97-Jähriger erscheint persönlich im Wahllokal

Kirchenwahl-MinidiagrammDer vielleicht älteste Wähler, der seine Stimme bei der evangelischen Kirchenwahl am Sonntag, 11. November im Bezirk Tübingen höchstpersönlich abgab, war der 97-jährige emeritierte Professor Dr. Robert Ulshöfer aus Wankheim. Er war dort im Evangelischen Gemeindehaus zur Stimmabgabe erschienen und sagte: „Ich wünsche der evangelischen Kirche eine gute Zukunft!“

18.473 Personen haben sich dem vorläufigen Endergebnis zufolge im Wahlkreis Tübingen an der evangelischen Kirchenwahl beteiligt; das entspricht einer Wahlbeteiligung von 24,9 Prozent. Das von Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer angestrebte Ziel einer Erhöhung der Wahlbeteiligung um fünf Prozentpunkte gegenüber der letzten Wahl konnte damit nicht erreicht werden; eine positive Tendenz gibt es dennoch: Die Wahlbeteiligung lag um 0,6 Prozentpunkte über der von vor sechs Jahren. Innerhalb der Landeskirche liegt der Wahlbezirk Tübingen damit über dem Durchschnitt von 24,3 Prozent; nur sieben weitere von 26 Wahlbezirken konnten ihre Wahlbeteiligung gegenüber der letzten Wahl steigern. „Ich danke allen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben und allen, die sich bereit erklärt haben, für den Kirchengemeinderat oder für die Landessynode zu kandidieren“, sagte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer.

Mit rund 6.300 Briefwählern liegt der Anteil derer, die ihre Wahlzettel nicht persönlich abgegeben hatten, bei 34,2 Prozent der eingegangenen Stimmen. Davon profitiert haben im Kirchenbezirk wie auch in der ganzen Landeskirche die Ballungsräume: In der Gesamtkirchengemeinde Tübingen nahmen fast drei Prozent mehr Personen an der Wahl teil als vor sechs Jahren, landeskirchenweit haben vor allem die drei Stuttgarter Wahlbezirke sowie Esslingen, Schorndorf und Schwäbisch Gmünd am meisten zugelegt. Schwieriger ist die Situation in Diasporagebieten: Während im Kirchenbezirk Tübingen erneut Rottenburg mit einer Wahlbeteiligung von nur 15,4 Prozent die rote Laterne trägt, sind in der Landeskirche die Bezirke Ravensburg/Biberach und Tuttlingen/Balingen die Schlusslichter. Positiver wirken sich offenbar gewachsene dörfliche Strukturen auf die Wahlbeteiligung aus: Spitzenreiter in Sachen Wahlbeteiligung sind im Bezirk Tübingen die Kirchengemeinden Stockach mit 53,4 Prozent, Nellingsheim mit 50,8 Prozent und Bebenhausen mit 48,6 Prozent. Spitzenreiter in der Landeskirche ist die Kirchengemeinde Sechselbach im Kirchenbezirk Weikersheim, in der am Wahltag bereits bis zehn Uhr sämtliche 72 Gemeindeglieder abgestimmt hatten, was einer 100-prozentigen Wahlbeteiligung entspricht.

Die Hochburgen der synodalen Gruppierungen und ihrer Kandidatinnen und Kandidaten verteilten sich ähnlich über den Kirchenbezirk wie vor sechs Jahren: Die beiden erfolgreichen Kandidaten der Gruppierung „Lebendige Gemeinde“, Pfarrer Dr. Martin Brändl aus Belsen und Horst Haar aus Remmingsheim, bekamen jeweils in ihren eigenen Wohnorten sowie in Mössingen, Öschingen, Gomaringen, Dußlingen, Walddorf und Häslach überdurchschnittlich viele Stimmen. Die Bodelshäuser Pfarrerin Monika Schnaitmann schnitt als Kandidatin der „Offenen Kirche“ in ihrer eigenen Gemeinde sowie in Rottenburg und Tübingen besonders gut ab; in den beiden letztgenannten Orten war auch Dr. Harald Kretschmer, ebenfalls Kandidat der Offenen Kirche, überdurchschnittlich erfolgreich. Er ist neben Dr. Martin Brändl und Horst Haar der dritte Tübinger Abgeordnete, der in die Landessynode einzieht. Der Tübinger Studierendenpfarrer Dr. Thomas Hörnig bekam als Kandidat der Gruppierung „Evangelium und Kirche“ besonders viele Stimmen in Tübingen, hier vor allem in der Stifts-, der Stephanus- und der Jakobuskirche sowie in Hagelloch. Kathrin Messner schnitt als Kandidatin der Gruppierung „Kirche für morgen“ in der Tübinger Jakobusgemeinde, der sie selbst angehört, überdurchschnittlich gut ab.


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Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 12.11.2007.