Gemeindegliederzuwachs dank Zweitwohnungssteuer

Martin Schüßler

Beifall für die von Oberbürgermeister Boris Palmer im vergangenen Jahr eingeführte Zweitwohnungssteuer gab es bei der Herbstsitzung der Evangelischen Kirchenbezirkssynode am Montag, 16. November im evangelischen Gemeindehaus Lustnau: Weil jetzt mehr Studierende ihren Hauptwohnsitz in Tübingen anmelden und die Gemeindegliederzahl damit nicht – wie befürchtet – um 800 gesunken, sondern vielmehr um 708 gestiegen ist, kann sich Kirchenbezirksrechner Martin Schüßler (Bild links) auf eine um rund 130.000 Euro höhere Kirchensteuerzuweisung freuen.

Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer sprach von einem „erfreulichen Zugewinn“, der nun endlich auch die Arbeit berücksichtige, die in Tübingen mit zwei Studierendenpfarrämtern schon seit Jahren geleistet werde.

Die Finanzlage sei dennoch angespannt, führte Bezirksrechner Schüßler in seiner Haushaltsrede aus: Das Kirchensteueraufkommen der Landeskirche werde von drei Faktoren beeinflusst, nämlich der Zahl der evangelischen Erwerbstätigen, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Entwicklung des staatlichen Steuersystems. Alle drei Faktoren begründeten derzeit einen negativen Trend, erklärte Schüßler: So lägen die landeskirchlichen Kirchensteuereinnahmen im laufenden Jahr bis Oktober um rund acht Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Dennoch sei der Verteilbetrag für die Kirchengemeinden für das Jahr 2010 durch eine Rücklagenentnahme noch einmal um 1,5 Prozent angehoben worden, um die Personal- und Sachkostensteigerungen besser auffangen zu können. Mittelfristig mahnte der Bezirksrechner aber zur weiteren Sparsamkeit: „Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass wir künftig mit geringeren Mitteln auskommen müssen“, sagte Schüßler: „Welche Arbeit wir fortführen können und welche wir einschränken oder aufgeben müssen, müssen wir sorgsam überlegen.“ Der Haushaltsplan 2010 für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen mit einem Gesamtvolumen von 7.410.200 Euro wurde von der 127-köpfigen Synode beschlossen. Die Kirchenbezirksumlage 2010 steigt um 2,25 Euro auf 24,25 Euro pro Gemeindeglied und damit insgesamt auf 2.107.550 Euro. Den größten Teil davon gibt der Kirchenbezirk für die Arbeitsfelder Diakonie (31 Prozent), Jugendarbeit (29 Prozent), Seelsorge und Psychologische Beratung (25 Prozent), Bildung (13 Prozent) und Kirchenmusik (zwei Prozent) aus (siehe Grafik).

Kirchenbezirkshaushalt 2010
Von der Idee eines Evangelischen Bezirkskirchentages vom 18. bis 20. Mai 2012 in Tübingen berichteten Dekanin Dr. Kling-de Lazzer und ihr Referent, Pfarrer Gerd Ziegler: Die Eröffnungsgottesdienste sollten am Freitagabend dezentral in den Gemeinden der Stadt oder des ganzen Bezirks stattfinden. Am Samstag solle es zentral in Tübingen einen Hauptvortrag mit einer prominenten Persönlichkeit sowie Bibelarbeiten, Workshops, ein Forum, ein abendliches Kulturprogramm und einen nächtlichen Abschluss geben. Ein zentraler Gottesdienst solle am Sonntag den Abschluss des Kirchentags bilden. Nach kurzer Diskussion über die Ausrichtung einer solchen Großveranstaltung – eher nach innen für Kirchenmitglieder oder eher nach außen für Distanziertere – beschloss die Synode bei sechs Gegenstimmen, in die konkrete Planung einzusteigen und diese einer noch einzusetzenden Steuerungsgruppe zu übertragen.

In seinem Bericht über die Kindertagesstätten im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen sagte Kindergarten-Fachberater Ulrich Bringewald, die Kindergärten in der Tübinger Martinsgemeinde und in Dußlingen nähmen neuerdings auch unter-dreijährige Kinder auf. Die fachliche Leiterin Heike Hornung berichtete, der Kirchenbezirk bewerbe sich derzeit um die Trägerschaft für das neue Kinderhaus im Derendinger Mühlenviertel.

Der Vorsitzende des Evangelischen Bezirksjugendwerks Tübingen, Roland Hechler, zeigte sich in seinem Bericht über die Jugendarbeit erfreut über die Nachfolgeregelungen für die beiden Jugendpfarrer Daniel Trostel und Friedemann Bauschert, die ihre Ämter wegen ihrer Stellenwechsel aufgeben mussten oder müssen: Neue Bezirksjugendpfarrerin werde die Kusterdinger Seelsorgerin Claudia Goller; sie werde am Mittwoch, 18. November um 19.30 Uhr im Bußtagsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Kilchberg in ihr neues Amt eingeführt. Neue Tübinger Stadtjugendpfarrerin werde Hanna Hartmann aus der Martinsgemeinde.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 17.11.2009.