Synode berät Pfarrplan und beschließt Haushalt

Die Umsetzung des Pfarrplans im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen nimmt konkrete Formen an. Dekanin Elisabeth Hege stellte der Bezirkssynode am gestrigen Montag im Gemeindehaus der Tübinger Eberhardskirche einen Vorschlag vor, wie bis zum Jahr 2024 fünfeinhalb Pfarrstellen eingespart werden können.

So lautet nämlich die Vorgabe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für den größten ihrer 47 Kirchenbezirke. Seit März hatte ein Sonderausschuss des Tübinger Kirchenbezirks beraten, wie diese Vorgabe am besten umgesetzt werden kann. Das Ergebnis präsentierte die Dekanin nun den Delegierten aus den 44 Kirchengemeinden des Bezirks. Sie betonte, es handle sich dabei um einen Entwurf, der Grundlage für weitere Beratungen sei. Endgültig verabschiedet die Synode die Umsetzung des Pfarrplans im März 2018.

Der elfköpfige Pfarrplan-Sonderausschuss habe versucht, die Last der Kürzungen auf möglichst viele Schultern zu verteilen, erklärte Hege. Als Folge davon gebe es künftig mehr Pfarrstellen mit einem 50-prozentigen Dienstauftrag. Da 50-Prozent-Stellen keine Geschäftsführung tragen können, geht die Geschäftsführung in mehreren Fällen an eine Nachbargemeinde über.

Dem Vorschlag des Pfarrplan-Sonderausschusses zufolge müssen elf Gemeinden des Kirchenbezirks in den kommenden Jahren auf je eine halbe Pfarrstelle verzichten: Die Gesamtkirchengemeinde Eckenweiler-Ergenzingen muss künftig mit einer 100-Prozent-Stelle statt wie bisher mit anderthalb Stellen auskommen. Wolfenhausen-Nellingsheim hat nur noch eine 50-Prozent-Stelle und gibt die Geschäftsführung an das benachbarte Remmingsheim ab. Ebenso ergeht es laut Vorschlag den Kirchengemeinden Kilchberg-Bühl und Talheim. Für Kilchberg-Bühl übernimmt künftig die Gesamtkirchengemeinde Weilheim-Hirschau die Geschäfte, für Talheim das benachbarte Öschingen. Dettenhausen muss von seinen bisher anderthalb Pfarrstellen eine halbe abgeben. Mähringen-Immenhausen hat statt einer ganzen nur noch eine halbe Stelle. Die Kirchengemeinde wird künftig teilweise von Wankheim-Jettenburg mitbetreut. Dort soll auch die Geschäftsführung liegen.

In der Gesamtkirchengemeinde Tübingen verlieren die Eberhardsgemeinde und die Stiftskirchengemeinde je eine halbe Stelle und müssen künftig mit jeweils anderthalb Pfarrstellen auskommen. Die Tübinger Albert-Schweitzer-Kirche übernimmt die Geschäftsführung der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, die künftig nur noch eine 50-Prozent-Stelle hat. Zudem gibt die Albert-Schweitzer-Kirche laut Vorschlag des Pfarrplan-Sonderausschusses ihre 50-Prozent-Pfarrstelle für Altenheimseelsorge nach Hagelloch. Dadurch bleibt Hagelloch bei 100 Prozent, obwohl die Pfarrstelle 25 Prozent und das ebenfalls mit 25-Prozent bewertete Bezirksdiakoniepfarramt verliert. Auch Unterjesingen verliert mit dem Bezirksjugendpfarramt eine 25-prozentige Sonderstelle sowie 25 Prozent Gemeindepfarrdienst und wird damit zur halben Pfarrstelle. Die Geschäftsführung soll das benachbarte Pfäffingen übernehmen.

