Der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen

Rund 88.000 evangelische Christinnen und Christen leben im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen in 44 Kirchengemeinden.

Dekanin ist ab Dezember 2012 Elisabeth Hege, Schuldekan ist Hans-Joachim Heese und der Vorsitzende der Bezirkssynode ist Professor Martin Beck.

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Der Kirchenbezirk ist fast deckungsgleich mit dem Landkreis Tübingen. Vom Mittelpunkt Tübingen aus erstreckt er sich im Westen bis nach Ergenzingen und Eckenweiler, im Norden bis nach Dettenhausen, im Süden bis nach Bodelshausen und im Osten bis nach Pliezhausen.

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Die ganze württembergische Welt im Kleinen

Der Kirchenbezirk verbindet das Gäu mit dem Schönbuch, das Neckartal mit der Alb. Er umfasst Täler und Höhen, kleine und größere Ortschaften; solche, die noch von der Landwirtschaft geprägt sind und solche, denen die agrarische Vergangenheit kaum mehr anzusehen ist. Dörfer, die durch Industrie und Gewerbe groß geworden sind, finden sich ebenso wie geschäftige Kleinstädte. Manche der Orte gehören aus historischen oder aus geographischen Gründen eigenartig geprägten Kleinlandschaften an: Dem „Stäble“, dem „Unteramt“ oder den „Härten.“ Auch die Täler von Neckar und Steinlach haben mit ihren Orten jeweils eine ganz eigene Prägung. Und irgendwie fügt sich dann auch noch der Zentralort Tübingen in das bunte Bild ein: keine Großstadt zwar, aber eine Stadt, die sich ihrer Bedeutung deutlich bewusst ist. Kurzum: Die ganze württembergische Welt im Kleinen, mit all ihren Vorzügen und Ambivalenzen.

Auch was die Frömmigkeitsprägung anlangt, bildet der Kirchenbezirk all jene Tendenzen und Eigenarten ab, die für unsere Landeskirche charakte-ristisch sind. Freilich so, dass die verschiedenen „Richtungen“ nirgendwo Alleinvertretungsansprüche erheben. Sie könnten es auch nicht, denn die Mobilität unserer Zeit mit ihren verschiedenen Wanderungsbewegungen führt dazu, dass überkommene Prägungen zwar noch spürbar sind, aber an Bindungskraft deutlich verloren haben. Hier wie dort genügt es nicht, Traditionen einfach weiterzuführen, seien sie nun älter oder jünger.

Aber der Kirchenbezirk lässt sich nicht nur geographisch oder hinsichtlich seiner Frömmigkeitsprägungen beschreiben. Er ist auch eine rechtliche Größe, und zwar „der aus den Kirchengemeinden des Dekanatsbezirks gebildete Gemeindeverband.“ Wie die einzelnen Kirchengemeinden, so ist auch der Kirchenbezirk eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Als eine solche kann er Träger von Einrichtungen sein (und ist das auch) und er kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anstellen (und tut das auch). Die Gesamtheit der Kirchengemeinden bildet also den Kirchenbezirk.

Der Kirchenbezirk, das sind wir selber

Das heißt: Der Kirchenbezirk ist keine fremde Größe, keine von außen oder oben verordnete Verwaltungsbehörde oder Aufsichtsinstitution. Könnten Gemeinden sprechen, dann müssten sie im Grunde sagen: „Der Kirchenbezirk, das sind wir selber.“ Sicherlich ist zunächst die einzelne Kirchengemeinde die grundlegende kirchliche Einheit. Ihr gilt vielleicht unsere engste Verbundenheit. Und manchmal sind wir nicht völlig frei davon, unsere Kirchengemeinden als Konkurrenten zu betrachten.

Neidvoll schauen wir darauf, was die anderen machen oder haben. Aber diese Sicht der Dinge ist unsachgemäß und unchristlich. Denn so bedeu-tungsvoll jede einzelne Gemeinde ist, so klar muss es doch auch sein, dass die Gemeinde Jesu Christi das Ganze der Christenheit umfasst und mehr ist als die Summe einzelner Ortsgemeinden.

Das zu wissen, mag auch tröstlich sein, wenn wir Kummer mit unserer konkreten Kirchengemeinde vor Ort haben. Wir gehören eben nicht nur der Ortsgemeinde an, sondern auch der Kirche Jesu Christi, welche die ganze Welt und alle Zeiten umfasst.

