Ein Baum in der Tübinger Integrationsarbeit

Seit 30 Jahren begleitet der Jugendmigrationsdienst (JMD) des Diakonischen Werks Tübingen Jugendliche mit Migrationshintergrund im Landkreis. Am vergangenen Freitag feierten JMD-Berater Uwe Gieseler und JMD-Beraterin Elena Gerhard mit zahlreichen Gästen das Jubiläum im Tübinger „Haus der Kirche“.

Unter Ihnen konnte die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Cornelia Weber den Bundestagsabgeordneten Martin Rosemann sowie den Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal, begrüßen. Man habe das Jubiläum bewusst auf den Internationalen Tag für Toleranz gelegt, um ein Zeichen für eine Gesellschaft der Vielfalt zu setzen, erklärte Weber.

„Wir begleiten Jugendliche auf ihren Integrationswegen“, beschrieb Uwe Gieseler die Aufgabe des Jugendmigrationsdienstes. Als er vor 25 Jahren seine Arbeit in Tübingen begonnen habe, seien Spätaussiedler die Zielgruppe des JMD gewesen. Das habe sich laut Gieseler geändert. Inzwischen berieten er und seine Kollegin Elena Gerhard alle zugewanderten jungen Menschen. Auch viele Geflüchtete fänden den Weg in das JMD-Büro in der Hechinger Straße.

Der Jugendmigrationsdienst habe die Schwierigkeiten, die der Jugendliche hat, zu erkennen und nicht die Schwierigkeiten, die der Jugendliche macht, zu beseitigen, formulierte Walter Weissgärber das Ziel der JMD-Arbeit. 2017 hätten die Jugendmigrationsdienste deutschlandweit rund 126.000 junge Menschen beraten, wusste der Leiter der Bereiche Migration und Integration innerhalb der Bundesgemeinschaft Evangelischer Jugendsozialarbeit. In Tübingen hätten Uwe Gieseler und Elena Gerhard laut Statistik rund 276 Jugendliche begleitet. Der JMD leiste „einen wichtigen Beitrag zur Willkommenskultur in Tübingen“, so Weissgärber.

Die Integrationsbeauftragte des Landkreises Tübingen Barbara Tomforde verglich den JMD Tübingen mit einem „Baum in der manchmal stürmischen Integrationsarbeit“ und lobte dessen tragende Rolle bei der Organisation der Interkulturellen Woche. Der Jugendmigrationsdienst ermögliche es Jugendlichen, über ihre Probleme in einem geschützten Raum zu reden.

In ihrem Vortrag zum Internationalen Tag für Toleranz betonte Pfarrerin Ines Fischer, Toleranz bedeute nicht das Erdulden von Minderheiten, sondern „gleiche Rechte für alle“. Die Asylpfarrerin in der Prälatur Reutlingen bewertete das Jahr 2015, in dem viele geflüchtete Menschen nach Deutschland gekommen sind, als sehr positiv. Das bislang in Deutschland vernachlässigte Thema Integration sie dadurch in der Bevölkerung angekommen. Darüber und über das große Engagement vieler Menschen sei sie froh, so die Pfarrerin. Im Blick auf den aufgekommenen Populismus mahnte Fischer zu einem vorsichtigen Umgang mit Sprache. „Sprache schafft Wirklichkeit“, zitierte sie den Philosophen Ludwig Wittgenstein. Es entstünden Bilder im Kopf, die weiterarbeiteten. Im Blick auf die Zukunft empfahl die Pfarrerin, in die Begegnungen mit geflüchteten Menschen hineinzugehen, sehr genau auf die Sprache zu achten und Konzeptionen zu entwickeln, die Menschen guttun.

Geschrieben von Andreas Föhl am 19.11.2018.