In der Aussprache kritisierte Christoph Wiborg, die Reduzierung von Pfarrstellen passe nicht zu den steigenden Kirchensteuereinnahmen. „Die Zuwendung zu den Menschen vor Ort ist das, was Kirche ausmacht“, sprach sich der Pfarrer der Eberhardsgemeinde für den Erhalt von Gemeindepfarrstellen aus. Demgegenüber verteidigte Angelika Volkmann den Pfarrplan. Es gebe zwar „schmerzliche Einschnitte, aber auf hohem Niveau“. Sie gehe mit Vertrauen in die Zukunft, sagte die Pfarrerin der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und rief dazu auf, „dass wir das, was wir haben, teilen“. Pfarrer Dr. Klaus-Dieter Nikischin wies auf die enge Kooperation zwischen der Altenheimseelsorge am Luise-Wetzel-Stift und der benachbarten Albert-Schweitzer-Gemeinde hin. Diese müsse auch in Zukunft gewährleistet bleiben, forderte er. Der Vorsitzende des Evangelischen Jugendwerks Tübingen Markus Schwarz kritisierte, dass der Bezirksjugendpfarrer in Zukunft keine Stellenanteile mehr für seine Arbeit bekommen soll. Schwarz verwies auf Kirchenbezirke, in denen zwischen 25 und 100 Prozent für den Jugendpfarrer bereitgestellt würden.

Der Vorsitzende der Bezirkssynode Professor Martin Beck, der im kommenden Sommer in den Ruhestand gehen und sein Amt niederlegen wird, nannte die ausführliche Aussprache zum Pfarrplan eine „parlamentarische Sternstunde“.

Neben dem Pfarrplan stand auch der Haushaltsplan für das kommende Jahr auf der Tagesordnung der Bezirkssynode. Aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung, dem hohen Beschäftigungsstand und steigenden Löhnen nehme die Evangelische Landeskirche in Württemberg im laufenden Jahr mehr Kirchensteuern ein als erwartet, berichtete der Leiter der Kirchlichen Verwaltungsstelle Matthias Röckle. Dies komme auch dem Kirchenbezirk Tübingen zu Gute. So würden den Gemeinden des Bezirks 2018 rund 275.000 Euro mehr aus dem Kirchensteuertopf zugewiesen als im Vorjahr. Dazu kämen zusätzlich rund 400.000 Euro für die Substanzerhaltungsrücklagen, rund 600.000 Euro aus einem Sonderfond, mit dem die Umsetzung des Pfarrplans unterstützt werden soll sowie diverse Sondermittel.

Insgesamt erhalten Kirchengemeinden und Kirchenbezirk im kommenden Jahr 10,9 Millionen an Kirchensteuermitteln. Davon stehen dem Kirchenbezirk rund 2,5 Millionen Euro für seine Aufgaben zur Verfügung. Den mit 31,1 Prozent größten Teil gibt der Bezirk für die soziale und diakonische Arbeit aus. Der zweitgrößte Anteil mit 28,7 Prozent kommt der Jugendarbeit zu Gute. Es folgen die Arbeitsbereiche Seelsorge (20,2 Prozent), Bildungsarbeit (17,4 Prozent) und Kirchenmusik (2,1 Prozent). 0,5 Prozent entfallen auf allgemeine Aufgaben. Die Synode beschloss den Haushaltsplan einstimmig.

Auch den von der stellvertretenden Kirchenbezirksrechnerin Martina Mader-Sorg vorgelegten Rechnungsabschluss 2016 stellte die Bezirkssynode einstimmig fest. Die Rücklagen lagen am Ende des Haushaltsjahres 2016 mit 3,3 Millionen um 212.000 Euro höher als geplant. Grund: Der Kirchenbezirk hatte geringere Personalkosten und höhere Einnahmen als erwartet.

Im Gottesdienst zu Beginn der Synode setzte Dekanin Elisabeth Hege Christine Thumm, Benedikt Schweizer und Silas Stock in das Prädikantenamt ein und beauftragte die Prädikanten Ole Kazich, Dr. Lucia Lehr, Alexander Oleschinski und Heike Schüz erneut zum Predigtdienst.

Geschrieben von Andreas Föhl am 21.11.2017.