Kirchenbezirkspartnerschaft Kamerun

Erste Delegationsreise 2004

Eine zarte Pflanze beginnt zu wachsen

 

ein Bericht von Pfarrer Friedemann Bresch, Tübingen-Kilchberg

„You’re welcome in the name of the Lord./You’re welcome in the name of Christ Jesus./We have seen in you the glory of the Lord./You’re welcome in the name of the Lord.” Menschen singen und tanzen zu den Trommeln. Die Frauen tragen die gelben Kleider der CWF (Christian Women Fellowship) mit den malerisch um den Kopf geschlungenen Tüchern, die Männer die blauen Hemden der CMF (Christian Men Fellowship), die Jugendlichen sind durch das helle grün der CYF (Christian Youth Fellowship) zu erkennen.

Wieder einmal ist unsere Delegation in einer Gemeinde der East Mungo South Presbytery (Kamerun) angekommen. Wir werden überschwänglich begrüßt. In den Reden wird betont, wie wichtig die Partnerschaft für die Menschen hier ist. Sie freuen sich, Geschwister in Deutschland zu haben, von denen sie nun wenigstens 6 kennen lernen. Die Familie spielt in Afrika eine große Rolle. Und mit unserer Partnerschaft ist der Kreis der Familie bis nach Deutschland gewachsen. Man freut sich die Gemeinschaft im Glauben teilen zu können. Im Gebet wird Gott für all das gedankt. Natürlich wünscht man sich auch Unterstützung bei den Problemen, die die Gemeinden beschäftigen.

Vom 3.1. – 18.1.04 war eine Delegation des Kirchenbezirks Tübingen zu Gast beim Partnerbezirk East Mungo South der Presbyterian Church in Cameroon (PCC). Sie bestand aus Martin Beck (Vorsitzender der Bezirkssynode), Pfr. Dr. Klaus-Dieter Nikischin (Tübingen), Pfr. Friedemann Bresch (Kilchberg/Bühl), Diakonin Gudrun Keller-Fahlbusch (Rottenburg), Dr. Susanne Mayer (Lustnau) und Elisabeth Wagner (Kiebingen). Wir erwiderten den Besuch einer ebenfalls 6-köpfigne Delegation aus Kamerun im Juni/Juli 2003, um den Ring der Partnerschaft zu schließen.

Informationen zum Partnerbezirk

Der Bezirk East Mungo South erstreckt sich über eine Länge von rund 300 km von Douala bis nach Foumban. Er umfasst 38 Gemeinden, die von 11 PfarrerInnen betreut werden. Jeder Pfarrer/jede Pfarrerin hat also mehrere Gemeinden zu betreuen, die nicht selten weit auseinander liegen. Dies stellt sie bei den schlechten Transportmöglichkeiten vor erhebliche Probleme. Es wäre dringend nötig, mehr Pfarrstellen zu schaffen. Jedoch sind die Mittel dafür ebenso wenig vorhanden wie für eine Erweiterung der Ausbildung im Theologischen Seminar der PCC in Kumba.

Die Größe der Gemeinden reicht von weniger als 100 bis zu knapp 5 000 Mitgliedern. Alle Gemeinden sind sehr jung (selten älter als 20 Jahre) und wachsen schnell. Dies hat historische Gründe. Das Gebiet von East Mungo South liegt im französisch-sprachigen Teil Kameruns. Die PCC ist aber die Heimat der englisch-sprachigen Kameruner. Sie sind aus beruflichen Gründen in diese Region gekommen und bilden hier eine Minderheit. So ist die Kirche für sie auch in dieser Hinsicht ein Stück Heimat. Eine typische Diaspora-Situation. Viele dieser Gemeinden besitzen noch kein eigenes Kirchengebäude. Ihre Versammlungen und Gottesdienste halten sie in einem Schulraum. Ihr größter Wunsch ist im Augenblick, eine Kirche zu haben. Die meisten haben bereits ein Grundstück gekauft, vielerorts wurde auch schon das Fundament gelegt. Dazu werden laufend Sammlungen in der Gemeinde veranstaltet. Denn von außen erhalten sie keine Unterstützung.

Die Situation der Gemeinden ist sehr unterschiedlich. Da sind die großen Gemeinden der Großstadt Douala, in denen wohlhabende und einflussreiche Mitglieder zu finden sind. Sie unterstützen ihre Kirche in einem erstaunlichen Maß. Die zwei größten Gemeinden Doualas, Bonaberi und Bonamoussadi, bestreiten rund 70% aller gemeinsamen Projekte des Kirchenbezirks. Auf der anderen Seite gibt es mehr ländlich geprägte kleine Gemeinden wie Foumban und Foumbot, die sich in einer muslimisch geprägten Region behaupten müssen.

