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Erwachsenenbildung ohne Berührungsängste

Über elf Jahre lang war Karola Vollmer das Gesicht der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenbezirk Tübingen. Jetzt verlässt die Theologin und Sozialpädagogin das Kreisbildungswerk, das sie seit 2005 leitet. Die langjährige Erwachsenenbildnerin wird Landeskirchliche Referentin für das Ehrenamt in Stuttgart-Birkach.

Wichtig während ihrer Zeit in Tübingen war Karola Vollmer die Bildungsarbeit mit gesellschaftlich ausgegrenzten und benachteiligten Menschen. Um sie zu erreichen, ging sie ins Männerwohnheim, in den Arbeitslosentreff, in die Vesperkirche und in die U-Haft und machte in Absprache mit den dortigen Sozialarbeitern regelmäßige Gesprächsangebote. 2012 initiierte Vollmer mit einigen Bewohnern des Männerwohnheims das Kunstprojekt „Lebenswelten“ mit anschließender Ausstellung. „Aufsuchende Bildungsarbeit“ nennt die Theologin die Arbeit mit Menschen, die von sich aus keinen leichten Zugang zu den Angeboten der Erwachsenenbildung finden. „Dabei ist mir mein sozialpädagogischer Hintergrund zu Gute gekommen“, sagt Vollmer. Berührungsängste habe sie nie gehabt.

Ein weiterer Schwerpunkt war für die Erwachsenbildnerin die Schulung und Begleitung von Ehrenamtlichen. Zudem führte sie mehrfach Reisegruppen aus dem Kirchenbezirk Tübingen auf den Spuren Luthers durch die neuen Bundesländer und organisierte regelmäßig Fahrten zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Karola Vollmer ist Autorin und Mitherausgeberin des Erwachsenenbildungskurses „Reformationen – Hintergründe – Motive – Wirkungen“, der zum Reformationsjubiläum erschienen ist und den sie auch mehrfach in Tübingen angeboten hat.

In Vollmers Händen lag auch die Projektleitung für den Tübinger Bezirkskirchentag 2012. Zwei Jahre lang hat sie das dreitägige Treffen mit zahlreichen Veranstaltungen gemeinsam mit Pfarrer Gerd Ziegler vorbereitet. Zum Bezirkskirchentag mit dem Motto „Himmel und Erde bewegen“ kamen rund 12.000 Besucher.

Karola Vollmer ist in München und Nürtingen aufgewachsen. Nach dem Abitur am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium folgte das Theologiestudium in Bethel, München und Tübingen mit den Schwerpunkten Systematische und Praktische Theologie. Anschließend studierte die Theologin in Tübingen Erziehungswissenschaften und arbeitete schon während ihres Studiums als Bildungsreferentin im Diakonischen Werk Württemberg. Nach ihrem Studium brachte Vollmer in Reutlingen den Fachdienst für Assistenz, Beratung und Inklusion – kurz FABI – mit auf den Weg, eine Beratungsstelle für Eltern mit assistenzbedürftigen Kindern. Anschließend arbeitete die Theologin und Sozialpädagogin als wissenschaftliche Angestellte in der Abteilung Sozialpädagogik der Universität Tübingen, bevor sie 2005 pädagogisch-theologische Bildungsreferentin im Kirchenbezirk Tübingen wurde.

Entspannung und Erholung findet die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern beim Wandern, Walken und in der Musik. Von Hause aus Flötistin, hat Karola Vollmer erst vor wenigen Jahren begonnen, Trompete zu lernen und spielt inzwischen zusammen mit ihrem Mann im Tübinger Posaunenchor. Vor kurzem hat sie auch die Fotografie für sich entdeckt.

Geschrieben von Andreas Föhl am 31.01.2017.


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