Grundthemen

ABC des Glaubens

Jesus (= „Gott hilft“; Eigenname)

Bauhandwerkerssohn - vor 1 geboren - in Nazareth mit mehreren Geschwistern aufgewachsen - im Jahr 28 der Buß- und Taufbewegung des Johannes beigetreten - ca 1-jährige Wirksamkeit als Wanderprediger mit Jüngern - versteht sich als endzeitlicher Gesandter Gottes - verkündet die mit ihm angebrochene Gottesherrschaft - unverheiratet - dem Leben zugewandt - Einsatz für Randgruppen - wegen Volksaufwiegelung und Gotteslästerung vom römischen Prokurator Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt - stirbt im Alter von ca. 30-40 Jahren am 7. April 30.

Christus (= “der Gesalbte“= “Messias“; Titel) als Titel von Jesus selbst abgelehnt - in der jüdischen Tradition mit der Hoffnung auf politi-sche Befreiung verknüpft - von der nachösterlichen Urgemeinde für Jesus verwandt, die ihn damit in der jüdischen Tradition König Davids sieht, seine Autorität anerkennt und ihren Auferstehungsglauben ausdrückt (vgl. Evangelien).

Jesus Christus - historische Person (gestorben) und geglaubter Erlöser und Heilsbringer (auferstanden). In Jesus Christus verbinden sich historische Erinnerungen, gegenwärtiger Glaube und Hoffnung auf zukünftige Vollendung der Gottesherrschaft.

Martin Ulrich Merkle, Studienrat/Pfarrer am Wildermuth-Gymnasium, Tübingen

"50 mal Christsein" heißt die Serie, die Sie auf den folgenden Seiten finden, und in der es von A wie Abendmahl bis Z wie Zorn Gottes geht.

Haben Sie Anregungen zum "ABC des Glaubens"? Oder wollen Sie Kontakt aufnehmen? Sie erreichen Pfarrer Michael Knöller per E-mail oder unter Telefon (0 70 71) 82 127.

Abendmahl

Das Abendmahl, am Abend vor seinem Tod von Christus mit den Jüngern gefeiert, ist "ein Sakrament und göttlich Wortzeichen", so habe ich es gelernt.
Was ist das?

Gespürt habe ich, wie das Abendmahl geprägt war von tiefem Ernst, der zwischen Feierlichkeit und Angst lag. Daß das Abendmahl zur Vergebung der Sünden, zum Frieden mit Gott, zur Wiederherstellung von Frieden (Friedensgruß) und zur Erneuerung der Gemeinschaft einlud, war schon mit dabei.

Im Gottesdienst im Krankenhaus erlebe ich nun das Abendmahl neu. Dort gibt es oft Verlassenheit - in der Fremde - verlassen von Gott, und auch von Menschen. Und dort hört ein Mensch: "Gott kommt zu mir"

Da geschieht es so: der Mann, der an der Frage schier erstickt: Warum ich? Womit hab ich das verdient?, der sagt nach dem Abendmahl: es hat mir gut getan! Fertig mit seinen Fragen ist er nicht, aber er hat gespürt, wie es ist, wenn Gott zum gottverlassenen Menschen kommt. Ich denke, man kann es manchmal spüren, daß Verlassenheit aufgehoben ist. Das ist eben das heilige Abendmahl, wenn Gott zum Menschen kommt.

H. Schubert, Pfarrer an der BG-Klinik

Allmacht

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde."

"Allmacht" ist Schöpfungsmacht und entspringt der Liebe Gottes. Das Universum, das sich seit dem sog. "Urknall" gebildet zu haben scheint und ausdehnt, ist zusammen mit allem, was lebt, nicht aus sich selbst entstanden, sondern verdankt sich und existiert auf Grund einer unfaßbaren Macht.

Die geschaffene Welt ist jedoch vergänglich. Was geschieht, z.B. Krankheit, Tod oder Verbrechen, zeigt, daß irdisches Leben endlich ist und das Böse vom Menschen kommt, nicht von Gott. Daher darf nicht alles Gott "angehängt" werden, und wir sollten vorsichtig mit der Frage sein, die auch mit immer wieder bedrängt: "Warum läßt Gott das zu?"

Ich weiß es in der Regel nicht. Seine Allmacht ist kein Mechanismus, der alles direkt verursacht oder behebt. Aber wie am Anfang wird Gott am Ende wieder "alles in allem" sein (1. Korinther 15,28); denn Allmacht ist als Schöpfungsmacht auch Macht zur Neuschöpfung. Gott hat mit ihr in Liebe begonnen, siehe Jesus Christus, seine und unsere Auferstehung. Das ist des Christen Trost im Leben und im Sterben, auch für mich.

Karl Ernst Nipkow, emeritierter Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Tübingen

Amen

Eine Redensart, die unterstreichen will, daß etwas wirklich geschieht, heißt bei uns: "das ist so gewiß wie das Amen in der Kirche". Wenn der Pfarrer seine Predigt mit Amen beschließt, dann ist sie wirklich zu Ende. Wenn die Gemeinde nach dem Segen mit Amen antwortet, ist der Gottesdienst aus. In der Tat will das Amen in der Kirche etwas unterstreichen. Nur was? Gewiß nicht das Ende der Predigt oder des Gottesdienstes.

Amen will etwas anderes zum Ausdruck bringen. Es will sagen: Ja, das eben Gehörte, Gesprochene, Gesungene, Gebetete, es möge geschehen. Das Gebet möge Gott erhören. Die Gedanken der Predigt mögen uns durch die Woche begleiten, trösten, stärken, Wegweisung geben. Gottes Segen möge mich geleiten, wenn ich aus dem Gottesdienst wieder in den Alltag gehe. So gewiß wie das Amen in der Kirche möge mein Glaube sein. AMEN.

Christoph Klaffke, Pfarrer im Ruhestand, vorher in Lustnau.

Auferstehung

Für viele Menschen entscheidet sich der christliche Glaube an der Auferstehung (A.), die sich nicht beweisen läßt. Ohne die A. Jesu würden Christen an einen gescheiterten Idealisten glauben, der sterben musste, weil er kompromisslos menschlich war. Dass die Toten einmal auferstehen wie er, ist Grund christlicher Hoffnung. Wer mit der Auferstehung rechnet, ist sich sicher, daß der Tod nicht das letzte Wort hat.

Aber was ist A.? Jesu Jünger haben an Ostern etwas gesehen, was sie verändert hat und an Jesu Gegenwart glauben ließ. Ob sie ihn körperlich gesehen oder im Geist erlebt haben, darüber läßt sich trefflich streiten. Als Quelle für die A. haben wir nur das Neue Testament, keine Reportage, keine Zeitzeugen. So sind wir auf verschiedene Zeugnisse von Menschen angewiesen, die bereits an die A. glauben. Sie stimmen darin überein, dass der Auferstandene Menschen erschienen ist, die dadurch Trost und Mut erhielten und verkündigten, dass Gott vom Tod auferweckt. Diese Befreiung ist einmalig und keine Wiedergeburt.

Wer von, gegen oder für etwas auf(er)steht zeigt Lebensmut und beweist, dass nicht alles beim alten bleiben muss. Auferstehung wird so bereits gegenwärtig erfahrbar.

