Aktuelle Nachrichten

Diakonisches Werk Tübingen richtet Entschuldungsfonds ein

Kleine Schulden können große Sorgen bereiten. Nämlich dann, wenn man sie nicht begleichen kann. Hilfe bringt ein Entschuldungsfonds des Diakonischen Werkes Tübingen. Gemäß dem Motto der evangelischen Kirche im Reformationsjubiläumsjahr „… da ist Freiheit“ sollen verschuldete Menschen wieder aufatmen können.

Menschen wie Herr K. Der 57-jährige verliert unverschuldet seinen Arbeitsplatz, als sein Dispokredit bereits überzogen ist. Mit der Zeit erhöhen sich seine Schulden bei der Bank auf knapp 6000 Euro. Keine astronomisch hohe Summe, aber Herr K. kann sie nicht zurückzuzahlen. Um den Kredit zu bedienen, zahlt er seine Miete nur noch teilweise. Als ihm der Vermieter kündigt, ist er so verzweifelt, dass er versucht, sich umzubringen.

Herr K. sei kein Einzelfall, erzählt Michaela Gieschen von der Schuldnerberatung Tübingen. Viele Menschen kommen in solche oder ähnliche Situationen, oft ohne eigenes Verschulden, weiß die Beraterin. Ein zinsloses Darlehen, dass Hand in Hand mit einem Beratungsprozess geht, kann helfen, erklärt Gieschen. So konnte sie im Fall von Herrn K. die Bank dazu bringen, ihre Forderung deutlich zu reduzieren. Um den Restbetrag zu begleichen, bekam Herr K. einen zinslosen Kredit, den er in den folgenden Monaten zurückzahlte – in Raten, die ihn zwar forderten, aber nicht überforderten.

Um Menschen wie Herrn K. zu helfen, hat das Diakonische Werk im Kirchenbezirk Tübingen einen Entschuldungsfonds in Höhe von 15.000 Euro eingerichtet. Angestoßen haben den Fonds die Evangelische Landeskirche und die Diakonie in Württemberg, die jeweils 5.000 Euro Startkapital beisteuerten. Kirche und Diakonie wollen im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ durch lokale Entschuldungsfonds das Motto „… da ist Freiheit“ konkret erfahrbar machen. Sie greifen dabei ein Anliegen Martin Luthers auf: Der Reformator hatte schon vor 500 Jahren zinslose Darlehen für Bedürftige gefordert.

Die 15.000 Euro sind ein Grundstock, erklärt die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Tübingen, Cornelia Weber. Zielgruppe, so Weber, seien Menschen im Landkreis Tübingen mit relativ überschaubaren aber trotzdem belastenden Schulden. Das zinslose Darlehen in Verbindung mit einer nachhaltigen Schuldnerberatung erspare ihnen das Insolvenzverfahren und biete eine „große, lebensstabilisierende Hilfe“. Jetzt in der Anfangszeit gewährt der Fonds Darlehen bis maximal 1.000 Euro. Wenn der Fonds wachse, könne die Summe erhöht werden, stellt die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes in Aussicht.

Ziel sei es, den Fonds auf eine „sechsstellige Summe“ zu bringen, sagt Cornelia Weber, damit möglichst viele verschuldete Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Schulden in den Griff zu bekommen. Deshalb sucht das Diakonische Werk Spender: Neben Privatpersonen auch Firmen, Institutionen oder Handwerker. Auf diese wird in den kommenden Wochen Jörg Melchert zugehen, der viele Jahre im Vorstand der Tübinger Tafel war und Erfahrung im Fundraising mitbringt.

Wer den Tübinger Entschuldungsfonds mit einer Spende unterstützen möchte, kann das tun über die

Bankverbindung:

Kirchenbezirk Tübingen
Kreissparkasse Tübingen
IBAN: DE56 6415 0020 0000 0120 36
BIC: SOLADES1TUB
Stichwort: Entschuldungsfonds

Ansprechpartnerin ist

Cornelia Weber, Geschäftsführerin Diakonisches Werk Tübingen
E-Mail:
Telefon: 07071 9304-70

Geschrieben von Andreas Föhl am 30.03.2017.


Weitersagen:


Mehr aktuelle Nachrichten