Impuls / Predigt

Wer glaubt was?

Mit dem Glauben ist es so eine Sache…Präsident Trump glaubt nicht, dass es die Klimaerwärmung und den damit verbundenen Klimawandel gibt. Viele Tübinger Bürger und Bürgerinnen glauben, dass das Wasser des Aubrunnens möglicherweise in der Zukunft gebraucht wird. Katrin glaubt Steffen, dass er sie liebt und geht deshalb eine vertrauensvolle Beziehung mit ihm ein.

In jedem Satz hat das Wort „glauben“ eine andere Bedeutung. Beim ersten „glauben“ ignoriert ein Mensch eine Tatsache, die nachweisbar ist – und er und sehr viele Menschen werden die Folgen dieser Ignoranz zu tragen haben. Beim zweiten „glauben“ beziehen Menschen die Zukunft in ihre Überlegungen mit ein. Ob das Wasser des Aubrunnens gebraucht werden wird oder nicht, können sie nicht wissen. Aber sie rechnen damit, dass in Zukunft das Wasser benötigt werden könnte – und sie wollen sich und zukünftigen Generationen diese Lebensgrundlage erhalten.

Beim dritten „glauben“ gibt es keine Chance auf einen Beweis: Für Liebe gibt es immer nur Hinweise, aber keine Beweise. Und doch sagen Menschen, die lieben und sich geliebt fühlen: Die Liebe ist da, ich kann sie spüren, sie hat Auswirkungen, ich kann ihre Kraft fühlen. Es gibt Dinge auf dieser Welt, die da sind, obwohl wir sie nicht beweisen können.

Und wie ist das mit dem Glauben an Gott? Ist Gott eine Tatsache? Hat es möglicherweise Folgen, wenn man ihn ignoriert, obwohl es ihn doch gibt? Und wie ist Gott, wenn es ihn gibt? Hat er alles vorgeplant oder hat er die Verantwortung für das Leben auf dieser Welt in die Hände der Menschen gelegt?  Ist Gott der Repräsentant für verantwortungsbewusstes Planen auch für zukünftige Generationen?  Hat er etwas mit der spürbaren Kraft der Liebe in dieser Welt zu tun?

Morgen ist der erste Advent. In der Adventszeit freuen sich Menschen auf die Ankunft Jesu, der als wirklicher Mensch zur Welt gekommen ist. Sie feiern, dass er als kleines Kind gekommen ist und nicht als mächtiger Kriegsherr. Sie hören seinen Worten zu, die den Frieden und die Liebe in einer gewaltbereiten Welt stark machen. Der Glaube an ihn macht Mut, vor Tatsachen die Augen nicht zu verschließen. Der Glaube an ihn fordert Menschen heraus, die Zukunft verantwortlich zu planen und Lebensnotwendiges auch für künftige Generationen zu erhalten. Der Glaube an ihn hilft, auf die Kraft der Liebe zu vertrauen, gegen allen Augenschein.

Ja, mit dem Glauben ist es so eine Sache…

Pfarrerin Carola Längle, Klinikseelsorge

Geschrieben am 01.12.2017


  

Mehr Impulse und Predigten