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Theologie-Professor und Song-Poet

Mit einem Konzert in der Tübinger Kreuzkirche hat der evangelische Theologe Hans-Joachim Eckstein am vergangenen Samstag eine CD mit eigenen Liedern vorgestellt. Gespielt wurden die Eckstein-Songs von einer achtköpfigen Band rund um den Gitarristen und Produzenten Winnie Schweitzer. Der Autor selbst erzählte zwischen den Liedern, welche Gedanken und Geschichten dahinterstecken.

Hans-Joachim Eckstein hat bis zu seiner Emeritierung im letzten Jahr an der Universität Tübingen gelehrt und gehörte der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an. Ein Theologieprofessor und Kirchenmann, der Lieder schreibt? Im Pressegespräch vor dem Konzert kontert Eckstein: „Die Frage ist nicht ‚Wie kommt ein Theologieprofessor dazu, Lieder zu schreiben?‘, sondern ‚Wie kommt ein Liederschreiber dazu, Theologieprofessor zu werden?‘“ Denn, stellt der Theologe klar, eigene Musik habe er schon seit seiner Jugend gemacht, lange bevor er seine akademische Laufbahn eingeschlagen habe.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit hat der gebürtige Kölner nicht nur zahlreiche Bücher herausgegeben, die auch Nicht-Theologen verstehen können, sondern auch Lieder geschrieben und komponiert. Darunter einige Klassiker der neueren christlichen Musik, die in zahlreiche Gemeinde- und Jugend-Liederbücher Eingang gefunden haben. Sprache und Inhalte sind Eckstein wichtig. Durch Musik komme aber eine weitere Dimension hinzu: „Musik entfaltet die Wirkung von Texten“, sagt der Theologe und verweist darauf, dass sich vertonte Texte viel stärker einprägen als unvertonte und oft bis ins hohe Alter behalten werden.

Dass seine Lieder auch auf CD zu hören sind, hat Eckstein seiner Frau Angelika zu verdanken. Sie überraschte ihren Mann bereits vor zwei Jahren zum Geburtstag mit einer ersten CD – aufgenommen ohne sein Wissen. Nun folgt mit „Wie ein Adler“ ein zweiter Tonträger. Er enthält neben älteren Liedern auch zahlreiche neue Songs, die Hans-Joachim Eckstein in den letzten beiden Jahren geschrieben hat.

Auf die Frage nach seinem eigenen Musikgeschmack antwortet der 67-Jährige mit Namen wie Donovan, Bob Dylan und Simon and Garfunkel. Die Musik der 60er und 70er Jahre habe ihn geprägt. Hier setzte Produzent und Gitarrist Winnie Schweitzer an, als er die Eckstein-Songs, die auf der akustischen Gitarre entstanden sind, für eine Band-Besetzung arrangierte: „Was haben die heute Ü-50- oder Ü-60-Jährigen in ihrer Jugend gehört?“, so lautete die Ausgangsfrage. Diese Musik der 60er, 70er oder auch 80er Jahre habe er sich angehört und daran nicht nur mit seinen Arrangements, sondern auch mit der Soundästhetik angeknüpft, erklärt Schweitzer. Aufgenommen wurde live und mit viel alter Analogtechnik im Vintage-Music-Studio in Bremen.

Im Konzert am Samstagabend ist diese Reminiszenz dann auch zu hören, besonders deutlich etwa, wenn Schweitzer in einem Lied mit einem Augenzwinkern Eric Claptons Gitarrenlinie aus „Wonderful tonight“ zitiert. Die Songs kommen im abwechslungsreichen Gewand daher, mal sogar als Country-Stück oder als waschechter Blues. An einigen Stellen entfernt sich die Band von den ursprünglichen Harmonien, was den bekannten Songs überraschende Momente verleiht. Geschmackvolle Orgel- und Pianosounds steuert Ralf Schuon an den Tasten bei. Martin Denzin gehört zu den seltenen Schlagzeugern, die ihr Instrument auch leise und trotzdem groovend spielen können. Am Bass hat Manuel Steinhoff großen Anteil daran, dass die überwiegend ruhigen Songs gleichzeitig sehr kraftvoll rüberkommen. Akzente setzen Cellist Rainer Gleim, Barbara Reeß mit ihren Saxophon-Fills und -Soli sowie Bandleader Winnie Schweitzer an der Gitarre.

Achim Stadelmaier und Lea Braun singen angenehm zurückhaltend. Die Texte kommen immer zu ihrem Recht. Das sei anfangs gar nicht ihre Musik gewesen, verrieten die beiden jungen Musiker zuvor im Pressegespräch. Bald hätten die Eckstein-Songs sie aber „sehr berührt“. Eckstein schreibe „tiefe Texte, aber nicht komplizierte Texte“, das sei das Besondere.

Zwischen den Liedern erzählt Hans-Joachim Eckstein Gedanken und Geschichten, die hinter seinen Liedern stehen. Etwa wie er sich als 17-Jähriger mit seinem Moped nach England aufgemacht hat. Dort, bei der so genannten Fackelträger-Bewegung, habe er einen ganz anderen Glauben als in Deutschland kennen gelernt: einen Glauben, der befreie, statt ein schlechtes Gewissen zu machen. Die befreiende und lebensfördernde Kraft der Liebe Gottes ist seitdem Ecksteins Thema.

Der Theologe erzählt, dass Christen nicht versuchen müssen, Gottes Abbild zu werden, sondern als Gottes Ebenbild seine Liebe wiederspiegeln dürfen wie der Mond die Sonne. Er erzählt vom „Leben im Wir“ und dass Glaubende ihr Leben nicht allein meistern müssen: „Gott verlangt nichts von uns, zu dem er nicht auch bereit ist, uns zu begleiten“, sagt Eckstein. Mit der Gegenwart von Jesus Christus zu rechnen, obwohl man ihn nicht sehen kann, nennt der Theologe einen „erwachsenen Glauben“. Er ist davon überzeugt, dass solches Vertrauen das Leben verändert. Ecksteins Lieder wollen eine Anleitung zu so einem Glauben sein.

Geschrieben von Andreas Föhl am 30.01.2017.


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