Man gehört als evangelischer Christenmensch zu einer evangelischen Kirchengemeinde

Dass unsere Kirchengemeinden keine Konkurrenten sind, das kommt üb-rigens schön zum Ausdruck durch das sogenannte Parochialsystem: Jeder Ort in einem bestimmten Gebiet ist einer bestimmten Kirchengemeinde zugeordnet. Sei es, dass ganz klassisch das Gebiet der bürgerlichen Gemeinde mit dem Gebiet der Kirchengemeinde zusammenfällt, oder dass Diasporaorte, an denen keine eigenständige evangelische Kirchengemeinde besteht, einer naheliegenden Kirchengemeinde zugeordnet sind. Egal, wo man wohnt oder hinzieht: Man gehört als evangelischer Christen-mensch zu einer evangelischen Kirchengemeinde. Manche träumen zwar bisweilen davon, dieses Parochialsystem aufzulösen. Sie empfinden dieses System als schwerfällig. Sie würden lieber die Kirchengemeinden nach freikirchlichem Muster als Konkurrenten gegeneinander antreten lassen. Unmöglich wäre das theoretisch zwar nicht. Die Evangelische Kirche ist ja nicht auf eine bestimmte Organisationsform festgelegt. Aber der Preis einer Umorganisation wäre hoch, der Ausgang unsicher. Und man würde wohl längerfristig feststellen, dass auch dann die einzelnen Gemeinden Formen der Zusammenarbeit finden müssten. Denn aus unserem Glauben ergeben sich Aufgaben, welche die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Gemeinde übersteigen.

Zur gegenseitigen Unterstützung und Entlastung

Man kommt an der Einsicht nicht vorbei, dass die Gemeinden zusammen-arbeiten müssen; zur gegenseitigen Unterstützung und Entlastung, vor allem aber, um so in der Welt wirken zu können, wie es dem Auftrag der Kirche Jesu Christi entspricht. Einige Beispiele sind die Erziehungsbera-tung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung sowie Sozialberatung oder die Krankenhausseelsorge im Universitätsklinikum.

Die notwendige Zusammenarbeit der Gemeinden darf nun aber nicht dem Zufall oder dem guten Willen der jeweils beteiligten Personen überlassen bleiben. Sie muss in geordneten und geregelten Formen geschehen. Des-halb sind die Gemeinden in einer überschaubaren Einheit zusammengeschlossen: dem Kirchenbezirk. Insgesamt gehören die Kirchengemeinden und Kirchenbezirke dann auch wieder zur nächstgrößeren organisatorischen Einheit: Der Evangelischen Landeskirche in Württemberg./p>

Man sollte all diese Organisationsformen nicht überschätzen. Aber sie zu verachten oder auch nur zu vernachlässigen – das kann auch keine Lösung sein. Es bewahrt sich in diesen Organisationsformen eine Klugheit und ein Augenmaß auf, welche die Einsichtsfähigkeit der Einzelnen und unserer unmittelbaren Gegenwart übersteigt.

Wie ist dieser Kirchenbezirk organisiert?

Bezirkssynode und Kirchenbezirksauschuss sind von der Kirchenbezirksordnung unserer Landeskirche vorgeschrieben. Beide Gremien leiten zusammen mit der Dekanin den Kirchenbezirk. Daneben gibt es im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen weitere Ausschüsse: den Diakonischen Bezirksausschuss, den Bezirksjugendausschuss, den Ausschuss für die Psychologische Beratungsstelle und den Ausschuss Kindertagesstätten.

Der Kirchenbezirk bildet sich aus der Gesamtheit seiner Gemeinden. Wenn er seine Arbeit gut macht, profitiert jede einzelne Gemeinde davon - aber nicht nur jede Gemeinde, sondern auch jeder einzelne Christenmensch im Kirchenbezirk Tübingen. Und es ist ganz im Sinne Jesu, wenn auch Nichtchristen die Arbeit des Kirchenbezirks als hilfreich erleben können. Die Verantwortung der Kirche hört nicht an ihren Grenzen auf.

Pfr. Dr. Martin Weeber (ehemals Eckenweiler)

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Das Kirchenjahr

    Losung und Lehrtext für Dienstag, 26. September 2017:

Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat. (Nehemia 9,32)

Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich! (Markus 10,48-49)

 

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