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Zwischen Theologie und Recht

Die langjährige Direktorin des Evangelischen Oberkirchenrates in Stuttgart, Margit Rupp, ist am 18. September im Alter von 62 Jahren verstorben. Bis zum Beginn ihres Ruhestands im Januar dieses Jahres leitete die Juristin, die in Tübingen-Lustnau wohnte, die höchste Verwaltungsebene der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

2001 kam die gebürtige Bruchsalerin als erste Frau in die Geschäftsleitung des Evangelischen Oberkirchenrates. Als Direktorin leitete sie das Dezernat für Allgemeines Recht und Interne Verwaltung. Sie vertrat den Landesbischof in juristischen Angelegenheiten und leitete mit ihm zusammen die Sitzungen des Kollegiums, des obersten Leitungsgremiums der Landeskirche. Die Juristin begleitete viele Veränderungsprozesse innerhalb der evangelischen Kirche in Württemberg wie die Projekte „Personalentwicklung und Chancengleichheit“, „Wirtschaftliches Handeln in der Kirche“, den Pfarrplan oder die Verschlankung der kirchlichen Verwaltung. Es war ihr ein Anliegen, die landeskirchlichen Strukturen „auf die Zukunft auszurichten“, wie sie einmal sagte und die Kirche auf Herausforderungen wie den demografischen Wandel vorzubereiten. Margit Rupp wirkte auch auf einen Staatsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Landeskirche hin, der im Oktober 2007 zustande kam.

Entgegen ihrem ursprünglichen Berufsziel, Anwältin zu werden, begann Margit Rupp nach ihrem Jurastudium in Erlangen und Tübingen und dem anschließenden Referendariat, im Februar 1986 im Oberkirchenrat zu arbeiten. Zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Dienst- und Arbeitsrecht. „Der Spannungsbogen zwischen Theologie und Recht“ interessierte die junge Juristin, wie sie einmal im Rückblick sagte. Ab 1993 bis zu ihrer Ernennung zur Direktorin leitete sie das Referat Dienstrecht im Oberkirchenrat.

Margit Rupp engagierte sich über die Grenzen ihrer württembergischen Landeskirche hinaus. Sie war Mitglied der Kirchenkonferenz und der Leitenden Juristinnen und Juristen der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Von 2003 bis 2009 gehörte sie dem Rat der EKD an. Ab 2004 war sie Mitglied des Finanzbeirates des Rates der EKD, wo sie hohes Ansehen genoss und viele ihrer Anregungen aufgenommen wurden.

Darüber hinaus lag Margit Rupp der Bereich der Bildung am Herzen. So gehörte sie dem Kontakt-Ausschuss der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen an, war Mitglied im Kuratorium der Evangelischen Akademie Bad Boll und unterstützte die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidenberg. Zudem engagierte sie sich in verschiedenen Stiftungen wie dem Stifterbund zur Förderung Sozialen Lernens, der Stiftung des Evangelischen Jugendwerkes in Württemberg „Jugend.Bibel.Bildung“ und der Schneller Stiftung „Erziehung zum Frieden“, die Schulen im Libanon und Jordanien unterstützt.

Die Trauerfeier für Margit Rupp ist am kommenden Donnerstag, 28. September, um 12 Uhr in der Evangelischen Kirche in Lustnau. Die Feier leitet die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz.

Geschrieben von Andreas Föhl am 26.09.2017.


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