Die Offenheit der Menschen ist etwas Kostbares

Nach neun Jahren beendet Seelsorger Mathias Schmitz seinen Dienst am Tübinger Universitätsklinikum. Der evangelische Pfarrer geht zum Ende des Monats in den Ruhestand. Am kommenden Donnerstag, 25. Oktober, wird er um 14 Uhr im Rahmen einer Andacht in der Kapelle der Medizinischen Klinik verabschiedet.

„Ich bin immer wieder angerührt, wie intensiv wir mit Menschen in Beziehung kommen und wie viel uns Menschen von ihrer Lebensgeschichte anvertrauen“, sagt der scheidende Seelsorger. Die Offenheit, die ihm Menschen entgegenbrachten, empfinde er als „etwas sehr Kostbares“. Bei seiner Arbeit habe er sich „von dem leiten lassen, was die Menschen brauchen“, sagt der 65-Jährige. Klinikseelsorge bedeute im Kern, da zu sein und die Situation mit den Menschen zusammen auszuhalten. „Wir können dann dazu legen, was uns hält“, sagt Schmitz und meint damit die christliche Hoffnung, dass ein Mensch von Gott gehalten und bei Gott geborgen ist. Oft seien es „die alten Worte“, die er dann zur Sprache gebracht habe, wie etwa das Vaterunser.

Der scheidende Krankenhauspfarrer ist einer von insgesamt sieben evangelischen Klinikseelsorgern und -seelsorgerinnen am Universitätsklinikum. Sein Arbeitsbereich bis zum Ende des Monats ist die Große Intensivstation, die Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und die Allgemeinchirurgie in der Crona-Klinik. Das Büro teilt er sich mit seinem katholischen Kollegen. „Klinikseelsorge geht nur ökumenisch“, sagt Schmitz. Einen Nachfolger gebe es noch nicht.

Aufgewachsen ist Mathias Schmitz in Altbach am Neckar. Nach dem Abitur in Esslingen und dem Zivildienst in Stuttgart hat er in Bethel, Marburg, Zürich und Tübingen Theologie studiert. Sein Vikariat machte er in Bietigheim gemeinsam mit seiner Frau Ursula, die er schon während des Studiums kennen gelernt hat. Das Ehepaar teilte sich Gemeindepfarrstellen zunächst in Waiblingen, dann in Zell unter Aichelberg. 2003 gingen die beiden in die Klinikseelsorge am Städtischen Krankenhaus Sindelfingen und betreuten gleichzeitig die Kirchengemeinde Dagersheim. 2009 kam Mathias Schmitz nach Tübingen. Nach zwei Jahren an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik wechselte er an die Crona-Klinik und wurde geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Klinikseelsorge am Universitätsklinikum.

Am kommenden Donnerstag wird Mathias Schmitz in seiner Abschiedsandacht in der Kapelle der Medizinischen Klinik noch einmal predigen, bevor ihn Dekanin Elisabeth Hege „entpflichtet“, wie die Verabschiedung aus dem kirchlichen Dienst offiziell heißt. Abschied nehmen dann auch das evangelische Klinikseelsorgeteam, die katholischen Kollegen, Kirchenrätin Dr. Karin Grau und, als Vertreter des Klinikums, der Leiter des Südwestdeutschen Tumorzentrums Professor Dr. Daniel Zips.

Im nahen Ruhestand will Mathias Schmitz mehr lesen, mehr in der Natur unterwegs sein und – da es bis zum Ruhestand seiner Frau noch einige Jahre hin ist – auch mehr kochen.

Geschrieben von Andreas Föhl am 23.10.2018.