Mission als Hilfe zur Deutung des Lebens

„Mission ist eine Dimension von Kirche, die im Alltag aufscheinen muss“, zeigt sich Rainer E. Müller nach einem Klausurwochenende des Kirchenbezirksausschusses (KBA) überzeugt. Am 5. und 6. März hatten sich 15 Mitglieder dieses Leitungsgremiums im Kloster Hegne bei Allensbach am Bodensee mit dem Thema „Mission – wie wir sie verstehen“ beschäftigt. Gastreferent war der Stuttgarter Pfarrer Martin Frank (Bild links).

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Missionserfahrung im afrikanischen Ghana und mit Hilfe historischer Fotos habe sich der Referent differenziert mit der Geschichte der Mission auseinander gesetzt, berichtet KBA-Mitglied Heide Mattheis aus Rottenburg: „Auch in früheren Zeiten ging es bei der Mission keineswegs darum, den Leuten nur etwas überzustülpen.“ Müller ergänzt: „Mission kann ein Dialog auf Augenhöhe sein. Die Missionare in Afrika waren früher keineswegs nur der verlängerte Arm der Kolonisatoren, sondern oft auch die Bewahrer der ursprünglichen Kulturen.“

Das Wort „missionieren“ sei heute wesentlich negativer belegt als das Wort „Mission“, haben die KBA-Mitglieder festgestellt. Zudem sei das Wort „missionieren“ auch nicht biblisch. Die Mission habe ihren Ursprung aber direkt bei Gott: „Mission ist daher missio Dei, Gottes Mission, in dessen leidenschaftliche Zuwendung zur Welt wir hineingenommen werden.“, sagt Pfarrer Martin Frank: „Nicht die Relation Gott – Kirche – Welt, sondern Gott – Welt – Kirche ist entscheidend.“

„Es geht uns jetzt nicht um Einzelaktionen im Kirchenbezirk“, bilanziert Rainer E. Müller, „sondern darum, uns den missionarischen Charakter der Kirche bewusst zu machen.“ Aussagen wie die eines Tübinger Vesperkirchen-Mitarbeiters, der erklärt hatte, man wolle „da sein, nicht missionieren“ seien mit dem grundsätzlich missonarischen Charakter der Kirche und mit dem auf der Klausur gewonnenen Missionsverständnis nicht vereinbar, sagt Heide Mattheis: „Wenn wir uns anderen zuwenden und miteinander am Tisch sitzen, dann ist das doch auch Mission.“ Dass Mission immer auch Grenzüberschreitung bedeute, sieht sie positiv: Schließlich dürfe es nicht um das Überschreiten persönlicher Grenzen des Gegenübers gehen, sondern – beispielsweise in der Vesperkirche – um das Überschreiten sozialer Grenzen. Für Heide Mattheis lautet deshalb das Fazit: „Mission heißt für mich, dass wir Menschen dabei unterstützen, eine Deutung für ihr Leben zu finden. Besonders glaubwürdig wird das dann gelingen, wenn andere die geäußerten Überzeugungen an uns auch erleben können.“

>>> Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung (DiMOE)
in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

>>> Online-Bildarchiv der Basler Mission/mission 21

Der Kirchenbezirksausschuss auf der Klausur im Kloster Hegne

Der Kirchenbezirksausschuss beim Klausurwochenende im Kloster Hegne bei Allensbach am Bodensee: Pfarrer Dr. Karl Theodor Kleinknecht, Albert Hörz, Peter Klett, Heide Mattheis, Pfarrer Joachim Rieger, Martin Schüßler, Rainer E. Müller, Pfarrer Ulrich Zeller, Schuldekan Hans-Joachim Heese, Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer, Friedrich Schuller, Prof. Martin Beck, Matthias Röckle, Pfarrer Gerd Ziegler, Pfarrer Dr. Martin Weeber (von links)

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 10.03.2010.


  
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