Gute Mischung sorgt für gute Atmosphäre

Seit 3. Februar hat die Vesperkirche in Rottenburg ihre Türen geöffnet. Am kommenden Samstag geht die dreiwöchige Vesperkirchenzeit zu Ende. Im Schnitt 200 Menschen täglich haben die Vesperkirche im evangelischen Gemeindehaus dann besucht. Neben vielen Bedürftigen auch Berufstätige und Studierende.

Das sei „eine gute Mischung“, sagt Susanne Mehlfeld, die die Vesperkirche seit 2015 betreut. Die ganz unterschiedlichen Menschen sorgten für eine gute Atmosphäre. Das mache die Rottenburger Vesperkirche aus und attraktiv, ist sich die Diakonin sicher. Sie erzählt von einem Ehepaar, das lange dachte, die Vesperkirche sei nichts für sie. Nach einem Besuch dort, waren die beiden dann aber sehr angetan und haben sich geärgert, nicht früher gekommen zu sein.

Anders als in Stuttgart oder im benachbarten Tübingen sei unter den Gästen der Rottenburger Vesperkirche zwar „niemand, der auf der Straße lebt“, erzählt Susanne Mehlfeld, „aber Menschen, die finanziell knapp sind“ gebe es auch in Rottenburg viele. Laut Heide Mattheis vom Leitungsteam der Vesperkirche zählen viele Hartz-IV-Bezieher, ältere Menschen mit kleiner Rente oder Menschen, denen es psychisch nicht gut geht, zu den Vesperkirchengästen. Daneben kommen auch Studenten von der Hochschule für Forstwirtschaft oder die Mitarbeiter verschiedener Rottenburger Geschäfte und Büros zum Mittagessen. Auch der Weihbischof samt Mitarbeitern und der Oberbürgermeister mit seinen Amtsleitern waren schon in der Vesperkirche zu Gast.

„Solidaresser“ nennt Heide Mattheis solche Gäste. Denn wie viel er oder sie für Mittagsgericht, Salatteller, Suppe und bei Bedarf Kaffee und Kuchen geben will, entscheidet jeder Gast selbst. Wer mehr geben kann, solidarisiert sich mit denen, die weniger geben können.

Rund 130 ehrenamtliche Mitarbeiter halten den Vesperkirchenbetrieb drei Wochen lang am Laufen. Dazu kommen Schülerinnen und Schüler des Eugen-Bolz-Gymnasiums, die hier ihr Sozialpraktikum ableisten. Die Vesperkirche sei vor allem „ein Magnet für Jungs“, beobachtet eilde Mattheis. Und die machten ihre Sache in der Küche oder als Bedienung „ganz toll“.

Das Essen kommt wie in den vergangenen Jahren von der Metzgerei Zeeb in Kirchentellinsfurt. Mitarbeiter der Vesperkirche holen es jeden Tag dort ab. Die Fahrzeuge dafür stellt die Rottenburger Tafel zur Verfügung. Rund 30 Frauen und Männer, die mithelfen, braucht die Vesperkirche am Tag. Neu ist in diesem Jahr, dass zwei Personen statt einer die Tagesleitung übernehmen, erzähl Heide Mattheis. So könne eine Tagesleitung die Gäste begrüßen und die andere sich um die Organisation kümmern. Und zur Not seien auch Heide Mattheis oder Susanne Mehlfeld täglich da, manchmal auch alle beide.

Geschrieben von Andreas Föhl am 19.02.2019.