Finanzspritze für die Seelsorge

Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer

Die Seelsorge im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen soll nach einem Beschluss der Kirchenbezirkssynode eine extra-Finanzspritze aus Spendenmitteln bekommen. Die 126 Delegierten aus allen evangelischen Kirchengemeinden des Bezirks beschlossen auf ihrer Sommersitzung am Montag, 5. Juli im Tübinger Stephanusgemeindezentrum über die Verwendung des so genannten Bezirksopfers:

Die in allen Kirchengemeinden jährlich in einem Sonntagsgottesdienst eingesammelte Kollekte soll in diesem Jahr der Notfallseelsorge, der Telefonseelsorge und der Seelsorge in der Untersuchungshaft zugute kommen.

Die ökumenische Notfallseelsorge werde zwar ehrenamtlich versehen, erklärte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer (Bild links oben) vor der Synode, doch müssten Supervisionen, Fortbildungen und Fahrtkosten selbst finanziert werden. Ähnliches gelte für die ökumenische Telefonseelsorge Neckar-Alb, die mit 70 Ehrenamtlichen eine telefonische 24-Stunden-Präsenz gewährleiste. Hier würden die anderthalb Hauptamtlichen-Stellen von den Kirchen und den Landkreisen gemeinsam finanziert. Die Seelsorge in der Tübinger Untersuchungshaft sei wichtig, weil die Außenkontakte der Untersuchungshäftlinge stark eingeschränkt seien. Ein Teil des 30-prozentigen Dienstauftrags von Diakon Peter Heilemann müsse über Spenden finanziert werden.

Auf Sparsamkeit schwor Bezirksrechner Martin Schüßler die Bezirksgemeinden ein: Weil nur erwerbstätige Kirchenmitglieder kirchensteuerpflichtig seien, würden die Kirchensteuereinnahmen infolge der demographischen Entwicklung mittelfristig „tendenziell sinken“. Zum Ausgleich der Haushalte der einzelnen Kirchengemeinden wie auch des Kirchenbezirks seien „in den nächsten Jahren erhebliche Rücklagenentnahmen und der Einsatz von freien Mitteln erforderlich.“ Für die Jahre 2011 bis 2014 gehe er zwar von einem „in etwa gleichbleibenden Verteilniveau“ aus, sagte Schüßler. Steigende Personal- und Sachkosten könnten aber nur durch Kürzungen an anderer Stelle aufgefangen werden. Die Bezirksumlage, mit der die Gemeinden die Aufgaben des Bezirks finanzieren, wurde von der Bezirkssynode für das Rechnungsjahr 2011 unverändert auf 24,25 Euro je Gemeindeglied festgesetzt.

Eine Verwaltungsstrukturreform hat die Bezirkssynode einstimmig beschlossen: Während im Tübinger Haus der Kirche („Villa Metz“) bisher Verwaltungseinrichtungen der Landeskirche, des Kirchenbezirks und der Gesamtkirchengemeinde nebeneinander arbeiten, soll es ab 1. November 2010 ein gemeinsames Evangelisches Verwaltungszentrum mit nur noch zwei Anstellungsträgern geben, nämlich der Gesamtkirchengemeinde und der Landeskirche. Der Kirchenbezirk überträgt dazu seine Verwaltungsaufgaben gegen Personalkostenersatz an die Landeskirche. „Mit der Bildung dieser Kooperation sind keine Entlassungen oder Schlechterstellungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verbunden“, versicherte Martin Schüßler. Auch die Kirchengemeinden müssten keine Veränderungen befürchten; in der Regel blieben die Ansprechpartner dieselben. Arbeitsabläufe könnten durch die Reform aber optimiert und Personalwechsel leichter aufgefangen werden.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 06.07.2010.


  
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