Martin Ulrich Merkle, Studienrat/ Pfarrer am Wildermuth-Gymnasium

Bekehrung

Manche kennen noch die Redewendung: Einer wird vom Saulus zum Paulus. Sie beschreibt, daß ein Mensch sich radikal ändert, einen ganz anderen Weg geht als zuvor.

So wie Paulus, der von einem Christenverfolger zu einem Menschen wurde, der allen erzählte, daß in Christus Gottes Liebe und Heil für alle zu finden sei. Diese Erkenntnis nennt man Bekehrung. Bekehrung beinhaltet, daß ein Mensch erkennt, daß er bisher in seinem Leben von Dingen, Mächten oder Göttern abhängig war, die ihm letztlich schaden und daß die Hinwendung zu dem Gott, den Jesus uns neu bekannt gemacht hat, Heilung und neues Leben schenkt.

Diese Erkenntnis verändert ein Leben sichtbar, deshalb ist in der Bibel auch oft von der Umkehr die Rede.

Uns heute ist dieser Begriff eher fremd oder er macht uns Angst. Wir stehen in einer christlichen Tradition, viele von uns sind getauft. Wie können wir da von Bekehrung reden? Wo ist in unserem Leben Umkehr zu sehen? Gibt es Bekehrung nur einmal oder mehrmals? Für mich sind diese Fragen aufgehoben in der Gewißheit, daß die Liebe Gottes uns immer wieder neue Hinwendung zu ihm ermöglicht.

Carola Längle, Pfarrerin z.A.

Bekenntnis

Was glauben wir Christen? Das Bekenntnis (=B.) sagt, was uns Christen eint und was uns von anderen Religionen trennt. Es gibt verschiedene Bekenntnisse, die in verschiedenen geschichtlichen Situationen formuliert wurden. In einem B. fassen Menschen das zusammen, was ihnen in ihrem Glauben wichtig und zentral erscheint. Deshalb ist ein B. auch niemals "unfehlbar". Es will helfen zu verstehen, worauf es in der Bibel eigentlich ankommt. Im Gottesdienst bekennen wir unseren Glauben, meinst mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis. Das ist ein altes B., für viele unverständlich (z.B. Jungfrauengeburt). Deshalb muß es immer wieder neu erklärt werden. Wir sprechen es, weil es uns weltweit mit sehr vielen Christen über alle Zeiten hinweg verbindet. Wichtigstes Zentrum alles Bekenntnisse ist das B. zu Gott, wie ihn uns Jesus Christus gezeigt hat. Dieses B. stiftet Gemeinschaft zwischen Christen und sagt uns: Wir gehören - trotz aller Unterschiede - zusammen!

Vikar Bernhard Liess

Bibel

Die Bibel ist das Buch mit der höchsten Auflage, übersetzt in die meisten Sprachen der Erde.

Sie ist nicht aus einem Guß: Eigentlich ist sie eine Bibliothek aus 66 Schriften und Büchern, entstanden über einen Zeitraum von ca. 1300 Jahren. Fast alles findet sich darin: Zukunftsprophezeiung und Abenteuer, Liebeslyrik und Krimi, Weisheitssprüche und Familiengeschichten.

Was dazugehören sollte, war lange umstritten und auch Luther hat noch überlegt, welche Bücher er in dieser Bibliothek an welchen Platz stellen soll.

Erzählt wird die Geschichte von Gott und der Welt: vom Beginn der Schöpfung bis zu ihrer Verwandlung in eine Welt ohne Tränen und Geschrei. Für uns Christen steht Jesus, sein Leben, Sterben und Auferstehen im Zentrum.

Ist die Bibel die "Heilige", also besondere, Schrift? Das ist nicht mehr selbstverständlich. Es hängt davon ab, ob ein Mensch für sich entdeckt, daß durch die Texte Gott selbst ihn und sie auch heute noch anspricht und Vertrauen in seine Liebe wecken will.

Pfarrer Michael Knöller

Buße

"Buße tun heißt: umkehren in die offenen Arme Gottes" lernen die Konfirmanden. "Buße" begegnet heute im Begriff "Bußgeld" oder der Drohung "Das sollst du mir büßen!" jedoch allenfalls im Sinne von Abbüßen und Wiedergutmachen.

Seit der Abschaffung des "Buß- und Bettages" als staatlichem Feiertag wird die Bedeutung von Buße auch gesellschaftlich immer mehr an den Rand gedrängt.

Jesu Sendung selbst stand jedoch unter dem Vorzeichen der Buße (Markus 1, 15), in der evangelischen Tradition gehört Buße seit Luthers Thesenanschlag zu den Grundanliegen.

Ich verstehe Buße so, dass sie in zwei Richtungen wirkt. Im Blick zurück wird Schuldhaftes und Verletzendes als Verfehlung erkannt und bereut. Im Blick nach vorne bedenke ich selbstkritisch mein Handeln und versuche, die Verantwortung für die Mitmenschen und das Leben generell wahrzunehmen, um Besseres auf den Weg zu bringen. Somit ist das ganze Leben Buße.

Sie ist eine Einstellung, eine Haltung, die mein ganzes Leben währt, und nicht nur ein einmaliger, immer wiederkehrender Akt. Buße bedeutet für mich die Einladung Gottes, ein anderer zu werden.

Pfarrer z.A. Stephan Glaser, Klinikseelsorger in der Filderklinik

Erlösung

"Und erlöse uns von dem Bösen" beten wir. Christus ist unser Erlöser und der Tod wird manchmal als Erlösung (E.) verstanden.

Für viele ist E. nur noch eine Floskel ohne Bedeutung. Dabei ist E. ursprünglich ein konkretes Bild aus dem Leben. Eines der vielen Bilder, mit denen die Christen das Heil beschreiben wollten, das mit Jesus kam.

Das, was E. meint, verstehen wir, wenn wir von Geiselnahmen hören. Denn da geht es um Lösegeld. Erlösung bedeutete ursprünglich "aus Gefangenschaft befreit werden".

Was in der Bibel mit E. ausgesagt wird, ist: Die Menschen sind im Bösen gefangen. Jesus gibt sich freiwillig durch seinen Tod in die Gewalt des Bösen, zahlt damit das Lösegeld (Markus 10,45), befreit so die Menschen aus dieser Gewalt und führt sie in die Freiheit.

E. ist ein altes Bild, aber für mich unverzichtbar weil durch dieses Bild den Nachfolgern Jesu ein Auftrag gegeben wird. Christen sollen dabei helfen, Gefangene wieder frei zu machen. Egal, ob sich Menschen durch Drogen, Krankheiten oder Schulden gefangen fühlen: Es geht darum, Menschen wieder zur Freiheit zu verhelfen im Namen Gottes, des Erlösers.

Pfr. Michael Knöller

Evangelium

(griechisch) bedeutet "Gute Nachricht". Markus machte zwei Generationen nach Jesu Tod und Auferstehung als erster "Evangelium" zum Programm seines Schreibens. Matthäus und Lukas stützten sich auf dieses Evangelium und verbanden es mit weiteren Worten und Überlieferungen Jesu für ihre Gemeinden. Diese drei Evangelien sind so eng miteinander verwandt, dass man sie zum Vergleichen in einer Synopse (= Zusammenschau) nebeneinander drucken kann.

