Impuls / Predigt

Hurra, die Schule beginnt!

Ob alle begeistert sind, wenn sie an den Schulbeginn am Montag denken? Manche hätten vielleicht gern ein paar Ferientage mehr zum Bummeln und Faulenzen. Ist das Vor-sich-hin-Träumen nicht überhaupt das Schönste an den Ferien? So ganz ohne Ziel und ohne die Erwartung, dass etwas Sichtbares entsteht? Wie wäre es, wenn man sich ein bisschen davon in den Alltag retten könnte, auch in die Schule?

Heute Morgen kommen Lehrerinnen und Lehrer in vielen Schulen zur ersten Konferenz zusammen. Sie freuen sich, wieder den vertrauten Gesichtern zu begegnen und neue Kollegen zu begrüßen. Was hat sich über die Ferien gut klären lassen? Was steht noch an? Fast überall sind Lehrkräfte knapp und Stundenpläne auf Kante genäht. Gut, wenn alle motiviert beginnen können und gestärkt sind für die lange Entdeckungsreise, die wir Schuljahr nennen.

In den Familien ist jetzt noch ein letztes Wochenende freie Zeit, für letzte Besorgungen, für Ausflüge oder zum Trödeln. Manche Kinder können es kaum erwarten, so viel haben sie zu erzählen. Andere gehen dem ersten Tag bange entgegen: Werde ich neue Freunde gewinnen? Werde ich die Aufgaben schaffen?

Die Kinder, die in die erste Klasse kommen, haben noch ein paar Tage mehr Zeit, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu beanspruchen: Die einen sind fast nicht mehr zu bremsen, die anderen schauen eher scheu und vorsichtig auf den noch unbekannten Alltag.

Schule beginnt, bevor sie losgeht: in den Köpfen und Herzen all der Menschen, die täglich in ihr zu tun haben. Und sie beschäftigt sie alle auch über den Schulgong hinaus, nicht nur bei Hausaufgaben und den Vorbereitungen. Damit aus der Schule ein guter Lern- und Lebensraum wird, braucht es die vereinten Kräfte der Kleinen wie der Großen. Neugier und Erfahrung, Aufmerksamkeit und Geduld, den Mut, aus Fehlern zu lernen, nochmal zu beginnen und zu spüren: jetzt gelingt es.

Sich selbst als wirksam zu erleben, tut allen gut, den Kleinen wie den Großen.  Vor der Schwelle des Schuljahrs brauchen alle eine Extraportion Mut, um gelassen auf das Neue zugehen, ihr Bestes geben zu können und die Angst vor dem Unbekannten zu bändigen. Da tut es gut zu hören, was schon vielen Menschen vor uns an einer solchen Schwelle im Leben versprochen wurde und noch immer versprochen ist: „Sei mutig und stark! Gott ist mit dir in allem, worin du deinen Weg machst.“

Pfarrerin Susanne Wolf, Stiftskirche Tübingen

Geschrieben am 08.09.2017


  

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