Vertrauen in eine verbesserliche Welt

Weihnachten schenke „das Vertrauen, dass wir in einer verbesserlichen Welt leben“, sagte Dekanin Elisabeth Hege in ihrer Predigt am Heiligen Abend in der Stiftskirche. Zur Christvesper um 17 Uhr kamen gut 1400 Menschen. Viele fanden keinen Sitzplatz mehr. Insgesamt feierten am Heiligen Abend rund 4000 Gläubige in den vier Gottesdiensten in der Tübinger Hauptkirche die Geburt Jesu.

Dekanin Hege legte ihrer Predigt eine Ankündigung aus dem Buch des Propheten Jesaja zu Grunde: Der Prophet habe Jahrhunderte vor Jesus die Geburt eines Kindes angekündigt, das Friede und Gerechtigkeit schaffe. Die Hoffnung in den königlichen Herrscher, den Jesaja dabei vermutlich im Blick gehabt habe, sei unerfüllt geblieben. „Erstaunlicherweise“, so Hege, hätten die Worte des Propheten ihre Kraft aber trotzdem bewahrt. Sie seien sogar „mehr und mehr zum Hoffnungslicht geworden“.

Diese Hoffnung habe mit der Geburt Jesu ein Gesicht bekommen, schlug die Dekanin die Brücke zu Weihnachten. „Es ist die Hoffnung, dass Gott in diesem Kind neu beginnt mit unserer Welt“ und „dass wir in einer verbesserlichen Welt leben“, so die Predigerin.

Angesichts des „überwältigenden Dunkels“, das sich etwa im Schicksal von geflüchteten Menschen, im Elend der kongolesischen Bevölkerung oder der weltweiten Klimaveränderung zeige, meldeten sich Zweifel an dieser Hoffnung, räumte Hege ein. Jedoch gebe es immer wieder Bilder, die dafür sprächen, „dass gerade im Schwachen und Kleinen ein Neuanfang liegt“. Die Dekanin erzählte die Geschichte des schwer kranken palästinensischen Jungen Muhi. Trotz amputierter Unterschenkel und Unterarme erobere Muhi „fröhlich, neugierig und lerneifrig“ seine Welt. Und durch seine Behandlung in Israel bringe er Israelis und Palästinenser zusammen. Er überwinde „Grenzen, die sonst fast unüberwindlich sind“, sagte Hege. In Muhi zeige sich „die Kraft, die in den Ohnmächtigen mächtig ist“.

Wie die Geschichte Muhis sei auch die Geschichte Jesu „hochpolitisch“ und eine „Gegengeschichte gegen die Herrschermacht“. Dort, wo es dunkel sei, beginne Gott neu, so die Dekanin. „Das lässt uns hoffen, auch für uns und unsere Welt“.

Organist Jens Wollenschläger und der Tübinger Posaunenchor gestalteten die Christvesper in der Stiftskirche musikalisch.

Geschrieben von Andreas Föhl am 27.12.2018.