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Bachfest kommt im Herbst 2018 nach Tübingen

Für zehn Tage im Herbst 2018 wird Tübingen zur Bachmetropole. Die Stadt ist vom 28. September bis 7. Oktober nächsten Jahres Gastgeberin des 93. Bachfestes. Ingo Bredenbach, Kirchenmusikdirektor und Kantor an der evangelischen Stiftskirche in Tübingen, hat das Festival mit anderen zusammen an den Neckar geholt. Jetzt, ein Jahr bevor der erste Ton des Bachfestes erklingt, haben Bredenbach und seine Mitstreiter im Tübinger Rathaus das Programm vorgestellt.

„Kein Tach ohne Bach“. Diese Devise des katholischen Kardinals Reinhard Marx sei das inoffiziellen Motto des Bachfestes 2018, erklärt Ingo Bredenbach. Rund 70 Veranstaltungen in zehn Tagen im befassen sich im kommenden Herbst mit Johann Sebastian Bach und seiner Musik. Das offizielle Motto des Festivals lautet „Bach bearbeitet“. Denn alle Konzerte und Musikveranstaltungen, so Bredenbach, ließen sich in drei thematische Blöcke einteilen: „Bach bearbeitet seine Vorgänger“, „Bach bearbeitet sich selbst und seine Zeitgenossen“ und „Bach wird von seinen Nachfolgern bearbeitet“. Über den Meister wird beim Bachfest auch geredet: beim Eröffnungsvortrag sowie in einem musikwissenschaftlichen und einem theologischen Symposion. Zudem ist Bach in Kunstausstellungen und Filmen präsent.

Die musikalischen Veranstaltungen liegen auf vier Zeitschienen, erklärt der Musikdirektor der Eberhard-Karls-Universität Philipp Amelung. Musikbegeisterte können bereits um 9 Uhr „In den Tag mit Bach“ starten. Jeweils um 12.30 Uhr gibt es eine „Mittagsmusik“. Die „Abendkonzerte“ beginnen um 20 Uhr, und täglich um 22.30 Uhr geht es „In die Nacht mit Bach“.

Der Rektor der Hochschule für Kirchenmusik, Christian Fischer, weist auf experimentelle Programmpunkte des Bachfestes hin, etwa das „Audiovisuelle Performancekonzert“ der Stimm-Performance-Künstlerin Frauke Aulbert oder ein Konzert, bei dem die Publikumssitze mit Lautsprechern verbunden werden. Durch die Vibrationen, die so entstehen, sollen auch gehörlose Menschen Bachs Musik erfahren können.

Die Idee, das Bachfest nach Tübingen zu holen, stammt von Ingo Bredenbach, erzählt Fischer die Genese des Projektes. Zu dritt hätten er, Bredenbach und Philipp Amelung die Idee dann in „nächtlichen konspirativen Sitzungen“ entwickelt und konkretisiert. Vor gut zwei Jahren sei die Stadt Tübingen mit eingestiegen und mit ihr Matthias Ehm als Projektleiter für das Bachfest 2018 zum Trio dazugestoßen.

Das Bachfest, so die Leiterin des Kulturamtes, Dagmar Waizenegger, sei ein „Beispiel dafür, wie toll die Kooperation in der Stadt funktioniert“. Die Stadt, die Evangelische Kirche, die Universität und die Hochschule für Kirchenmusik veranstalten das Bachfest gemeinsam mit der Neuen Bachgesellschaft Leipzig. Letztere wurde im Jahr 1900 zum 150. Geburtstag des Meisters gegründet. Seitdem veranstaltet der Verein das Festival in jährlich wechselnden Städten, unterbrochen von den beiden Weltkriegen. Deshalb, erklärt Dr. Andreas Bomba, der als Vertreter der Neuen Bachgesellschaft nach Tübingen gekommen ist, feiert man im kommenden Jahr nicht zum 117., sondern erst zum 93. Mal.  

Tübingens Erste Bürgermeisterin, Dr. Christine Arbogast, nennt das Bachfest „einzigartig für Tübingen“. Das Musikfestival sei ein „Geschenk“, für das sie den künstlerischen Leitern Ingo Bredenbach, Christian Fischer und Philipp Amelung dankbar sei. Die Bürgermeisterin betonte, dass neben internationalen Stars auch sehr viele regionale Künstler beim Bachfest auftreten. Das vielfältige Programm spreche zudem nicht nur „die gesetzten Bürgerlichen“ an, sondern alle Milieus und Altersgruppen.

Dies bringt auch das Plakat zum Ausdruck, mit dem für das Bachfest 2018 geworben wird. Es zeigt das wohl bekannteste Bach-Portrait von Elias Gottlob Haußmann. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf: Der Meister kneift verschmitzt ein Auge zu, und in seiner Hand hält er nicht das Notenblatt des Originalgemäldes, sondern einen Tablet-Computer, auf dem Bach als Rocker mit Lederjacke und Sonnenbrille zu sehen ist.

Ab sofort läuft auch der Vorverkauf für das Bachfest 2018. Die teuerste Karte kostet 45 Euro – nicht viel im Blick auf vergleichbare Konzerte, meint Projektleiter Matthias Ehm. Viele Veranstaltungen des Bachfestes seien kostenlos, so dass auch Menschen mit keinem oder geringem Einkommen mitfeiern können, so Ehm. Der Projektleiter rechnet mit mehreren 10.000 Besuchern – auch von weit her: „Es gab schon eine Anfrage aus Neuseeland“.

Weitere Informationen gibt es unter www.bachfest-2018.de.

Geschrieben von Andreas Föhl am 29.09.2017.


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