Impuls / Predigt

Alltägliche Wunder entdecken

„Die Welt ist voll alltäglicher Wunder!“ In der Vesperkirche in Rottenburg, die in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen feiert, machen wir diese Erfahrung fast täglich neu – wenn wir nur genau hinschauen. Vesperkirche ist immer ein Wagnis – drei Wochen lang für andere da zu sein birgt viele Überraschungen. Nicht alles läuft wie geplant, vor allem nicht in der winterlichen Erkältungszeit! Da telefoniere ich eines Morgens die Notfallliste ab, weil uns Mitarbeiter kurzfristig absagen mussten – und ich finde keinen, der spontan einspringen kann. Das wird ein harter Tag morgen! Irgendwie wird es klappen, denke ich, wir helfen uns ja immer gegenseitig. Aber ich habe ein ungutes Gefühl. Mindestens eine Person bräuchten wir noch. Da spricht mich fünf Minuten später im Gastraum eine Frau an und teilt mir mit, dass sie gerne nächstes Jahr mitarbeiten möchte: „Es ist ja so schön hier, das würde ich gerne unterstützen“, sagt sie. Und ich frage sie, ob sie uns am nächsten Tag kurzfristig unterstützen kann. Und sie kann!

Ist das bereits ein Wunder? Oder darf ich dieses Wort nur für etwas ganz außergewöhnlich Großes benutzen? Eine Definition zum Begriff Wunder lautet: „Ein Wunder ist ein Geschehnis, das mich staunen und verwundern lässt – geheimnisvoll und ungewöhnlich.“ Für mich ist hier eines dieser alltäglichen Wunder geschehen, denen wir in der Vesperkirchenzeit immer wieder begegnen. „Die Welt ist voll alltäglicher Wunder!“ Diese Erkenntnis von Martin Luther begleitet uns durch die diesjährige Vesperkirchensaison. Wir haben uns vorgenommen, die schönen und gelungenen Dinge bewusst zu entdecken: Das was uns fröhlich macht zu betonen und Lob und Dank schneller über die Lippen zu bringen, als Kritik und Negatives. Wir sind erstaunt wie viel Gutes wir finden und wie gut uns diese Einstellung tut. In den morgendlichen Mitarbeiterrunden werden wertvolle Erlebnisse erzählt und wir teilen Erfahrungen, die kleine Wunder sind oder zu solchen wurden. Diese schönen Alltagserfahrungen machen Mut – wenn wir Sie nur wahrnehmen und miteinander teilen. Wann haben Sie zum letzten Mal ein kleines Wunder erlebt – und wem haben Sie davon erzählt?

Wieder alleine vor der Mitarbeiterliste des morgigen Tages huscht mir ein leises DANKE und ein Lächeln über die Lippen. Weiß ich doch um meinen Gott, der meine Sorgen, meine Probleme kennt und alltägliche Wunder möglich macht.

Diakonin Susanne Mehlfeld, Rottenburg und Nehren

Geschrieben am 10.02.2017


  

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