Johannes unterscheidet sich in Sprache, Zeit und Vorstellungswelt von den drei Synoptikern. Weitere Evangelien ("Apokryphen" = Verborgene) wurden nicht ins Neue Testament aufgenommen.

Die Evangelien wollen nicht historisch-biographisch berichten. Sie legen das Hauptgewicht auf Jesu Verkündigung des Reiches Gottes, erzählen von seinem Handeln für die Menschen und predigen Jesus als Mensch und Gott.

Und was ist der Inhalt des Evangeliums, das die Kirche weitersagen soll? Jesus selbst, wie ihn der Engel in der Weihnachtsgeschichte als "große Freude" verkündet und das, was er gesagt, getan und gebracht hat.

Für am wichtigsten: Dass Gott gütig ist, wir jederzeit zu ihm (zurück-)kommen können und er uns nimmt, wie wir sind. (Vgl. Lukas, Kapitel 15)

Martin-Ulrich Merkle - Studienrat/Pfarrer am Wildermuth-Gymnasium, Tübingen

Evangelisch

"Evangelisch" ist die Bezeichnung für alle protestantischen Christen und Kirchen wie z.B. Ev.-Lutherische; Ev.-Reformierte, Ev.-Methodistische Kirche, während sich das Wort "ökumenisch" auf alle Kirchen überhaupt bezieht. Etwa ein Drittel der über eine Milliarde Christen gehören zu den ev. Kirchen.

Das Wort leitet sich von griech. "euangelion" ab, lat. "evangelium". Es meint die "Frohe Botschaft" von Jesus Christus. Hierauf bezogen betont "evangelisch" im reformatorisch-protestantischen Verständnis die für Kirche und Glauben grundlegende Bedeutung der Heiligen Schrift, ferner die Rechtfertigung des Menschen "allein" durch Gottes Wort aus Gnade und durch Glauben als Vertrauen auf Gottes Verheißung in Jesus Christus. In dieser sog. Rechtfertigungslehre haben sich das ev. und kath. Kirchenverständnis einander angenähert. Anders als in der röm.-kath. Kirche vertritt die Reformation das "allgemeine Priestertum" jedes getauften Christen und die Einladung zu einem gemeinsamen Abendmahl an alle Christen, da Jesus Christus selbst zu ihm einlädt.

Als "evangelikal" bezeichnen sich Christen, Bewegungen und Kirchen mit besonderen Merkmalen (z.B. wörtliches Bibelverständnis, Ablehnung hist.-krit. Auslegung, Evangelisation, Bekehrung).

Karl Ernst Nipkow, em. Prof. für Prakt. Theologie an der Ev.-theologischen Fakultät Tübingen

Wir hatten die anderen Konfessionen in Pfrondorf gebeten, sich an dieser Stelle unseres ABC selbst vorzustellen.

Ev.-methodistische Kirche

Vor 250 Jahren treffen sich Studenten in England regelmäßig zum Bibellesen und Gebet. Sie unterstützen Arme und Kranke und besuchen Gefangene. Wegen ihrer konsequenten Haltung werden sie als "Methodisten" verspottet. Auch der Dozent und Pfarrer John Wesley schließt sich dieser Gruppe an. Da immer weniger Menschen in die Kirche kommen, fängt Wesley an, auf öffentlichen Plätzen zu predigen. Immer mehr Menschen lassen sich vom Evangelium begeistern. Er sammelt sie in sog. "Klassen".

Daraus erwächst auf den britischen Inseln und später in Amerika eine Bewegung, die mit den Auswirkungen der Reformation in Europa zu vergleichen ist. In Amerika kommen auch deutschsprachige Auswanderer mit der gerade entstandenen Kirche in Kontakt. Einige gehen als Missionare nach Deutschland zurück und gründen hier methodistische Gemeinden, die sich 1968 zur Ev.-Methodistischen Kirche vereinigen.

Heute gehören in Deutschland mehr als 80.000 Menschen zu dieser Freikirche. Weltweit zählen wir rund 60 Millionen Methodisten. Finanziert wird die Gemeindearbeit und die ganze Kirche durch freiwillige Beiträge und Spenden.

Margot Fischer, Pastorin der Ev.-Methodistischen Kirche, Kirchentellinsfurt
 

Ewigkeit

Was ist Ewigkeit (=E.)? Ist es die ins Unendliche verlängerte Zeit? Ist es das Leben nach dem Tode? Unser Denken bleibt in solchen Zeitvorstellungen hängen, weil wir den Ablauf der Geschichte als Zeitabfolge erleben. Die Bibel ist von Menschen geschrieben worden, die wie wir in dieser Zeiterfahrung lebten. So werden wir z.B. an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert und mit dem dahinwelkenden Gras (Psalm 90) verglichen. Auch wenn Jesus Bilder des künftigen Lebens und künftigen Gerichtes malt oder in der Offenbarung vom 1000-jährigen Reich geschrieben wird, so stehen dahinter zeitliche Vorstellungen. Was die Bibel mit E. meint, ist aber nicht in zeitlichen Begriffen zu fassen. Nur Gott ist der Ewige. Unsere Vorstellungen von ihm und seiner E. stoßen an die Grenzen des Denkens. Wir können uns nur in Ehrfurcht vor ihm beugen. Gott ist der ganz andere. E. ist eine Aussage des Glaubens. Dem vergänglichen, irrenden, in Schuld verstrickten Menschen steht Gott gegenüber. Seine Gnade und Gerechtigkeit "währet für und für". Sein Wort gilt, ewig, wie sein Liebe zu uns Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung. So kann E. schon jetzt in meinem Leben Wirklichkeit werden, nämlich da, wo ich mich als von Gott geliebter Mensch glauben und in seiner ewigen Güte geborgen wissen darf (Johannes 6).

Christoph Klaffke, Pfarrer im Ruhestand, vorher in Lustnau.
 

Gebet

Was tun Christinnen und Christen, wenn sie beten? Sie reden zu Gott. Im Gebet (=G.) können wir uns sammeln, besinnen und heilsamen Abstand gewinnen. Dazu können die verschiedenen Gebetshaltungen helfen. Wir dürfen vor Gott aussprechen, was uns zutiefst bewegt: unsere Freude und Glück, aber auch unsere Ängste, Nöte und Sorgen. Zum G. gehören das Bitten um Hilfe durch Gott: Und zwar Hilfe für uns und für andere (Fürbitte), die wir eben nicht selbst geben können. Wir können im G. Gott danken und loben für Gutes und Schönes in unserem Leben. Zum G. gehört aber auch die Klage, die eigenes und fremdes Leid vor Gott bringt, und schließlich die Anklage Gottes (vgl. Hiob). So zielt das G. darauf ab, dass wir mit den Erfahrungen in unserem Leben nicht alleine bleiben. Das G. ruft und sucht vielmehr nach Gottes helfender und heilender Nähe und Gegenwart und bittet um ein wahrhaft gelingendes Leben. Mit dem Vaterunser hat uns Jesus Christus gezeigt, wie wir beten können.

