„Weihnachten nährt den Hunger auf Gott“

Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer

„Weihnachten nährt den Hunger auf Gott, indem es auf den Geschmack bringt“, sagte die Tübinger evangelische Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer in ihrer Heiligabendpredigt in der Stiftskirche. Die Gnade Gottes, von der der Predigttext aus dem neutestamentlichen Titusbrief rede, sei „eine Abkürzung dafür, dass es das Beste umsonst gibt: das Leben. Gnade ist eine Metapher für das Lebendürfen selbst.“

Das Glück geschenkten Lebens dürfe man deshalb auch nicht gefährden, indem man meine, dessen Wert in Euro und Cent ausrechnen zu sollen. Liebe und Fürsorge für Kinder, Bildung für Heranwachsende sowie Pflege und Seelsorge für Hochbetagte und Demente seien nicht nach den Gesetzen der Betriebswirtschaft zu bemessen. „In der Betriebswirtschaft gibt es keine Gnade, da bekommt man nichts umsonst. Wo es um Aufwände und Erträge geht, hat sie ihr Recht. Wenn sie sich aber dort einmischt, wo es um das Wesentliche des Lebens geht, zerstört sie dessen Geheimnis“, sagte die Dekanin: „Und wie gnadenlos muss man eine Politik nennen, die heute Steuergeschenke verschleudert, obwohl sie weiß, dass das ein Betrug der Lebenden und ein Raub an künftigen Generationen ist? Gottes Gnade ist da eine starke, eine Not wendende Gegenkraft. Sie macht den Menschen nicht klein, sondern macht ihn groß.“ Die angemessenen Antworten des Menschen auf diese Gnade Gottes seien Besonnenheit, Gerechtigkeit und eine „weihnachtliche Frömmigkeit, die nicht nur schwelgt und träumt, sondern auch vorausdenkt und mutig handelt“. Das sei nötig, denn „dem Milleniumsziel zur Halbierung der Armut sind wir in den letzten zehn Jahren keinen Schritt näher gekommen. Und: Brot für die Welt ist unverändert dringend und aktuell.“

Viele Menschen ließen sich am Heiligen Abend 2009 faszinieren von den Krippenspielen und Christmetten: In den sieben evangelischen Kirchengemeinden der Tübinger Kernstadt kamen rund 9.600 Menschen in die Kirchen. Im ganzen Kirchenbezirk besuchten rund 35.000 Menschen einen evangelischen Gottesdienst. Die Zahl der Gottesdienstbesucher bewegte sich damit auf ähnlich hohem Niveau wie im vergangenen Jahr. Als Besuchermagnet erwies sich einmal mehr die Tübinger Stiftskirche: Obwohl im Gemeindegebiet nur 3.200 evangelische Gemeindeglieder wohnen, feierten am Heiligen Abend rund 4.300 Menschen die insgesamt vier Gottesdienste mit. Das Krippenspiel übertraf dabei den bisherigen Rekord von 1.200 Besuchern im Jahr 2008 noch einmal: Dieses Jahr kamen 1.300 kleine und große Gottesdienstbesucher. Die Kollekte aus allen Gottesdiensten an allen Orten ging wie jedes Jahr an die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 25.12.2009.


  
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