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"Wo gibt es das sonst?"

Vier Wochen gehen schnell vorbei. Am kommenden Samstag schließt die Vesperkirche in der Tübinger Martinskirche wieder für ein Jahr ihre Türen.

„Eine Art von Begegnung, die in unserer Gesellschaft sonst äußerst selten vorkommt“, das ist für Diakon Peter Heilemann das Besondere der Vesperkirche. In der Vesperkirche begrüße der ehemalige Richter den ehemaligen Häftling und der ehemalige Daimler-Manager bediene den Arbeitsuchenden. „Wo gibt es das sonst?“ fragt Heilemann, der die Vesperkirche gemeinsam mit einem Leitungsteam organisiert.  

Vielleicht ist diese Besonderheit der Grund für den großen Erfolg der Tübinger Vesperkirche auch in diesem Jahr. Rund 300 Mittagessen wurden jeden Tag ausgegeben, sonntags sogar bis zu 400, dazu Kaffee und Kuchen. Feste Preise gibt es nicht. Jeder steckt in die kleinen Holzkirchen, die auf den Tischen stehen, was er kann und will.

Das Projekt Vesperkirche ist nur mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu stemmen. Rund 300 Mitarbeitende haben dieses Jahr wieder mitgemacht. Einige punktuell, andere regelmäßig. Wobei die Mitarbeit in der Vesperkirche Lust auf mehr macht: „Wer dieses Jahr ein Mal mithilft, ist im nächsten Jahr vier Mal dabei“, weiß Heilemann und erzählt: „Es hat hier schon manch einer als Gast angefangen und wurde dann Mitarbeiter“.

Etwa ein Drittel der Mitarbeitenden sind Männer. Für manche sei möglicherweise das Anforderungsprofil „starker Mann“ ansprechend, vermutet Heilemann. Denn starke Männer braucht man tatsächlich in der Vesperkirche, etwa um das schwere Geschirr zum Spülen hinunter ins Untergeschoss zu tragen. Aber die „starken Männer“ helfen dann auch gerne in der Küche oder beim Bedienen der Gäste.

Die diesjährige Vesperkirche ist die achte in Tübingen. Nachdem in den ersten Jahren viel entwickelt und manches ausprobiert worden sei, stehe jetzt das Gerüst, so Heilemann und weiter: „So wie die Vesperkirche jetzt funktioniert, kann sie erst mal bleiben“ – auch im nächsten Jahr wieder.  

Geschrieben von Andreas Föhl am 16.02.2017.


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