Vikar Bernhard Liess

Gebot

Das Wort "Gebot" bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine religiöse oder sittliche Vorschrift. Am bekanntesten sind die 10 Gebote aus dem Alten Testament, die mit "du sollst" oder "du sollst nicht" das Verhältnis zu Gott und das menschliche Zusammenleben regeln sollen.

In den Evangelien und den Paulusbriefen wird aber davor gewarnt, das Einhalten der Gebote als Zeichen besonderer Frömmigkeit zu sehen. Jesus nennt ein "höchstes Gebot", nach dem alle anderen Gebote zu beurteilen sind: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt." Und: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe sind also die 3 unverzichtbaren Komponenten, wenn menschliches Zusammenleben zufriedenstellend geregelt werden soll. Gebote haben nur auf diesem Hintergrund ihren Sinn. Deshalb finden wir im Neuen Testament die Kritik an denen, die auf Kosten der Liebe auf das Einhalten der Gebote bestehen.

Carola Längle, Pfarrerin z.A.

Gerechtigkeit

Wir meinen mit Gerechtigkeit (G.) die soziale G., eine gerechte Rechtsprechung und dass es im ganzen auf der Welt gerecht zugehe, indem jeder erhält, was er verdient, wie wir so denken. Wir möchten, dass auch Gott zu uns gerecht ist. Aber haben wir es verdient? Und können wir überhaupt das gerechte, d. h. richtige Verhältnis zu Gott verdienen?

Schon das Alte Testament preist Gott als Inbegriff von G. und Frieden. Der Beter von Ps 85 bittet, dass auch auf Erden "Gerechtigkeit und Friede sich küssen". Die Propheten verkünden eine kommende ewige Friedensherrschaft Gottes in "Recht und G.", bei Jesaja im Zeichen eines "Kindes", das geboren werden wird (9, 5f.).

Jesus hat den Anfang dieses "Reiches Gottes" bezeugt: Gottes G. ist da als "Güte" (Mt 20, 15), als uns zuvorkommende Versöhnung, wie der Vater dem "verlorenen Sohn" freudig vorauseilt (Lk 15, 20). Nach dem Osterwunder war den Jüngern klar: Jesus selbst ist die uns geschenkte G. Gottes als seine Treue, Güte, Liebe, sein ewiger Friede - Gottes Schalom, an dem wir schon jetzt teilhaben - "ohne unser Verdienst" (Martin Luther). Nichts anderes meint die Aussage des Paulus dass Gott selbst uns "rechtfertigt", "allein aus Gnade" und "allein durch den Glaube"(Röm 3, 28). Darum feiern wir "Frohe Ostern" und geben Friede und Gerechtigkeit weiter.

Karl Ernst Nipkow ist em. Prof. für Prakt. Theol. (Religionspädagogik), Ev.-theol. Fakultät, Tübingen
 

Gesetz

"So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." (Röm 3,27) ("Gerechtigkeit"). Paulus meinte mit Gesetz (G.), dass die Griechen und andere Nichtjuden, denen er das Evangelium von Jesus Christus verkündete, sich nicht zuerst beschneiden lassen und die jüdischen Reinigungs- und Speisevorschriften einhalten müssen: Um Christ zu sein, muß man nicht zuvor Jude werden.

Das G. umfasst freilich auch Gottes Zehn Gebote; Sie bleiben auch für Christen gültig im Lichte des Doppelgebots der Liebe zu Gott und zum Nächsten. In dieser Liebe verkörpert sich ("hanget") das "ganze Gesetz" (Mt 22, 40) ("Gebote"). Gottes G., d. h. sein "Gebot", ist "heilig, gerecht und gut" (Röm 6, 12), weil es uns zum einen auf das Gute für unsere Mitmenschen verweist (Nächstenliebe). Aber wir können es nicht erfüllen. Wir sind innerlich gelähmt; jeder weiß es, gerade auch Paulus: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." (Röm 7, 19)

Wir verstoßen vor allem aber zweitens immer wieder gegen das G. in Gestalt des Ersten Gebots durch die Dinge, die unsere modernen Götter geworden sind.

Wir verraten Gott und ersetzen ihn. Wo bleibt unsere Gottesliebe? Wie gut, dass Gottes Liebe zu uns beständig ist! Das zeigt sich in Christus; in diesem Sinne ist er "des Gesetzes Ende" (Röm 10, 4).

Karl Ernst Nipkow ist em. Prof. für Prakt. Theol. (Religionspädagogik), Ev.-theol. Fakultät, Tübingen.
 

Glaube

"Dem weltlichen Wort "Glauben" (=G.) haftet etwas Ungewisses an. Und so krankt "G." an dem weltlichen Wortgebrauch, der es im Sinn von "Für-wahr-halten" versteht. Man hört (liest) etwas, was man nicht nachprüfen kann und nun glaubt man´s oder man glaubt es nicht." (So Fr. Melzer vor 50 Jahren). Dies "Ungewisse" kann man spüren in Sätzen wie "Ich glaube nur, was ich sehe" oder "G. heißt: nicht wissen".

In der Bibel meint G. etwas ganz anderes; dort heißt G. vielmehr "Vertrauen". Das spüren wir schon an Noah und Abraham und ihrer Geschichte. So und noch mehr an der Geschichte von Jesus, "dem Anfänger und Vollender des G." (Hebr. 12), wie er dann genannt wurde.

In der Bibel meint G. also nicht ein "Für-wahr-Halten" sondern eine persönliche Beziehung. Und man spürt das überall, wo von G. die Rede ist, z.B. "Dein Glaube hat dir geholfen" (Mt 9, 22); "nichts ist unmöglich dem, der glaubt" (Mk 9, 23).

Oder in der Geschichte vom zweifelnden Jünger, der erst an den lebendigen Christus glauben kann, als er seinen Finger in die Wunde Jesu legt. Zu ihm sagt Jesus: "Selig ist, wer nicht sieht und doch glaubt". Womit er eben die Beziehung, das Vertrauen meint, das zwischen ihnen gegolten hat und gelten soll. Um solche Beziehung geht es auch wenn Menschen zueinander sagen: "Ich glaube Dir", was eben heißt: Dir vertraue ich; und auch wenn man "sich jemand anvertraut" ist das Ausdruck eben dieser Beziehung.

Im Hebräerbrief heißt das dann so: So ist der G. eine gewisse Zuversicht auf das, was man hofft, ein Nicht-Zweifeln an dem, was man nicht sieht.

Pfarrer H. Schubert, Klinikseelsorger an der BG
 

Gnade

Verurteilte bitten um Gnade und wenn es gut läuft dann werden sie "begnadigt" und es ergeht "Gnade vor Recht". Der Begriff scheint eindeutig in den juristischen Bereich zu gehören. Für den Glauben heißt das dann, daß Gott der Richter ist, der beim Strafvollzug seiner Gebote und Gesetze auch mal großzügig sein kann aber es nicht sein muß. Ist das der "gnädige Gott", den Luther gesucht hat?

Doch genauer betrachtet führt uns das Wort weg von der Rechtsprechung. Denn im deutschen Wort "Gnade" steckt das Wort "nahe, Nähe".

