Ein Koffer gegen Sprachlosigkeit und Ohnmacht

Kinder und Tod passen so gar nicht zusammen. Aber Todesfälle gibt es auch an Schulen. Die evangelische Schulseelsorge des Kirchenbezirks Tübingen hat die Schulen im Landkreis jetzt mit so genannten Trauerkoffern ausgestattet. Ihr Inhalt soll Schülern und Lehrern dabei helfen, mit der Trauer umzugehen.

„Es ist etwas seltsam, jemandem etwas in die Hand zu geben, und doch gleichzeitig zu hoffen, dass es möglichst nicht zum Gebrauch kommt“, sagte Schuldekan Hans-Joachim Heese am Montag im Tübinger „Haus der Kirche“. Immer wieder passiere es aber doch, dass ein Platz im Klassenzimmer leer bleibe. Dann griffen Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit und Ohnmacht um sich. „Genau in dieser Situation will der Trauerkoffer Hilfestellung bieten und Halt geben“, so der Schuldekan.

Vertreter der Schulen, der Kindergartenarbeit, des Landkreises und der Städte Tübingen, Rottenburg und Mössingen waren ins Haus der Kirche gekommen, um die Koffer in Empfang zu nehmen. Die 27 weiterführenden Schulen bekamen jeweils einen eigenen Trauerkoffer. 14 weitere Koffer stehen im Schuldekanat, im Kreismedienzentrum, in der Schulpsychologischen Beratungsstelle, im Landratsamt sowie in den Stadtverwaltungen in Tübingen, Rottenburg und Mössingen bereit. Kindertagesstätten, Grund- und Sonderschulen können sie dort, wenn es nötig wird, abholen.

In den schwarzen Koffern mit Rädern und Griff finden sich etwa eine Kerze, ein Tischtuch, ein Holzkreuz, ein Bilderrahmen und ein Kondolenzbuch, um einen Trauertisch zu gestalten. Es gibt Gebets- und Bildkarten, eine CD mit ruhiger Harfenmusik, Kinder- und Jugendbücher, die sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen sowie Ratgeber für Lehrer und Erzieherinnen. Im Blick auf nichtchristliche Schüler ist auch eine Engelsfigur im Koffer. Engel spielten auch im Islam und im Judentum eine zentrale Rolle, erklärte Schulseelsorger Martin Kraft, der den Inhalt der Koffer gemeinsam mit Ilona Duffner vom Kreismedienzentrum zusammengestellt hat. In den Koffern für die Kindertagesstätten und Grundschulen gibt es auch ein Stofftier. All das, so Schuldekan Heese, solle dabei helfen, über den Tod zu sprechen, Zeit zum Trauern zu geben, Gefühle zu äußern und Hoffnung über den Tod hinaus zu gewinnen.

„Ganz großen Dank an den Evangelischen Kirchenbezirk für die Finanzierung“, richtete Stefanie Lüdigk aus, die in Vertretung des erkrankten Landrats Joachim Walter zur Kofferübergabe gekommen war. Bezahlt hat Hans-Joachim Heese die 41 Koffer mit Einnahmen vom Tübinger Schokoladenmarkt „ChocolArt“. Dort ist die Schulseelsorge seit Jahren mit einem Stand vertreten. Schulseelsorger, Schüler und Lehrer verkaufen Schokolade, Schoko-Mautaschen und selbst gebackenen Lebkuchen.

Geschrieben von Andreas Föhl am 23.10.2018.