Christen - Moslems

Das Verhältnis zu den Moslems ist gut. Man respektiert sich und lädt sich gegenseitig zu den wichtigsten Festen wie Zuckerfest (Ende des Ramadan) und Weihnachten ein. Der Häuptling von Foumbot, ein Moslem, hat der Gemeinde auf einem Hügel ein riesiges Grundstück kostenlos vermacht, um dort Kirche und Pfarrhaus zu bauen. Bei unserem Besuch in der großen Moschee von Foumban wurden wir samt unseren Gastgebern mit großer Freundlichkeit und Respekt empfangen. Dabei waren unsere Gastgeber an ihrer Kleidung klar als Christen zu erkennen.

Unsere Partner wissen, wie kostbar dies gute Verhältnis ist. Wenn sie von „Misson among the moslems“ sprechen, dann meinen sie, dass sie durch ihre Kirchen und Veranstaltungen dort öffentlich präsent und im Erziehungswesen und dem medizinischen Bereich aktiv sind. Das sind ihre Vorstelllungen, die freilich noch lange nicht Wirklichkeit sind.

Diakonische Aufgaben

Erziehungswesen und medizinische Versorgung sind die wichtigsten diakonischen Aktivitäten der Gemeinden und der ganzen PCC. In beiden Bereichen hat sich in den staatlich betriebenen Institutionen die Lage seit Anfang der 80er Jahre massiv verschlechtert. Klassen von 90-100 SchülerInnen sind im Primarbereich die Regel. Die Ausstattung der Klassenzimmer beschränkt sich auf Bänke, Tische und eine uralte Wandtafel, von der man schon in der 4. Reihe nichts mehr richtig lesen kann. Der Gehalt der Beamten wurde bis auf die Hälfte gekürzt. Dies sind die Auswirkungen von Misswirtschaft, Korruption und dem Druck den Weltbank, die im ganzen Land zu spüren sind. Kein Wunder, dass nur ca. 30% der SchülerInnen einen Abschluss schaffen. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder deshalb auf Privatschulen. Dort sind sie bei einer Klassenstärke von 40-50 besser versorgt. Etliche dieser Privatschulen werden von der Kirche selbst betreiben, andere von aktiven Kirchengliedern, die mit ihrer christlichen Überzeugung das Profil der Schule prägen.

Im Bereich der medizinischen Versorgung ist besonders das Krankenhaus von Bafoussam zu nennen, das die zentrale Augenklinik enthält. Hierher kommen Menschen von bis über die Grenzen Kameruns hinaus mit ihren Augenleiden. Sie wurde von der Christoffel- Blindenmission aufgebaut. Die Ausstattung ist sehr einfach. In den heißen Krankensälen stehen dicht an dicht 30-40 Betten. Schon lang vor Morgengrauen warten die Menschen in den Gängen. Manche haben hier schon die Nacht zugebracht. Es fehlt an Ärzten. Dennoch wird hier hervorragende Arbeit geleistet. Alles ist sauber und geordnet. Der zur Zeit einzige Arzt hat Ende der 80er Jahre in Leipzig studiert. Sein größter Wunsch sind Spaltlampen für Augenuntersuchungen und Lasergeräte zur Behandlung von Netzhautablösungen. Er weiß aber, dass er die aus seinem Etat wird nie beschaffen können.

Das Thema AIDS ist natürlich auch in Kamerun allgegenwärtig. Auch die Mitglieder unseres Partners sind betroffen. Man beteiligt sich an der staatlichen Aufklärungskampagne. Insbesondere die Treffen der örtlichen Movements bieten hier gute Möglichkeiten zu Information und Diskussion. Mit dem Geld, das beim Missionsfest 2003 in Bad Sebastiansweiler gesammelt wurde, wird jetzt ein Fonds für AIDS-Witwen und –Waisen eingerichtet, um ihnen Starthilfe für ein Kleingewerbe zum Lebensunterhalt zu geben.

Geistliches Leben

Es ist erstaunlich, mit welcher Freude und welchem Mut die ChristInnen dennoch zu Werk gehen. Ihre Gottesdienste sind erfüllt von der Freude an Gott und vom Vertrauen darauf, dass er ihnen hilft. Im Gebet bringen sie regelmäßig ihren Dank und ihre Bitte vor Gott. Kein Empfang, ohne dass Gott für die Gemeinschaft gedankt wird, kein Abschied, ohne dass man die Reisenden dem Schutz Gottes unterstellt.

