Kirchenmusikalische Ära geht zu Ende

In einem Gottesdienst mit ganz viel Musik verabschiedeten sich Bezirkskantor Günther Löw und seine Frau Ruth am gestrigen Sonntag von der evangelischen Kirchengemeinde Mössingen und vom Kirchenbezirk Tübingen. Nach 36 Jahren gehen der Bezirkskantor und seine Frau, ebenfalls ausgebildete Kirchenmusikerin, in den Ruhestand.

Zu Beginn des Gottesdienstes in der Mössinger Peter-und-Paulskirche saßen Günther und Ruth Löw gemeinsam an der Orgel, am Ende standen sie gemeinsam vor dem Altar und nahmen den lang anhaltenden Applaus und die stehenden Ovationen der Gemeinde entgegen. Dazwischen gab es für das Ehepaar viel zu tun. Günther Löw wechselte zwischen Orgel, Klavier und Dirigentenpult. Seine Frau Ruth dirigierte den von ihr geleiteten Kinderchor „Chörle“ und reihte sich zwischen den Sängerinnen und Sängern der Mössinger Kantorei ein. Neben Chörle und Kantorei gestalteten das Mössinger Vokalensemble und Instrumentalisten den Abschiedsgottesdienst des scheidenden Bezirkskantors und seiner Frau. Den musikalischen Höhepunkt des Gottesdienstes bildete Martin Luthers Te Deum, neu vertont und geleitet von Günther Löw.

In den Konzerten von Günther und Ruth Löw habe man sich nicht als Besucher, sondern als Teil der Gemeinde gefühlt, sagte der Mössinger Pfarrer Joachim Rieger in seiner Predigt. Es habe immer auch Lieder zum Mitsingen gegeben, so der Pfarrer, der den beiden Kirchenmusikern für ihren Einsatz dankte. Insbesondere an Weihnachten habe die Familie Löw angesichts der vielen kirchenmusikalischen Einsätze oft zurückstecken müssen. Unter den Konzerten im Jahreslauf nahm laut Rieger die Passionsmusik am Karfreitag, dem Todestag Jesu und wichtigsten evangelischen Feiertag, eine besondere Stellung ein. „Das Zentrum des Glaubens war auch Zentrum der Kirchenmusik“, folgerte der Pfarrer.

Mit dem Abschied von Günther und Ruth Löw gehe eine Ära zu Ende, sagte der Mössinger Oberbürgermeister Michael Bulander. Beide seien „Kirchenmusiker aus Berufung und Leidenschaft“ gewesen. Günther Löw habe „lange Jahre für den guten Ton im Kirchenbezirk gesorgt“, lobte Dekanin Elisabeth Hege. Sie dankte dem Bezirkskantor für die Ausbildung von Organisten und Kirchenmusikern sowie für sein Engagement in der Mitarbeitervertretung des Kirchenbezirks. Mit seiner Unterrichtstätigkeit habe Löw viel für die kirchenmusikalische Versorgung der Gemeinden im Kirchenbezirk Tübingen geleistet, so Hege.

Den Dank der Landeskirche überbrachte Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke und nannte das Kantorenehepaar „eine Säule der Kirchenmusik in der Landeskirche“. Der Tübinger Kirchenmusikdirektor Ingo Bredenbach betonte, in der Kirchenmusik komme es nicht auf Stil oder Gesinnung an, sondern allein auf die Qualität. In Sachen Qualität sei Günther und Ruth Löw „in Mössingen Wegweisendes gelungen“, lobte Bredenach.

Geschrieben von Andreas Föhl am 22.10.2018.