Erstwählerin Eileen (16) im Interview mit dem Jugendpfarrer

Eileen Ruck

Eileen Ruck ist Schülerin der zehnten Klasse des Isolde-Kurz-Gymnasiums in Reutlingen. Die 16-Jährige darf erstmals bei der evangelischen Kirchenwahl am kommenden Sonntag, 11. November wählen. Während eines Schulpraktikums hat sie den Tübinger Stadtjugendpfarrer Friedemann Bauschert all das gefragt, was sie über die Kirchenwahl wissen wollte:

Eileen: Was kann ich am Sonntag  wählen?

Jugendpfarrer Friedemann Bauschert: Man wählt zwei verschiedene Gremien: den Kirchengemeinderat für die Gemeinde, in der man wohnt, und dann noch die Landessynode.

Was ist eine Synode?

Das ist sozusagen das Kirchenparlament. Es besteht zu einem Drittel aus Theologen und zu zwei Dritteln aus so genannten  Laien. Das sind einfach ganz normale Leute, die keine theologische Ausbildung haben.

Wie viele verschiedene „Parteien“ gibt es und wie heißen sie?

Man darf sie eigentlich nicht „Parteien“ nennen, denn das sind sie nicht. Sie nennen sich „Gesprächskreise“. Es gibt vier verschiedene: „Offene Kirche“, „Evangelium und Kirche“, „Lebendige Gemeinde“ und „Kirche für morgen“.

Was soll ich machen, wenn ich die Leute und Gruppierungen gar nicht kenne?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Für die Synodalwahl gibt es beispielsweise Prospekte, in denen sich die Gesprächskreise und die Kandidaten vorstellen. Man kann sich, wenn man die Leute nicht kennt, auch einfach überlegen: Wen möchte ich alles in der Synode haben? Also, zum Beispiel: einen Handwerker, Einen oder Eine unter dreißig Jahren und Zwei über fünfzig… Bei der Wahl des Kirchengemeinderats ist das oft leichter, denn da die Leute aus der eigenen Gemeinde kommen, kennt man sie auch oft persönlich, zumindest vom Sehen.

Soll ich lieber nicht wählen, wenn ich keine Ahnung habe?

Nein, also wählen würde ich in jedem Fall. Ich finde, man sollte von seinem Recht, mit zu entscheiden und zur Demokratie beizutragen, auch Gebrauch machen. Und wie gesagt, man kann sich ja informieren.

Wer darf wählen?

Wählen darf jeder ab 16, der Mitglied der evangelischen Kirche ist.

Zählt meine Stimme (mit 16) genau so viel wie die eines Erwachsenen?

Ja!

Für wie lange wählt man?

Für sechs Jahre.

Gibt es so eine Wahl auch in anderen Konfessionen?

Bei den Katholiken gibt es auch Kirchenwahlen, aber die sind anders als unsere. Denn die katholische Kirche hat eine völlig andere Struktur als die evangelische.

Kann man die Kirchenwahl mit einer Bundestagswahl vergleichen, oder hat das nichts miteinander zu tun?

Vergleichen kann man die beiden Wahlen insofern, dass es bei einer Kirchenwahl genau die gleichen rechtlichen Bindungen gibt. Die Wahl ist auch ebenso geheim und frei. Also eigentlich eine ganz normale Wahl.

Wird am 11. November in ganz Deutschland gewählt?

Nein. In Baden und hier in Württemberg wird am 11. November gewählt, obwohl das auch noch zwei verschiedene Landeskirchen sind. Aber andere Landeskirchen haben wieder ganz andere Wahlordnungen und -Termine. Bundesweit einmalig ist es übrigens hier in Württemberg, dass wir auch die Landessynode, also das Kirchenparlament, direkt wählen können. In anderen Landeskirchen wird nur der Kirchengemeinderat direkt gewählt.

Ab wann kann ich mich selbst zur Wahl aufstellen lassen?

Ab 18 Jahren. Das nennt man dann „passives Wahlrecht“, während man schon mit 16 das „aktive Wahlrecht“ hat, also wählen darf.

Muss ich dafür bestimmte Erfahrungen mitbringen?

Eigentlich nicht. Jeder der will, darf sich aufstellen lassen. Das kann einem zum Beispiel auch der Pfarrer nicht verbieten. Wenn man möchte, dann hat man auch das Recht dazu. Aber im Normalfall lassen sich vor allem die Leute aufstellen, die schon in irgendeiner Hinsicht Erfahrungen gesammelt haben.

Bekommt man Geld, wenn man gewählt wird?

Eigentlich ist das alles ehrenamtlich. Aber der Vorsitzende des Kirchengemeinderats bekommt eine so genannte „Aufwandsentschädigung“. Die Leute die in der Synode sitzen, die bekommen das auch. Da ist das so: Die Synode trifft sich drei Mal im Jahr, aber dann gleich für drei Tage. Aber eine Aufwandsentschädigung, das ist nicht viel Geld. Man muss das auf jeden Fall ehrenamtlich machen, leben kann man nicht davon.

Und wenn ich dann gewählt habe: Wann und wo erfahre ich, wie die Wahl ausgegangen ist?

Als allererstes wird die Synodalwahl ausgewertet. Die geht vor. Das Ergebnis wird dann nach Stuttgart weitergeleitet. Dort kommen dann die ganzen Ergebnisse der Wahl zusammen, und die rechnen dann zum Beispiel aus, welcher Gesprächskreis die Mehrheit in der Synode hat. Danach wird die Wahl zum Kirchengemeinderat ausgezählt und vor Ort bekanntgegeben. Im Internet kann man sich am Sonntagabend über den Wahlausgang informieren auf unserer Bezirksseite www.evangelischer-kirchenbezirk-tuebingen.de, außerdem bekommen natürlich die Medien sofort per E-Mail Bescheid.



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>>> Ergebnisse der Kirchenwahl

Geschrieben von Eileen Ruck am 07.11.2007.