Impuls / Predigt

Reformation ist Mut zur Veränderung

Ein zusätzlicher Feiertag. Wie schön! Ich hoffe, Sie können den freien Tag zum Reformationsfest morgen genießen – und es sich ein bisschen gemütlich machen. Denn vielen von Ihnen geht es wahrscheinlich wie mir: Das Tempo im Alltag ist hoch. Und egal ob im Beruf, in der Familie, in der Schule, in der Nachbarschaft und in der Ortschaft – ständig verändert sich etwas und ich muss mit meinem Leben irgendwie hinterherkommen, ob ich will oder nicht. Das ist anstrengend. Manchmal macht es regelrecht Angst.

Als Martin Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg schlug, hatte er offensichtlich keine Angst vor Veränderungen. Im Gegenteil: Er wollte, dass sich etwas ändert in Kirche und Gesellschaft. Er wollte, dass die Erkenntnis, die ihn befreit hat, auch anderen Mut macht: Gottes Liebe ist ein Geschenk an alle Menschen. Niemand kann und niemand muss sie sich verdienen.

Luther wusste: Das, was er tut, wird Kirche und Gesellschaft erschüttern. Warum war er so mutig – während ich bei viel kleineren Veränderungen schon unruhig werde? Ich glaube, Luthers Mut hat zwei Quellen. Die eine ist: Er selbst hat die Veränderung angestoßen. Er wollte etwas bewegen, weil es ihm wichtig war. Ich dagegen reagiere oft nur, versuche, mich den neuen Umständen anzupassen. Aber vielleicht muss das gar nicht so sein. Vielleicht könnte ich manchmal schon früher aktiv werden und versuchen, Veränderungen mitzugestalten, statt sie nur zu erleiden. Dazu hilft es mir zu fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Wo möchte ich anders weitermachen?

Die andere Quelle für Luthers Mut ist sein Vertrauen auf das, was er für sich in der Bibel entdeckt hat: Gottes Liebe ist ein Geschenk. Sie ist da, ganz egal, was in deinem Leben gelingt oder misslingt. Ich glaube: Wo ich wie Luther verinnerlicht habe, dass ich mir Liebe und Anerkennung nicht erst verdienen muss, da habe ich auch weniger Angst zu scheitern – und werde freier und mutiger, etwas Neues zu probieren.

Das Tempo bleibt hoch. Ständig verändert sich etwas. Der Reformationstag erinnert mich daran, dass es gut ist, Veränderung selbst in die Hand zu nehmen statt sie nur zu erleiden. Der christliche Glaube macht dazu Mut: „Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Und solche Zuversicht macht fröhlich, mutig und voll Lust zu Gott und allen Geschöpfen.“ Sagt Martin Luther.

Pfarrerin Karoline Rittberger-Klas, Weilheim und Hirschau

Geschrieben am 27.10.2017


  

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