Den Kern der Gemeinden bilden die schon angesprochenen Movements CWF, CMF und CYF. Sie treffen sich regelmäßig. Sie übernehmen Dienste in der Gemeinde. Im Gottesdienst sind sie an ihrer Kleidung gleich zu erkennen. Ebenfalls einheitlich gekleidet sind die verschiedenen Chöre (bis zu 5 pro Gemeinde). Die zu keiner Gruppe gehören, werden in der „Pastor’s group“ zusammengefasst. Die Kinder gehen nebenan in die Sunday-School. Teilweise treffen sich hier regelmäßig mehr als 500 Kinder. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist in Afrika sehr wichtig. Unser Individualismus ist ihnen weitgehend fremd. Selbstverständlich besucht man am Sonntag den Gottesdienst seiner Gemeinde, wenn man nicht gerade auswärts ist. Die Tatsache, dass bei uns viele Kirchenmitglieder selten oder nie im Gottesdienst zu sehen sind, ruft ungläubiges Kopfschütteln hervor. Unsere PartnerInnen teilen unseren Wunsch, dass auch bei uns das Leben der Kirche lebendiger wird und wollen dafür beten. Vielleicht fallen uns Möglichkeiten ein, wie wir einige Funken dieses Feuers von Kamerun in den Tübinger Kirchenbezirk bringen können.

Einmal pro Jahr treffen sich die Mitglieder des jeweiligen Movements zur großen Rally. Aus dem ganzen Bezirk kommen die Menschen zusammen. Sie feiern Gottesdienst und Veranstalten einen Wettbewerb, der aus den Kategorien Bibelquiz, Ausstellung selbst gefertigter Gegenstände und dem Singen eines selbst verfassten Liedes zum Jahresthema besteht. Unter großem Jubel und mit viel Getrommel werden die Sieger bekannt gegeben.

Kirchenleitung

Geleitet wird der Bezirk von Rev. Jum Ignatius aus Bonamoussadi. Er hat die Aufgabe, diesen räumlich großen Bezirk zusammen zu halten. Wenigstens einmal monatlich trifft sich das ganze Kollegium – ein hoher Aufwand, wenn man bedenkt, dass man von Douala nach Foumban gut 6 Stunden unterwegs ist. Unterstützt wird Rev. Jum von der Vorsitzenden der Synode, Chief Mrs. Ada Kesi Makia, eine ungeheuer engagierten und dynamischen Frau, sowie vom Schatzmeister, Rev. Masok Emanuel (Bonaberi). Die verschiedenen Movements haben ihre eigenen Leitungen auf Orts- und Bezirksebene.

Ausblick

Bei der abschließenden Auswertung wird noch einmal deutlich, welch hoher Stellenwert die Partnerschaft für die ChristInnen der East Mungo South Presbytery hat. Mehrfach wird wiederholt, dass unser Aufenthalt viel zu kurz gewesen sei. Wir fassen einen regelmäßigen jährlichen Besuch von Delegationen ins Auge. Das bedeutet, dass von jedem Land jedes zweite Jahr eine Delegation die Partner besucht. Wir versprechen ernsthafte Anstrengungen, um ihnen bei ihren Aufgaben zu helfen. Dies bezieht sich insbesondere auf den Bau der Kirchen, Projekte im Bereich von Medizin und Erziehung sowie die Ausbildung von PfarrerInnen. Von Seiten unseres Partners können wir uns vorstellen, dass Gelegenheit zu Praktika oder Famulaturen für junge Menschen aus unserem Kirchenbezirk geschaffen werden und/oder Menschen von dort hier Workshops anbieten, z.B. im Bereich Tanz/Musik. Darüber hinaus sollten möglichst viele Kontakte zwischen einzelnen Personen sowie zwischen Gruppen und Einrichtungen entstehen: schulen, Frauen-, Männer und Jugendgruppen könnten sich vernetzen, Fachleute könnten ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Verfügung stellen.

Als Gastgeschenk für die Gemeinden hatten wir Bronzekreuze mitgebracht, auf denen vor dem Kreuz ein Baum zu sehen ist. Wir wünschen, dass die zarte Pflanze unserer Partnerschaft zu einem großen Baum wächst, der mit seine Früchten die Menschen speist, in dessen Schatten Menschen Ruhe und Frieden finden und der so mit seinem Dasein Gott preist.

Pfarrer Friedemann Bresch, Tübingen-Kilchberg