Gnade ist also kein Wort aus dem Recht sondern ein Wort, das von einer engen Beziehung spricht.

Der Richter hat mit einem Angeklagten nichts zu tun, er ist ihm egal. Wir aber sind Gott nicht egal. Unsere Sünde, also die Distanz und Trennung von Gott ist Gott nicht egal. Er überbrückt die Distanz; er sucht die Nähe und den Kontakt zu uns; er zeigt uns den Weg zu sich; er ist da, wenn wir die Nähe zu ihm suchen.

Das ist der gnädige, der "nahe" Gott, den Jesus Christus verkörpert hat.

Pfarrer Michael Knöller

Heil

Heil ist ein umfassender Begriff, der allgemein ein erfülltes, beglückendes und ewiges Leben beschreibt. Heil steht in engem Zusammenhang mit Gott.

Im Alten Testament wird Gott selbst "Heil" genannt (Psalm 27). Israel macht Heilserfahrungen (z.B. die Befreiung aus Ägypten), später wird die Geschichte Israels unter dem Aspekt von Heil und Unheil gesehen.

Im Neuen Testament machen viele Menschen heilende Erfahrungen mit dem Heiland Jesus Christus. Darin wird das christliche Verständnis von Heil deutlich: Dass Gott sich durch Jesus Christus den Menschen und der Welt liebevoll zuwendet und das Unheil wenden will, Tod in Leben, das Getrennt-Sein von Gott in die Gemeinschaft mit ihm. So wird das Heil schon jetzt spürbar, bleibt aber selbst auch Hoffnungsbild. Die eigene Vollendung steht noch aus. Im Krankenhaus stellt sich oft die Frage nach dem Zusammenhang von Heil und Heilung.

Trage ich, wenn ich krank bin und es offen bleibt, ob ich geheilt werde, kein Heil in mir?

Mir ist wichtig zu betonen, dass - bei allem Zusammenhang bspw. in den Heilungsgeschichten Jesu - es auch Heil ohne Heilung ( 2. Korin-ther 12,9) und Heilung ohne Heil (Lukas 17, 11-19) gibt. Das heißt: Krankheit und Heillosigkeit/Schuld sind nicht gleichzusetzen (vgl. Johannes 9, 3)

Pfr. z.A. Stephan Glaser, Klinikseelsorger in der Filderklinik

Heiliger Geist

Am Sonntag feiern wir Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. In der Apostelgeschichte erzählt Lukas davon als Anfang und Ursprung der christlichen Kirche.

Jesu Sterben war kein Schlußstrich, nicht das Scheitern eines genialen Weltverbesserers. Gott hat ihn und seine Botschaft, die Botschaft der Liebe, nicht im Grabe gelassen sondern zu neuem Leben erweckt. Durch seine Jünger, seine Gemeinde, seine Kirche soll sein Werk weitergehen. Durch uns Christen soll Gottes Liebe in Wort und Tat in die Welt getragen werden.

Tief beeindruckt stehen wir heute zwar von dem wissenschaftlichen Fortschritt, den der menschliche Geist geleistet hat. Das Herz des Menschen aber ist das gleiche geblieben. Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Lieblosigkeit, Haß, Fanatismus und Machtgier sind die gleichen geblieben.

Eine Verwandlung des menschlichen Herzens braucht eine andere Kraft. Auch den Glauben an Gottes Liebe, die uns trägt, tröstet, stärkt und uns selbst zu echter Liebe befähigt, können wir zwar wecken aber nicht machen. Gott selbst muß in uns wirken. Er will es durch den Heiligen Geist, den Jesus seinen Jüngern verheißen hat, tun. Durch seinen Geist dürfen wir seine Werkzeuge sein.

Christoph Klaffke, Pfarrer im Ruhestand
 

Himmel

Der erste Kosmonaut Gagarin sagte nach seinem Raumflug: „Ich war im Himmel und habe Gott nicht gesehen. Es gibt also Gott nicht!„ Doch da hat er leider Himmel mit Himmel verwechselt. Im Englischen läßt sich das genauer sagen: „sky„ ist der sichtbare Himmel, der Welt-raum. „Heaven„ ist der Himmel Gottes. Doch der Himmel wartet nicht erst nach dem Leben sondern schon in unserem Leben auf uns. „Das Himmelreich ist nahe„ war der erste Ruf Jesu. Überall da, wo Wahrheit ist, Frieden, Gerechtigkeit, Liebe und menschliches Miteinander, da ist etwas vom Himmel Gottes, von seinen guten Gaben für uns, zu spüren. Oft ist es nur bruchstückhaft wie eine Ahnung, wie ein Moment. Aber dieser Glücksmomente verweisen auf den Himmel, Gottes Liebe, die in uns ist und um uns und der diese Erde unsichtbar umhüllt und durchdringt wie die Luft.

Pfarrer Michael Knöller

Hoffnung

„Hoffentlich regnet es nicht im Urlaub„: so ein Satz drückt keine Hoffnung sondern Angst aus. Hoffnung ist dagegen die Erwartung von etwas Positivem, Zukünftigen. Schwangere Frauen sind in guter Hoffnung„. Hoffnung hat mit Achtsamkeit zu tun. Ein Hirsch „hofft„, er stutzt weil er etwas unvorhergesehenes gehört oder gesehen hat.

Unvorhergesehen, positiv, zukünftig: das sind die Begriffe der Hoffnung.

Für mich wird so das Handeln Gottes beschrieben. Keiner konnte damit rechnen aber die israelischen Sklaven werden aus Ägypten befreit. Keiner konnte damit rechnen aber Jesus wird zum lebendigen Christus aus dem Tod auferweckt, ein Schicksal das uns allen blüht!.

Die Hoffnung ist also nicht wage, unbestimmt. Hoffnung stützt sich auf etwas, was ich oder andere schon erlebt haben. Die Hoffnung läßt sich erzählen, ob Geschichten der Bibel oder, z.B., Geschichten von Menschen, die den Krieg überstanden haben.

So wird Hoffnung weitergegeben. Doch die Vergangenheit ist nur ihr Fundament. Sie zielt darauf, daß Gott auch in der Zukunft seinen Menschen hilft. Aber nicht voraussehbar, berechenbar sondern unverhofft. Wer hofft, bleibt aufmerksam.

Pfarrer Michael Knöller

Hölle

„Das Christentum ist schon komisch. Es verbreitet Furcht, wo es nichts zu fürchten gibt. Und es schenkt Hoffnung, wo es nichts zu hoffen gibt.“ (Zitat aus dem Film, der codierte Mann“)

Mit der Hölle ist oft gedroht und Furcht verbreitet worden. Hölle ist – auch biblisch – das Sinnbild für den Ort alles Lebensfeindlichen, der Ver-dammnis, der Qual (vgl. Mt. 25, 42; Lk 6,23; Jes 66,24).

