Mit Charakter und Nachdruck

Zum Reformationstag hat der Rottenburger Brauer Andreas Weber ein Bier kreiert. „Es ist wie Martin Luther, charaktervoll und nachdrücklich“, beschreibt Weber seine Rezeptur und nennt sie „Reformationssud“.

„Ich wollte es nicht Luther-Bier nennen, das war mir zu abgedroschen und zu langweilig“, begründet der Brauer aus dem Rottenburger Ortsteil Schwalldorf die Namensgebung. Als Untertitel ist auf dem Etikett „Von Katharina für Martin“ zu lesen. Schließlich hat Luthers Frau Katharina das Bier für ihren Ehemann im heimischen Keller selbst gebraut –  genau wie Andreas Weber. Dem Zweifamilienhaus im Rottenburger Ortsteil Schwalldorf sieht man nicht an, dass sich im Untergeschoss ein kleines Sudhaus verbirgt. 180 Liter Bier kann Weber dort mit einem Brauvorgang herstellen. Unter dem Namen „Doc’s Bier“ braut der promovierte Biologe in seiner Freizeit mehr als zwanzig verschiedene Biersorten. Manche nach alten, schon in Vergessenheit geratenen Rezepten, andere Biere sind Eigenkreationen.

Zu letzteren gehört auch der „Reformationssud“. Den Anstoß dazu gab der evangelische Pfarrer Andreas Föhl. Der Medienbeauftragte in der Prälatur Reutlingen besuchte Weber im Sommer und fragte, ob er sich vorstellen könne, so ein Bier zu brauen. Dabei stellten die beiden fest, dass sie nicht nur den gleichen Vornamen tragen, sondern auch beide in Schwenningen am Neckar geboren sind und – zeitversetzt – dieselbe Schule besucht haben, das Schwenninger Gymnasium am Deutenberg.

Die Idee, ein Reformationsbier zu kreieren, reizte den experimentierfreudigen Brauer. „Ich habe mir Luther als Person vorgestellt“, beschreibt Weber, wie er die Sache angegangen ist. Da Luther eine starke Persönlichkeit gewesen sei und viel bewirkt habe, wollte Weber, der selbst evangelisch ist, kein leicht zugängliches, „süffiges“ Bier brauen. „Es darf nicht alltäglich sein, sondern muss Charakter und Nachdruck haben“, lautete die Aufgabe, die der Brauer sich stellte. Herausgekommen ist ein obergäriges, naturtrübes, leuchtend bernsteinfarbenes Bier. Andreas Weber ist mit dem Ergebnis hochzufrieden: „Es ist genau, wie ich es mir vorgestellt habe“. Nach dem ersten Schluck breite sich eine gewisse aber nicht unangenehme Bitterkeit aus, beschreibt Weber den Geschmack. Das sei genau der „Nachdruck“, den er beabsichtigt habe.

Schmeckt der „Reformationssud“ wie das Bier zu Luthers Zeiten? „Ich hoffe nicht“, lacht Andreas Weber. Bei den damaligen hygienischen Verhältnissen sei jedes Bier nach kurzer Zeit schlecht geworden und habe einen Fehlgeschmack bekommen, weiß der Bierexperte. Das – ist sich der Biologe sicher – wird mit seinem „Reformationssud“ nicht passieren.

Seit fast 20 Jahren braut „Doc“ Weber, wie er von seinen Kunden genannt wird, sein eigenes Bier. Über die Jahre habe sich „Doc’s Bier“ in der Region um Rottenburg „Rang und Namen“ erworben, erzählt der Hobby-Brauer stolz. Kaufen kann man „Doc’s Bier“ direkt beim Erzeuger und in einigen wenigen Läden in der Region. Zudem schenkt Weber seine Kreationen bei ausgewählten Festen in Rottenburg, Tübingen und Schwalldorf aus.

Den „Reformationssud“ gibt es am Reformationstag, Dienstag, 31. Oktober, beim abendlichen Empfang des evangelischen Prälaten Dr. Christian Rose in der Reutlinger Marienkirche.

Geschrieben von Andreas Föhl am 25.10.2017.