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Bezirkssynode mit Schwerpunktthema Seelsorge

Die Seelsorge stand im Mittelpunkt der Tagung der Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen am Montagabend im Stephanus-Gemeindezentrum. Pfarrerinnen und Pfarrer aus den Bereichen Klinikseelsorge, Altenpflegeheimseelsorge und Notfallseelsorge gewährten den rund 120 Mitgliedern der Synode Einblicke in ihrer Arbeit.

So machte die Altenpflegeheimseelsorgerin Monika Gaiser-Maucher auf die besondere Situation der Menschen in Pflegeheimen aufmerksam. Pflegebedürftige alte Menschen hätten viele Abschiede zu bewältigen, sie erführen die Vergänglichkeit am eigenen Leib und würden oft von unbewältigten Beziehungskonflikten belastet, wusste die Seelsorgerin. Die Seelsorge an pflegebedürftigen Menschen werde aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Raum einnehmen, prognostizierte die Pfarrerin. Im Altenpflegeheim bringe die Seelsorge den Kern des Evangeliums zum Ausdruck: Ein Mensch wird von Gott wertgeschätzt, auch wenn er nichts leisten kann.

Friedemann Bresch ließ die Synodalen an einem Arbeitstag eines Seelsorgers in der Psychiatrischen Klinik teilhaben. Dazu gehörten neben Gesprächen mit Patienten auch der Austausch mit Pflegekräften, der Religionsunterricht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Erarbeitung von ethischen Leitlinien. Seine Kollegin, Gisela Schwager, berichtete, welche Fragen ihr von Patienten und ihren Angehörigen gestellt werden. Sie lauteten „Wie komme ich zurecht mit meinem kranken Leben?“, „Warum lässt Gott das zu?“ oder „Sieht mich Gott wirklich?“. Immer wieder gelte es auch „dunkles auszuhalten“, sagte die Pfarrerin. Klinikseelsorgerinnen und Klinikseelsorger seien nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Mitarbeitenden wichtige Ansprechpartner und Begleiter, unterstrich Pfarrerin Elisabeth Zeile.

Von der Arbeit der Notfallseelsorge berichteten Andreas Kopp und Friedericke Bräuchle. Am häufigsten würden Notfallseelsorger gerufen, um Todesnachrichten zu überbringen. So auch als ein junger Mann bei einem Motorradunfall ums Leben kam, erzählte Andreas Kopp. Nachdem die Polizei die Familie informiert habe, blieb der Notfallseelsorger vor Ort, um die Angehörigen zu betreuen und Freunde zu informieren. Die Familie sollte auch nach seinem Weggang nicht allein sein. „Es gilt da zu sein und mit auszuhalten“, sagte der Pfarrer. Durch die Notfallseelsorge werde „Kirche in der Welt erkennbar“, betonte Friedericke Bräuchle. Gleichzeitig wies die Pfarrerin auf den Mangel an Seelsorgern im Landkreis Tübingen hin. Zurzeit gebe es 20 evangelische und katholische Notfallseelsorger, „eigentlich bräuchte man 26“.

Neben dem Schwerpunktthema Seelsorge standen auch die Finanzen auf der Tagesordnung der Synode. So beschlossen die Vertreter der 44 Kirchengemeinden, dass das diesjährige bezirksweite Opfer dem Entschuldungsfonds der Schuldnerberatung zu Gute kommen soll. Aus dem Fonds würden überschuldeten Menschen Kredite gewährt, erklärte die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Tübingen Cornelia Weber. Schon ein Darlehen von 1000 Euro ermöglichte Vielen aus der Schuldenfalle herauszukommen. Um möglichst vielen Menschen helfen zu können, sollen die 15.000 Euro Startkapital des Fonds durch Spenden auf eine sechststellige Summe gebracht werden, hofft Weber.

Die gute konjunkturelle Lage beschere der Evangelischen Landeskirche in Württemberg weiterhin stabile Kirchensteuereinahmen auf hohem Niveau, berichtete Kirchenbezirksrechner Matthias Röckle. Das komme auch dem Kirchenbezirk Tübingen zugute. So könne der Bezirk für das kommende Jahr 2018 mit 9,58 Millionen aus Kirchensteuermitteln rechnen, sagte Röckle. Das sind 275.000 Euro oder drei Prozent mehr als im letzten Jahr. Zudem stelle die Landeskirche insgesamt rund 1,5 Millionen Euro an Sondermitteln zur Verfügung, die den Kirchengemeinden direkt zu Gute kommen. Unter anderem zahlt die Landeskirche den Gemeinden im kommenden Jahr 7,25 Euro pro Gemeindeglied, um die Einschnitte, die der Pfarrplan mit sich bringt, abzumildern. Für das Geld könnten beispielsweise zusätzliche Stunden für Pfarramtssekretärinnen finanziert werden, schlug Röckle vor. Die Synode beschloss, die Bezirksumlage von bisher 30,20 Euro um 1,25 Euro auf 31,45 Euro pro Gemeindeglied zu erhöhen. Mit der Bezirksumlage werden die übergemeindlichen Aufgaben des Kirchenbezirks finanziert.

Von der Tagung der Landessynode in Reutlingen Anfang Juli berichtete der Landessynodale Dr. Harald Kretschmer. Erstmals in ihrer Geschichte habe die Synode in Reutlingen getagt, wusste Kretschmer. In den Mittelpunkt seines Berichts stellte der Landessynodale den Thementag „Um Gottes Willen – Barmherzigkeit“, bei dem sich die Synode mit der Aktualität der reformatorischen Rechtfertigungslehre beschäftigt habe. Neben den Theologen Dr. Simone Sinn und Professor Dr. Christoph Schwöbel stand mit Winfried Kretschmann auch der Ministerpräsident auf dem Rednerpult – auch das ein Novum in der Geschichte der Landesynode, so Kretschmer.

Geschrieben von Andreas Föhl am 18.07.2017.


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