Impuls / Predigt

Übers Wasser gehen

Kennen Sie den?
Drei Geistliche sitzen im Boot auf dem See Genezareth. Sie erinnern sich, dass Jesus hier zu Fuß übers Wasser gegangen ist und fordern sich gegenseitig zu einer Wette heraus: Wer kann wie Jesus auf dem Wasser gehen? Der erste steigt aus dem Boot, geht eine kleine Runde übers Wasser und kommt zurück ins Boot. Der zweite steigt ebenfalls aus dem Boot, geht eine kleine Runde übers Wasser und kommt zurück. Jetzt ist der dritte dran. Er steigt aus dem Boot und geht unter. Da sagt der erste zum zweiten: „Wir hätten ihm vielleicht doch den Trick mit den Pfosten im Wasser sagen sollen.“ Fragt der zweite zurück: „Welche Pfosten?“
Die biblische Geschichte von Jesus, der übers Wasser geht, reizt zum Witzemachen. Sie klingt so unglaublich. Das Unmögliche reizt auch als Herausforderung. So geht es Petrus in dieser Geschichte. Er lässt sich von Jesus aus dem sicheren Boot rufen. Er will es Jesus gleichtun und ihm auf dem Wasser entgegengehen. Und scheitert dann, weil er Angst bekommt. Der Wind ist erschreckend stark und der Wellengang hoch. Petrus beginnt zu sinken und kann nur noch um Hilfe rufen. Das Entscheidende ist dann die rettende Hand Jesu. Und Jesu Frage nach dem Vertrauen: „Warum hast du gezweifelt?“
Es war eine große Niederlage für Petrus. Doch es blieb nicht die einzige. Als er Jesus nach seiner Gefangennahme im Innenhof des Gerichtspalastes dreimal verleugnet hatte, krähte ein Hahn – wie Jesus es vorausgesagt hatte. Da rannte Petrus hinaus und weinte bitterlich. Er hatte nicht den Mut gehabt, zu Jesus zu stehen, als diesem der Prozess gemacht wurde. Dreimal hatte er die Chance, und dreimal hatte er versagt. Hatte er wieder zu viel gewagt, als er Jesus heimlich gefolgt war?
Nein, auch dies war nicht das Ende der Beziehung zwischen Petrus und Jesus. Der entscheidende Wendepunkt kam einige Zeit später, als Petrus wie die andern Jünger an den See Genezareth zurückgekehrt war, enttäuscht und entmutigt. Er wollte wieder fischen gehen, zurückkehren ins alte, gescheiterte Leben. Nicht mehr übers Wasser gehen, höchstens noch im Trüben fischen. Da begegnet ihm der auferstandene Jesus. Er fragt ihn diesmal nur eines: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Dreimal stellt Jesus dem Simon Petrus diese Frage, dreimal bejaht dieser sie, dreimal gibt Jesus ihm einen neuen Auftrag. Und fügt am Schluss noch hinzu: „Folge mir!“ Übers Wasser und wohin auch immer.

Dr. Klaus-Dieter Nikischin, Pfarrer an der Albert-Schweitzer-Kirche

Geschrieben am 25.07.2018


  

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