Aktuelle Nachrichten

Weihnachten - die Gegenbewegung Gottes

Mit der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem habe Gott begonnen, „eine Gegenbewegung in die Welt zu setzen“, sagte Dekanin Elisabeth Hege in ihrer Predigt an Heiligenabend. Über 1300 Menschen kamen allein zur Christvesper in die Tübinger Stiftskirche, um diese Weihnachtsbotschaft zu hören. In den insgesamt vier Gottesdiensten im zentralen Tübinger Gotteshaus feierten rund 3800 Menschen die Heilige Nacht.

Die Nacht, in der Jesus geboren wurde, sei zunächst eine „dunkle Nacht“ gewesen, „in der schiefgeht, was schiefgehen kann“, beschrieb Dekanin Elisabeth Hege die Umstände von Jesu Geburt. Maria sei durch das autoritäre Regime des römischen Kaisers Augustus und die von ihm angeordnete Volkszählung gezwungen worden, ihr Kind fernab der Heimat in einem Stall zur Welt zu bringen. Aber durch die Geburt Jesu, so die Dekanin, „wird es doch noch eine andere, eine heilige Nacht“. Maria, Joseph und die Hirten hätten gemerkt: „Es kann nochmal neu werden mit ihnen und mit aller Welt, eben mit diesem Kind“.

Dem erwachsenen Jesus sei Jahre später der Gelehrte Nikodemus begegnet, schlug Dekanin Hege die Brücke zum dritten Kapitel des Johannesevangeliums, das im Zentrum ihrer Predigt stand. Auch Nikodemus sein in der Nacht zu Jesus gekommen. Ihn habe die Frage nicht losgelassen, „ob es nochmal anders, besser, neu wird mit seinem Leben und mit der Welt. Oder geht alles irgendwann den Bach runter?“ Durch die Begegnung mit Jesus, sei die Nacht aber auch für Nikodemus zur „Heiligen Nacht“ geworden. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“, zitierte Elisabeth Hege das Johannesevangelium. Mit Jesus sei Gott „mitten in der Krise“ in die Welt gekommen, um zu zeigen, dass er „sie nicht sich selbst überlässt, sondern einen neuen Anfang macht“, so die Dekanin.

„Wieder ist es Nacht geworden über Tübingen und Stuttgart, Berlin und Oberhausen, Istanbul und Aleppo“ nahm Elisabeth Hege Bezug auf die Gegenwart und die erschütternden Ereignisse der Tage vor dem Christfest. „Ob dennoch eine heilige Nacht daraus werden kann, auch für uns?“, fragte sie. Mit der Geburt des Kindes in der Krippe habe Gott eine „Gegenbewegung“ in die Welt gesetzt, „damit Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe wieder zusammenfinden“. Gott habe in der Heiligen Nacht seinen Weg zur Rettung und zum Frieden begonnen. Er frage nun, „ob wir diesen Weg mitgehen, ob wir mit unseren Kräften dazu beitragen.“ Die Dekanin rief die Gottesdienstbesucher dazu auf: „Lassen wir uns gefallen, das zu sein und immer neu zu werden: Menschen, denen Gottes gefährdete Welt nicht gleichgültig ist. Weil er sie so sehr geliebt hat“.

Geschrieben von Andreas Föhl am 25.12.2016.


Weitersagen:


Mehr aktuelle Nachrichten