„Wer den Himmel sucht, muss nicht nach oben starren“

Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer

„Wer den Himmel sucht, muss nicht nach oben starren“, sagte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer in ihrer Heiligabendpredigt am Samstag, 24. Dezember um 17 Uhr in der Stiftskirche. In der Heiligen Nacht habe Gott sich in seinem Sohn Jesus Christus in die Finsternis der Welt hineinbegeben.

„In dieser Welt ist Gott da. Aus ihr geht er nicht mehr weg, auch wenn wir ihn vor lauter Finsternis jetzt nicht sehen“, erklärte die Dekanin.

„Finsternis ist die Welt, in der das Geld die Mächtigen kauft, damit diese sich über alles Recht hinwegsetzen, in der Soldaten auf Bürger schießen, Kinder und Unschuldige getötet werden und über Gerechtigkeit und Frieden hinterrücks gelacht wird“, sagte die Dekanin weiter in ihrer Auslegung eines Abschnitts aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Das alles soll nach dem Wort des Propheten um Gottes Willen ein Ende haben.“

Das Thema Burn-out habe die Menschen im vergangenen Jahr besonders beschäftigt, sagte Dekanin Dr. Kling-de Lazzer: „Eine der vielen Ursachen dieser komplizierten Krankheit ist, dass die Betroffenen die Beziehung zu ihren Gefühlen, ihrer wahren Lebendigkeit verloren haben.“ Sie sprach von der „Sehnsucht, aus der Umklammerung von Leistung und Erfolg und funktionieren-müssen herauszukommen.“ Doch die Welt müsse nicht bleiben wie sie ist: „Die Gegenbilder zur Finsternis sind uns tief eingeprägt: Das Kind, die Engel, das Licht.“ Dies komme in der Heiligen Nacht besonders zur Geltung: „In jeder Kerze, die wir anzünden, scheint etwas von Gottes Licht in die Finsternis.“

Viele Menschen ließen sich am Heiligen Abend faszinieren von den Krippenspielen und Christmetten: Im Kirchenbezirk Tübingen besuchten rund 30.000 Menschen einen evangelischen Gottesdienst. Die Zahl der Gottesdienstbesucher stieg gegenüber dem vergangenen Jahr leicht an; damals hatte aber starker Schneefall manche vom Gottesdienstbesuch abgehalten. Als Besuchermagnet erwies sich einmal mehr die Tübinger Stiftskirche: Obwohl im Gemeindegebiet nur 3.200 evangelische Gemeindeglieder wohnen, feierten am Heiligen Abend mehr als 4.400 Menschen die insgesamt vier Gottesdienste mit. Die Kollekte aus allen Gottesdiensten an allen Orten ging wie jedes Jahr an die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 25.12.2011.


  
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