisabeth Hege den Pfarrer im Rahmen einer Feier im Festsaal der Psychiatrie, um 14 Uhr.

Als Klinikseelsorger ist Bresch Ansprechpartner für Patienten der Neurologischen und der Psychiatrischen Klinik. „Wer bin ich?“, Was hält mich?“ oder „Was ist das Ziel meines Lebens?“ lauteten die Fragen, die insbesondere in Gesprächen mit Psychiatrie-Patienten häufig auftauchten, erzählt Bresch. Denn deren Krankheitsbilder beträfen in besonderer Weise die Persönlichkeit und auch den Glauben. Beispielsweise könnten Menschen in einer Depression oft nicht mehr beten oder hätten Schuldgefühle, so der Pfarrer.

Neben seiner Arbeit als Seelsorger gehört Bresch auch dem Klinischen Ethikkomitee am UKT an. Das Gremium verständigt sich über die ethischen Leitlinien des Klinikums, berät Mitarbeitende, Angehörige und Patienten in ethischen Fragen und bietet Fort- und Weiterbildungen im Bereich Ethik an. Und der Klinikseelsorger unterrichtet auch: Er gibt Religionsunterricht an der Klinikschule der Kinder- und Jugendpsychiatrie und lehrt an der Pflegeschule des UKT das Modul „Ethische Fragen“.

Aufgewachsen ist Friedemann Bresch im hohenlohischen Unterheimbach. Seine Jugend hat der Pfarrerssohn in Reutlingen verbracht. In Tübingen und Heidelberg hat er Theologie und Germanistik studiert. Nach dem Vikariat in Leonberg schlug Bresch zunächst den Weg ins Lehramt ein: Er machte sein Referendariat in Korntal und Zuffenhausen und unterrichtete an einem Berufsschulzenrum in Ludwigsburg. Während dieser Zeit fiel dann doch die Entscheidung für das Pfarramt. Ausschlaggebend sei die „Vielfalt der Menschen“ gewesen, mit denen man als Gemeindepfarrer zu tun habe, das habe ihn gereizt, erzählt der Seelsorger im Rückblick. Bresch war acht Jahre lang Pfarrer in Albstadt-Tailfingen und 17 Jahre in Kilchberg-Bühl. 2010 wechselte er ans Tübinger Universitätsklinikum.

Der scheidende Klinikseelsorger ist verheiratet und hat drei Töchter. Im Chor Voicecream singt er Pop-, Rock- und Jazzsongs unter anderem von Supertramp, Toto und Herbert Grönemeyer. Zudem ist er gerne zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs. Dafür und für die ein oder andere Reise bliebt in Zukunft mehr Zeit, auch wenn der 65-Jährige mit dem Ruhestand nicht alle seine Baustellen verlassen wird. Bresch engagiert sich weiterhin im Bündnis gegen Depression Neckar-Alb, dessen zweiter Vorsitzender er ist, als Friedensbeauftragter im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen und in der Arbeitsgruppe Ethik am UKT. Dort schult er Pflegekräfte zu Ethikbeauftragten, die dann für ihre Kolleginnen und Kollegen Ansprechpartner in ethischen Fragen des Klinikalltags sein können.

Geschrieben von Andreas Föhl am 11.03.2019.