Den christlichen Glauben nach außen deutlich machen

Am Sonntag, 11. November, steht Pfarrer Helmut Stepper das letzte Mal vor seinem Ruhestand auf der Kanzel der Pliezhausener Martinskirche. Im Abschiedsgottesdienst, der um 10 Uhr beginnt, entbindet Dekanin Elisabeth Hege den langjährigen Seelsorger von seinen Pflichten.

Seit 1991 ist Helmut Stepper evangelischer Pfarrer in Pliezhausen und im benachbarten Dörnach. Pfarramtssekretärin Sylvia Höllwarth hat in den Kirchenbüchern nachgeschaut und zusammengezählt: In den vergangenen 27 Jahren hat der Geistliche über 1800 Gemeindegottesdienste gefeiert, gut 200 Paare getraut, rund 600 Kinder getauft, fast 700 Jugendliche konfirmiert und etwa 450 Bestattungsgottesdienste gehalten.

„Eine schöne, lange Zeit“, sagt der 65-Jährige. Bei seiner Arbeit habe er sich von der Frage leiten lassen „Wie können wir als Gemeinde unseren Glauben zeigen und nach außen deutlich machen?“, Dazu passt, dass der scheidende Pfarrer im Rückblick vor allem Ereignisse nennt, bei denen die evangelische Kirchengemeinde auch außerhalb der Kirchenmauern Präsenz zeigte. Etwa den Besuch der Zeltkirche in den Jahren 2000 und 2014, den Posaunentag oder die jährlichen Gottesdiensten am Fuhrmannstag und an der Leistungsschau des Gewerbevereins. In Steppers Amtszeit fielen auch der Kauf einer neuen Glocke für den Kirchturm und die große Renovierung der Martinskirche.

Eigentlich fühlt sich der Seelsorger „zu fit für den Ruhestand“. Inzwischen könne er sich aber mit dem Gedanken an das Ende seines Dienstes in Pliezhausen anfreunden, sagt der Seelsorger. Die so genannte Entpflichtung, also die Freisprechung von den dienstlichen Pflichten, im kommenden Abschiedsgottesdienst empfinde er auch als „Befreiung von Verantwortung“. In seinem Ruhestand will Helmut Stepper mehr lesen und Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen. Zudem freut er sich auf Ausflüge nach Südtirol, wo es ihm und seiner Frau besonders gut gefalle. Der Pfarrer ist in zweiter Ehe verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkel.

Aufgewachsen ist Helmut Stepper in Stuttgart-Mönchfeld. Nach der Schule und einer Lehre arbeitete er als Vermessungstechniker. Anschließend besuchte er die technische Oberschule mit dem Ziel, das Abitur zu machen und Vermessungsingenieur zu werden. Doch es kam anders. Als der Oberschüler seinen Onkel in Kanada besuchte, lernte er dort in der Kirchengemeinde Jugendliche kennen, deren „ganz freies Christsein“ ihn sehr angesprochen und dazu gebracht habe, sich selbst näher mit dem Glauben zu beschäftigen, erzählt Stepper. Es reifte der Entschluss, die Vermessungstechnik an den Nagel zu hängen und einen geistlichen Beruf zu ergreifen. Stepper besuchte drei Jahre lang die Missionsschule in Bad Liebenzell und arbeitete anschließend beim Evangelischen Gemeinschaftsverband Nord-Süd. Dann zog es ihn zum Theologiestudium nach Tübingen. Nach dem Vikariat in Dußlingen kam Stepper nach Pliezhausen, zunächst als Pfarrer zur Anstellung, dann wurde er ständiger Pfarrer der Gemeinde.

Geschrieben von Andreas Föhl am 29.10.2018.