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XXL-Flügel für die Stiftskirche

Die Tübinger Stiftskirche hat einen neuen Konzert-Flügel. Das 600 Kilogramm schwere und 2,90 Meter lange Instrument der Marke Bösendorfer wurde am gestrigen Dienstag angeleifert. Damit erweitern sich die musikalischen Möglichkeiten der zentralen Tübinger Kirche enorm. „Wir sind sehr glücklich über den neuen Flügel“, sagt Jens Wollenschläger.

Bisher mussten der Stiftskirchenorganist und Ingo Bredenbach, der Kantor der Stiftskirche, auf geliehenen Instrumenten spielen. Der Flügel, der im Moment im Kirchenraum steht, ist beispielsweise eine Leihgabe der Tübinger Hochschule für Kirchenmusik. Die möchte ihr Instrument demnächst wieder zurückhaben. Außerdem waren die ausgeliehenen Flügel immer eine Nummer zu klein für den großen Kirchenraum. Das neue Instrument, erklärt Wollenschläger, könne sich gegen ein großes Orchester behaupten oder gleichwertig mit der Orgel zusammen musizieren. Auch die Begleitung der bekanntermaßen stimmgewaltigen Stiftskirchengemeinde im Gottesdienst sei jetzt kein Problem mehr, ist sich der Stiftskirchenorganist sicher, selbst wenn 1.000 Menschen oder mehr kommen. Dabei sei der Bösendorfer nicht vordergründig laut sondern souverän voluminös, schwärmt Wollenschläger, „Man kann auch sensibel darauf spielen“, sagt er.

Auch den Stiftskirchenkantor, Ingo Bredenbach, erfüllt „überbordende Freude, dass diese herrliche Kirche jetzt auf besondere Weise klanglich-sinnlich erfahren werden kann“. Mit 97 Tasten umfasse das neue Instrument acht volle Oktaven und reiche bis zum Subkontra-C hinunter. Es besitzt damit eine Oktave mehr als herkömmliche Flügel. Es gebe nur einen Hersteller, der noch größere Flügel baut, erklärt Wilhelm Hölzle. Der Klavierbauer- und Händler aus Sindelfingen hat es sich nicht nehmen lassen, das außergewöhnliche Instrument in die Stiftskirche zu begleiten. Bevor der Flügel nach Tübingen kam, hat Hölzle ihn an Konzertveranstalter und Studios vermietet.

So viele Superlativen haben ihren Preis. 82.000 Euro kostet das gute Stück. Für die gebotene Qualität aber ein „Schnäppchen“, sind sich Bredenbach und Wollenschläger einig. Denn der nur vier Jahre alte Konzertflügel stehe da wie neu. Ein fabrikneues Instrument hätte das Doppelte gekostet. Trotzdem will auch das „Schnäppchen“ finanziert sein. Die beiden Stiftskirchenmusiker rühren deshalb schon kräftig die Werbetrommel und bitten um Spenden. Am Mittwoch, 22. Februar, findet im Gemeindehaus Lamm ein Benefizkonzert zu Gunsten des neuen Flügels statt. Für Menschen, denen die Kirchenmusik in Tübingen am Herzen liegt, liegen in der Stiftskirche eigens gedruckte Überweisungsträger aus.

Jetzt muss sich der XXL-Flügel erst einmal an seinem neuen Standort akklimatisieren. Dann wird er gestimmt. Am 4. März ist das außergewöhnliche Instrument zum ersten Mal in einer Motette zu hören. Ab 20 Uhr setzen das Klavierduo Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann sowie die Sopranistin Christine Reber den Flügel in Szene mit Werken von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, Franz Liszt, Richard Strauss und Carl Reinecke.

Geschrieben von Andreas Föhl am 15.02.2017.


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