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Das Notwendige tun und mit Gottes Geist rechnen

Der neue Pfarrplan 2024 stand im Mittelpunkt der Frühjahrssynode des evangelischen Kirchenbezirks Tübingen am Montagabend in Lustnau. Laut Vorgabe der Landeskirche muss der Kirchenbezirk bis zum Jahr 2024 auf fünfeinhalb seiner derzeit 49,5 Pfarrstellen verzichten. Als Gäste begrüßten die Synodalen den Reutlinger Prälaten Dr. Christian Rose und Landrat Joachim Walter.

Die mit dem Pfarrplan verbundenen Abschiede sollen nicht schöngeredet oder unter den Teppich gekehrt werden, sagte Dekanin Elisabeth Hege, warb aber gleichzeitig um einen „hoffnungsvollen Blick nach vorn“. In der Nachfolge Jesu könnten sich Horizonte auftun, die man alleine nicht sehe, so die Dekanin in ihrer Andacht zu Beginn der Sitzung.

Prälat Dr. Christian Rose rief dazu auf, die anstehenden Veränderungen nicht nur als verwaltungstechnische, sondern auch als „geistliche Aufgabe“ zu sehen. Es gelte, das Notwendige zu tun und gleichzeitig mit dem „Wirken des Gottesgeistes“ zu rechnen. Als konkrete Beispiele für künftige Veränderungen nannte Rose gemeinschaftliche Kirchenpflegen, die Zusammenlegung von Gremien und die Schwerpunktbildung im Pfarramt.

„Wir werden uns auf neue Strukturen und Kooperationen einlassen müssen“, kündigte auch der Rottenburger Pfarrer Jürgen Huber an. Der Vorsitzendes des Pfarrplan-Sonderausschusses zeigte, dass die Reduzierung von Pfarrstellen notwendig ist: Zum einen nehme die Anzahl der Kirchenmitglieder stetig ab. Zum anderen gebe es in absehbarer Zeit nicht mehr genug Pfarrerinnen und Pfarrer, um die vorhandenen Pfarrstellen zu besetzen. Als Grund für den Pfarrermangel nannte Huber die geburtenstarken Jahrgänge, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Es mache keinen Sinn, Pfarrstellen zu erhalten, für die es dann kein Personal gebe.

Wo die fünfeinhalb Stellen im Kirchenbezirk eingespart werden, sei offen, sagte Huber. Der Sonderausschuss des letzten Pfarrplans 2018 habe zwar vorausblickend Vorschläge erarbeitet, diese müssten aber neu überprüft werden. Zudem empfahl Huber, schon jetzt den Pfarrplan 2030 in den Blick zu nehmen, der voraussichtlich eine weitere Reduzierung um fünfeinhalb Pfarrstellen mit sich bringe.

Dies alles zu bedenken, ist Aufgabe des Pfarrplan-Sonderausschusses. In ihm sind je ein Pfarrer und ein Kirchengemeinderat aus allen vier Distrikten des Kirchenbezirks vertreten. Zudem gehören der Schuldekan, der Verwaltungsstellenleiter und die leitende Gemeindediakonin dem Gremium an. Die Arbeit des Ausschusses wird von zwei externen Moderatoren begleitet.

Das Gremium wird in den nächsten Monaten Vorschläge zur Umsetzung des Pfarrplans erarbeiten und Gespräche mit den betroffenen Gemeinden führen, kündigte Huber an. Im November legt der Sonderausschuss der Bezirkssynode ein erstes vorläufiges Konzept vor, zu dem die betroffenen Gemeinden Stellung nehmen können und das gegebenenfalls noch einmal überarbeitet wird. Endgültig beschließt die Synode das so genannte „bezirkliche Stellenverteilungskonzept“ dann im März 2018.

Pfarrer Jürgen Huber ermutigte die Synode, den Veränderungsprozess anzugehen. Kirchliche Strukturen bedürften immer wieder der Erneuerung, sagte er. Dies entspreche dem Selbstverständnis der evangelischen Kirche als ecclesia semper reformanda – als Kirche, die immer wieder neu reformiert werden müsse.

Landrat Joachim Walter bedankte sich bei den evangelischen Christen des Kirchenbezirks für ihren Einsatz in der Flüchtlingsarbeit und bat sie, sich auch weiterhin zu engagieren. Nach der ersten Phase der Unterbringung gelte es jetzt, die Geflüchteten zu integrieren und an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. „Auch da braucht es viel ehrenamtliche Unterstützung“, so der Landrat.

Diakoniepfarrerin Gudrun Bertsch berichtete der Synode von ihrer Arbeit. Die Hagellocher Pfarrerin betonte die Zusammengehörigkeit von Diakonie und Gemeinde: „Diakonie ist gelebter Glaube der Gemeinde in Tat und Wort“, sagte Bertsch. Für die große Mehrheit der evangelischen Christen gehöre der Dienst am Nächsten zum unverzichtbaren Profil der evangelischen Kirche. „Dieses Profil gelte es weiterhin zu schärfen, so die Diakoniepfarrerin.

Dekanin Elisabeth Hege und der Vorsitzende der Bezirkssynode Professor Martin Beck berichteten der Synode von ihrer Kamerunreise Anfang des Jahres. Eine fünfköpfige Delegation des Kirchenbezirkes Tübingen hatte die drei Partnerbezirke der Presbyterianischen Kirche in Kamerun besucht. Besorgt erzählten Hege und Beck von dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen dem englischsprachigen und dem frankophonen Teil der Bevölkerung, der in Deutschland weitgehend unbekannt sei. Das Land drohe auseinanderzubrechen, sagte Beck.

Mit Birgit Auth-Hofmann stellte sich die Fundraising-Beauftragte des Kirchenbezirks der Synode vor. Bei Bedarf berät sie Gemeinden bei der Planung von Spendenkampagnen. Einen Einblick in die Arbeit der Württembergischen Landessynode, die sich in der letzten Woche in Stuttgart getroffen hatte, gab der Landessynodale Horst Haar.

 

Geschrieben von Andreas Föhl am 21.03.2017.


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