Impuls / Predigt

Nebel über dem Neckar

Dichter Nebel liegt über dem Neckar in Rottenburg. Die Sonne hat sich versteckt und ein grauer Schleier taucht diesen Januarmorgen in ein fahles Licht. Ich lenke mein Auto durch die Stadt in Richtung Kirchgasse und biege in den Parkplatz vor dem Evangelischen Gemeindezentrum ein. Ganz unverhofft strahlt mir im Alltagsgrau das leuchtend orangefarbene Banner entgegen, das auf die bald beginnende Vesperkirchenzeit hinweist.

Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht. Dankbar denke ich an die fleißigen Helfer, die es aufgehängt haben. Nun ist es weithin sichtbar – auch im dichten Nebel. Es ist Vesperkirchenzeit in Rottenburg und die Türen des Gemeindezentrums stehen weit offen.

An diesem trüben Januarmorgen bewegt mich dieses Bild. Ich bleibe noch einen Augenblick im Auto sitzen und meine Gedanken schweifen in die nahe Zukunft. Drei Wochen lang wird die Vesperkirche den Alltag von vielen Menschen erhellen. Gäste und Mitarbeitende freuen sich darauf: Sattwerden an Leib und Seele, Tischgemeinschaft erleben und nicht allein sein! Gute Begegnungen und Gespräche, ein offenes Ohr für Nöte und Sorgen. Hilfestellung in kleinen und großen Herausforderungen des Alltags, die allein nicht zu meistern sind. All das erhoffen sich viele der Beteiligten. Mir wird es warm ums Herz und ich bin gespannt auf diese besondere Zeit, auf die Menschen, denen ich begegnen werde.

Meine Gedanken ziehen weiter und ich frage mich: Was können wir dieser grauen Januar-Tristesse entgegensetzen? In der Advents- und Weihnachtszeit haben viele Lichter die Dunkelheit erhellt. Sie haben auf den hingewiesen, dessen Geburt wir in diesen Tagen gefeiert haben – Jesus Christus. Der große Gott, der uns ganz klein und schwach und schutzbedürftig im Kind in der Krippe begegnet. Eines Tages wird er von sich selbst sagen: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Die weihnachtlichen Lichter sind erloschen und der Alltag ist zurückgekehrt. Aber die Zusage bleibt. Auch jetzt im trüben Januar entdecke ich Glanzlichter in meinem Alltag, die mich stärken. Sie erinnern mich daran, dass Jesus auch nach den festlichen Tagen da ist und Licht und Hoffnung ist. Ich freue mich, dass sich in seinem Namen immer wieder Menschen aufmachen um anderen Helligkeit in das Dunkel Ihres Alltags zu bringen – in den Vesperkirchen und vielen anderen Orten.

Gemeindediakonin Susanne Mehlfeld, Rottenburg und Nehren

Geschrieben am 26.01.2018


  

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