In der christlichen Tradition hat man auch von der Höllenfahrt Jesu gesprochen. Diese Rede hat v.a. zwei Dimensionen: In einer seelsorgerlichen Dimension predigt Jesus den Toten das Evangelium, die er nicht erreicht hat. Gleichzeitig durchlebt er selbst die größten Leiden, die ab-solute Erniedrigung. Es gibt kein Leiden, das er nicht kennt und keinen Leidenden, dem Christus nicht nahe ist. In der rettenden Dimension wir die Hölle entmachtet weil Christus der Herr über Lebende und Tote ist (Christus hat die Schlüssel der Hölle und des Todes, Offb 1, 18).

Anders als jenseitig lokalisierter Ort ist die Hölle noch da mächtig, wo Menschen sich Orte gegenseitig zur Hölle machen.

Pfr. z.A. Stephan Glaser, Filderklinik

Jesus Christus

Jesus (= „Gott hilft“; Eigenname)

Bauhandwerkerssohn - vor 1 geboren - in Nazareth mit mehreren Geschwistern aufgewachsen - im Jahr 28 der Buß- und Taufbewegung des Johannes beigetreten - ca 1-jährige Wirksamkeit als Wanderprediger mit Jüngern - versteht sich als endzeitlicher Gesandter Gottes - verkündet die mit ihm angebrochene Gottesherrschaft - unverheiratet - dem Leben zugewandt - Einsatz für Randgruppen - wegen Volksaufwiegelung und Gotteslästerung vom römischen Prokurator Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt - stirbt im Alter von ca. 30-40 Jahren am 7. April 30.

Christus (= “der Gesalbte“= “Messias“; Titel) als Titel von Jesus selbst abgelehnt - in der jüdischen Tradition mit der Hoffnung auf politi-sche Befreiung verknüpft - von der nachösterlichen Urgemeinde für Jesus verwandt, die ihn damit in der jüdischen Tradition König Davids sieht, seine Autorität anerkennt und ihren Aufer-stehungsglauben ausdrückt (vgl. Evangelien).

Jesus Christus - historische Person (gestorben) und geglaubter Erlöser und Heilsbringer (auferstanden). In Jesus Christus verbinden sich historische Erinnerungen, gegenwärtiger Glaube und Hoffnung auf zukünftige Vollendung der Gottesherrschaft.

Martin Ulrich Merkle, Studienrat/Pfarrer am Wildermuth-Gymnasium, Tübingen

Jungfrauengeburt

Ich glaube an Jesus Christus... geboren von der Jungfrau Maria. So lautet ein Satz des apostolischen Glaubensbekennntnisses. Ein Satz wie dieser spaltet Menschen in verschiedene Lager: die einen lehnen eine übernatürliche Herkunft Jesu aus Gründen der Vernunft ab; die anderen sagen: wenn man schon glaubt, muß man halt alles glauben.

Einige Tatsachen helfen weiter: Von der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria ist nur im Lukas- und Matthäusevangelium die Rede. Markus - das älteste Evangelium - und Johannes erzählen nichts über Zeugung und Geburt Jesu. Erst der erwachsene Jesus wird in Beziehung zu Gott gebracht mit Bezeichnungen wie: „Herr“, „Menschensohn“, „Heiland“.

Aus dem griechischen Sprachraum will der Begriff „Gottes Sohn“ die besondere Nähe Jesu zu Gott hervorheben. Zu der Vorstellung, daß Jesus der Sohn Gottes ist, gehört dazu, daß er von einer Jungfrau geboren wurde. Zur Zeit des Alten Testa-ments und im hebräischen Denkkreis bezeichnet Jungfrau einfach eine junge Frau bis zur Geburt des ersten Kindes.

Jesus Christus ist Gottes Sohn - war Maria eine Jungfrau oder eine junge Frau? Meine Frage ist die: ist die Antwort darauf überhaupt wichtig?

Carola Längle, Pfarrerin z.A., Pfrondorf

Jüngstes Gericht

Das jüngste Gericht, ist es abzulehnen als Teil des Schreckensarsenals der mittelalterlichen Kirche, dazu da, Angst zu verbreiten und Macht auszuüben? Oder ist es unaufgebarer Bestand-teil des Glaubens um die Ernsthaftigkeit der eigenen Entscheidung für oder gegen Christus zu unterstreichen?

Für mich ist das eine falsche Alternative. Mir ist ist wichtig, daß im Zentrum dieses Gerichtes nicht ein Hinrichten sondern ein Aufrichten steht: die Opfer dieser Welt werden aufgerichtet, ihnen wird Gerechtigkeit zuteil: „die Letzten werden die Ersten sein.“

So wird diese Welt in Ordnung gebracht. Dadurch, daß die Ordnung Christi aufgerichtet wird: „Was habt ihr meinen geringsten Geschwistern Gutes getan oder unterlassen?“ fragt Christus die Menschen. Das wird beurteilt.

Aber wer könnte in diesem Gericht bestehen? Für Luther war das erschrecktend bis er von Paulus lernte, was in diesem Gericht „Gnade vor Recht“ bedeutet. Formelhaft gesagt: durch Jesu Tod und Auferstehung hat Gott die Sünde gerichtet und die Sünder gerettet.

Das heißt für mich: Die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit, die die Trennung („Sünde“) der Menschen von Gott zeigt, ist ein Fakt. Sie verurteilt Gott und zeigt das uns auch deutlich. Doch die Menschen selbst will er retten und verändern. Deshalb kam und kommt er uns durch Christus nahe („Gnade“) und überwindet so die Trennung damit wir leben.

Pfarrer Michael Knöller

Kirche/Gemeinde

Es hat einen tiefen Sinn, dass das Wort „Kirche“ dreierlei bedeutet. Kleine Kinder denken zu-nächst nur an das Kirchengebäude: “ Da ist Gott.“ Ja! Denn da spricht Gott zur versammelten Gemeinde, und sie antwortet ihm in Lobpreis und Dank.

„Wir gehen zur Kirche“ meint jetzt, zweitens, Kirche als gottesdienstliche Versammlung, bei der das Evangelium in rechter Weise laut und das Abendmahl gefeiert wird. Das reicht nach evangelischem Verständnis zur Definition von Kirche. Sie ereignet sich auch, wo „zwei oder drei“ im Namen Jesu versammelt sind (Mt 18,20)und wo Christsein im Alltag bezeugt und gelebt wird.

Drittens glauben Christen an die „heilige christliche Kirche“ zusammen mit dem Glauben an den „Heiligen Geist“ (3.Glaubensartikel). Die Kirche - und wir mit ihr - brauchen Gottes Geist der Vergebung, weil die Kirche Schuld auf sich geladen hat und in getrennten Kirchen exi-stiert. Am Anfang der Kirche standen kleine Hausgemeinden, die geisterfüllt die Tischgemeinschaft mit Jesus fortsetzten. Wir hoffen auf eine ökumenische Gemeinschaft aller Kirchen, in der jene Tischgemeinschaft, zu dem Jesus selbst einlädt, in der ganzen Welt wieder möglich ist.

Karl Ernst Nipkow, em. Prof. für Praktische Theologie (Religionspädagogik).

Mission

Mission (lateinisch „Sendung“) meint die Verkündigung der eigenen Religion unter Andersgläubigen. Jesu Wirken war missionarisch, ursprünglich wohl auf Israel beschränkt (Mt 15,24). Er sendet seine Jünger aus, damit sie die Gottesherrschaft verkündigen (Mt 10, 5-15).

Der „Missionsbefehl“ des auferstandenen Christus (Mt 28, 19+20) ist universal. Paulus wurde zum „Apostel der Heiden“, wie die Apostelgeschichte schildert. Das Zeugnis von Christus sollte die Enden der Erde (damals Spanien) erreichen. Eine echte „Weltmission“ fand jedoch erst seit der Zeit der französischen Revolution statt durch die Auswanderungsbewegungen. In der Kolonialzeit wurde gleichzeitig mit der Mission die Kultur der Herrschaftsländer exportiert, die andere Kulturen oft zerstörten und Eigenheiten unterdrückten. Heute sucht man unter Wahrnehmung der Vielfalt der (Welt-) Religionen in der Mission stärker den Dialog, um die Einladung Gottes glaubwürdig zu verkündigen und zu leben und so um Akzeptanz zu werben.

Ein besonderes Verhältnis besteht zwischen Juden und Christen, das Christentum ist in Israel verwurzelt. Deshalb und wegen der besonders belasteten Geschichte von Juden und Christen in Deutschland sollte von „Judenmission“ nicht mehr gesprochen werden. Angemessen ist ein Dialog in gegenseitiger Achtung, wie die Ev. Landessynode am 6.4.2000 erklärt hat.

Pfr.z.A. Stephan Glaser, Klinikseelsorge in der Filderklinik

Kreuz-Passion

Das Kreuzeszeichen ist in verschiedensten Varianten ein uraltes vorchristliches Symbol. Durch das Kreuz, an dem Jesus starb, fand es eine neue Bedeutung. Am Kreuz fand Jesu Leiden, seine Passion statt. Seitdem ist es das Erkennungszeichen der Christen.

Aber es ist mehr als dies, mehr auch als ein Zeichen der Erinnerung an Jesu Tod. Es ist das Zeichen dafür, daß Gottes Liebe stärker ist als der schrecklichste Tod, stärker als alles Böse, größer als alle Schuld, größer als unsere Halbherzigkeit in der Liebe. Darum ist der Gekreuzigte unser Fürsprecher vor Gott, dem wir vertrauensvoll alles vor die Füße legen können, was wir im Leben falsch machen.

Auch unser eigenes Leid ist im Leid des Gekreuzigten aufgehoben. Wo immer Menschen leiden, leidet Gott mit ihnen.

Das Kreuz ruft uns aber auch zum Kampf gegen alles Böse und alles Leid dieser Welt auf. Dabei kann uns etwas vom Kreuz Christi aufgelegt und spürbar werden. Da, wo wir anderen Menschen helfen wollen, ihr Kreuz zu tragen oder wenn wir uns für sie einsetzen. Christen vertrauen darauf, daß nicht die Macht der Mächtigen die Welt zum Guten vollenden wird sondern Gottes Liebe, die sich im Kreuz von Golgatha so tief zu uns herabgelassen hat.

Christoph Klaffke, Pfarrer i.R.

Liebe

Was ist Liebe? Das Thema Liebe füllt ganze Bibliotheken, es gibt fast keinen Film ohne Liebesgeschichte und selbst in der Zeitung ist das Liebesleben der Prominenten ein Dauerbrenner. Die Liebe zwi-schen zwei Menschen gehört zu den wichtigsten und schönsten Lebensgefühlen.

Was ist Liebe? Eine Ärztin geht in ihrem Urlaub in ein Dritte-Welt-Land um zu helfen. Ein Mann greift ein, wenn ein anderer zusammengeschlagen wird. Ein Kind hält zu dem Kameraden, den die anderen auslachen. Die Liebe zum Nächsten ist Gefühl und Tat, und sie ist erlernbar.

Was ist Liebe? Ich nehme mir auch mal Zeit für mich selbst.Ich lasse zu, daß mir jemand etwas schenkt ohne zurückschenken zu müssen. Ich nehme mich an, wie ich bin. Die Liebe zu sich selbst ist schwerer, als wir alle denken.

Was ist Liebe? Gott ist für mich ein Gesprächspartner, ich neh-me mir Zeit, um über religiöse Themen nachzudenken und zu reden. Ich glaube, daß Gott mich liebt. Die Liebe zu Gott ist heute oft kein Thema mehr, und doch ist sie bei vielen Menschen vorhanden. Die wichtigste Erkenntnis von Christen ist: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1.Joh. 4,16)

Pfarrerin z.A. Carola Längle

Ökumene

Schon in der Reformationszeit trennten sich nicht nur die römisch-katholische und die evangelische Kirche, sondern auch evangelische Kirchen untereinander (lutherische und reformierte). Es hat sehr lange gedauert, bis endlich im 20. Jahrhundert ökumenische Verständigung angestrebt wurde.

Der Begriff „Ökumene“ meinte ursprünglich den ganzen „bewohnten Erdkreis“ (gr. „oikos“ = Haus, Wohnung). Hieran denken auch heute die, die nicht nur die Versöhnung unter den getrennten Kirchen, sondern das friedliche Zusammenleben aller Menschen herbeiwünschen.

1948 wurde in Amsterdam der „Ökumenische Rat der Kirchen“ grgründet, dem heute weit über 300 Gliedkirchen angehören (nicht die römisch-katholische Kirche). 1973 schlossen sich auch die verschiedenen evangelischen Kirchen enger zusammen und vereinbarten Kanzeltausch und Abendmahlsgemeinschaft.

Kann im Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche Ökumene nur „Rückkehr nach Rom“ sein? Sicherlich nicht. Ökumene darf nicht unklare Kompromisse begünstigen. Wahrheitssuche unter dem Evangelium und Wahrhaftigkeit sind oberste Gebote.

Als realistisches Ziel ist eine „versöhnte Verschiedenheit“ einschließlich der Abendmahlsgemeinschaft mit den katholischen Mitchristen anzustreben. Als eine Regel der Verständigung sollte gelten, vor allem die Stärken der jeweils anderen Seite zu würdigen. Dazu müssen wir uns noch besser kennenlernen und zusammenarbeiten, z.B. auch im Religionsunterricht in der Schule.

Karl Ernst Nipkow, em.Prof.für Praktische Theologie (Religionspädagogik).

Opfer

Geopfert wurde in allen Religionen. Alles, sogar Menschen landeten auf allen Altären. Entweder aus Angst oder um etwas zu erreichen.

Die Kreuzigung Jesu wird als Opfer verstanden. Was ist das aber für ein Gott, der will, daß sein Sohn geopfert wird? Muß er dessen Zorn besänftigen, der uns sonst treffen würde? So wird der Gott der Liebe für viele fragwürdig.

Tatsache war: Jesus starb am Kreuz und wurde von Gott auferweckt, uns zum Heil. Die ersten Christen wollten das begreifen. Sie taten das in verschiedenen Bildern, wie dem des Opfers. In Israel wurde das große Versöhnungsopfer gebracht. Die Sünde der Menschen stand trennend wie eine Mauer zwischen Gott und den Menschen. Durch das Opfer wurde die Trennung aufgehoben, der Weg zu Gott war offen.

Wichtig ist: Gott selbst hat sich mit Jesus so identifiziert, daß nicht ein Mensch dem zornigen Gott geopfert werden mußte sondern daß Gott selbst diese Mauer der Schuld überwand, die die Menschen von Gott trennt.

Das war Jesu Mission: den Menschen den Zugang zu Gott eröffnen. Seine Auferstehung hat gezeigt: Gott geht es ums Leben. Für Christen ist damit der Opferkult zu Ende. Opfer werden immer noch gebracht: dem Ehrgeiz, der Karriere, dem Erfolg. Ob diese Opfer dem Leben dienen ist für uns fraglich geworden.

Pfarrer Michael Knöller

Ostern

Ostern steht als Fest im Schatten von Weihnachten. Bunte Eier und süße Hasen (Fruchtbarkeitssymbole) sind stärker im Bewusstsein als Anlass und Inhalt des Festes. Osterspaziergang („Vom Eise befreit,...Goethe, Faust I), Ostermärsche (Friedensbewegung) Anfang des Frühlings (Termin: 1. Sonntag nach 1. Vollmond nach Frühlingsanfang) und Beginn der Reisesaison sind Ausdruck wiedererwachenden Lebens. Nach Passionszeit und Karwoche, die oft als bedrückend empfunden, ein Freudenfest (besonders ausgeprägt in der katholischen Liturgie).

Entstanden aus dem jüdischen Passah-Fest, feierte die christliche Kirche Ostern ursprünglich an jedem Sonntag, erst später als Jahreshauptfest (das ist es bis heute in der orthodoxen Kirche). Weihnachten wurde damals noch nicht gefeiert.

An Ostern feiert die Kirche die Auferstehung Jesu Christi und damit den Sieg des Lebens über den Tod. Christen bekennen, daß Gott seinen Sohn auferweckt hat. Sie berufen sich dabei auf Erscheinungen der Jünger und Apostel und verkündigen ihn als Herrn über alles.

Ostern als Fest des Lebens gibt allen Bräuchen und Gewohnheiten, hinter denen es zu verblassen droht, durchaus Sinn. Ostern macht Mut. Ostern gibt Hoffnung.

Martin Ulrich Merkle, Studienrat/Pfarrer am Wildermuth-Gymnasium Tübingen

Rechtfertigung

Christen nennen das durch Jesus Christus im Heiligen Geist gewirkte Heilshandeln Gottes „Rechtfertigung“. Die Reformation hat mit Paulus betont, dass dies „allein durch den Glauben“ geschieht und „allein aus Gnade“.

Wir Menschen rechtfertigen uns, wenn wir zu Unrecht beschuldigt werden. Dagegen ist, wenn es zutrifft, nichts einzuwenden. Aber aus unserem schuldigen Versagen vor Gott kann nur er allein uns heraus-holen und wieder „zurechtbringen“, so dass wir so vor ihm stehen, wie es „richtig“ ist, als dankbare Geschöpfe.

Früher hat die unterschiedliche Auffassung von der Rechtfertigung die evangelischen und katholischen Christen voneinander getrennt. Heute sind sich beide Kirchen näher gekommen. Die katholische Kirche hält der evangelischen Kirche nicht mehr vor, sie vernachlässige das christliche Handeln. „Gute Werke“ (Martin Luther) sind wir Gott und den Mitmenschen schuldig. Wir werfen umgekehrt der katholischen Kirche nicht mehr die sog. „Werkgerechtigkeit“ vor, denn auch für sie gilt letztlich allein Gottes Gnade.

Wer heute allerdings nicht mehr weiß, was Schuld ist, wird die Wohltat der Vergebung aus Gnade nie begreifen.

Karl Ernst Nipkow, em. Prof. für Praktische Theologie (Religionspädagogik)

Religion

Der Begriff „Religion„ bezeichnet neben Wirtschaft, Recht, Kunst einen bestimmten Bereich menschlicher Kultur. Er will außerdem auf das Gemeinsame aller Religionen verweisen. In diesem Sinne meint Religion eine das ganze Leben tragende Bindung an eine transzendente Macht. Im Judentum, Christentum und Islam ist es der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der die Welt geschaffen hat.

Religion betrifft einerseits weit mehr als nur ethische Werte und moralisches Verhalten, weil sie die ganze Wirklichkeit umfassend deutet. Religiöse Bindung begründet aber andererseits hierbei zugleich ein Verhalten, zu dem man sich verpflichtet fühlt.

Religiöse Bindung kann Freiheit von weltlichen Zwängen, Trost im Leid, Lebenszuversicht, Hoffnung auf Zukunft und Kraft zum Handeln in der Liebe schenken. Religion kann aber auch zu zerstörerischem Fanatismus führen, aus verschiedenen Gründen, u. a. weil alle anderen Religionen abgewertet werden oder weil Religion zur Durchsetzung von nicht-religiösen Machtinteressen missbraucht wird. Die Menschheit braucht jedoch Versöhnung durch einen Dialog zwischen den Religionen.

Karl Ernst Nipkow, em. Prof. Für Praktische Theologie (Religionspädagogik)

Sakrament

In unserer evangelischen Kirche bezeichnen wir zwei kirchliche Handlungen als Sakrament, Taufe und Abendmahl.

Das Wort Sakrament, das im Neuen Testament nicht vorkommt, hat sich erst im Verlauf der Kirchengeschichte zu einem festen Begriff kirchlicher Lehre entwickelt. Ein Sakrament ist eine zeichenhafte Handlung, die uns mit Gott in Verbindung setzt und die etwas von Gottes Heilshandeln vermittelt, seinen Segen, Vergebung, Vergewisserung seiner Liebe zu uns usw.

Hat man sich anfangs keine Gedanken über die Zahl der Sakramente gemacht und vielerlei kirchliche Handlungen als Sakramente bezeich-net, so waren es später sieben kirchliche Handlungen, die 1439 sogar als heilsnotwendige Glaubenswahrheiten zum Dogma erhoben wurden. Diese 7 Sakramente sind - bis zur Gegenwart in der katholischen Kirche gültig - Taufe, Abendmahl (Eucharistie), Buße, Firmung, Ehe, Priesterweihe und letzte Ölung (Sterbesakrament).

Martin Luther hat in der Auseinandersetzung mit seiner Kirche nur das als Sakrament anerkannt, was seinen klaren Grund in der Bibel hat. Danach hat er nur noch Taufe und Abendmahl als Sakrament bezeichnet. In symbolischen Handlungen wird uns zeichenhaft veranschaulicht, was Gottes gnädige Zuwendung in Jesus Christus bewirkt, nämlich Vergebung von Schuld, wieder geschenktes neues Leben unter Gottes Gnade und Barmherzigkeit, Gemeinschaft mit Gott und den Menschen.

Die Sakramente bewirken nichts anderes als das Wort der Bibel, das uns in Predigt oder seelsor-gerlichem Gespräch zugesprochen wird. Als sichtbares Zeichen aber ist es eine Bekräftigung der im Wort zugesagten Gnade Gottes.

Christoph Klaffke, Pfarrer i.R.

Seelsorge

Was ist Seelsorge? Beim Stuttgarter Kirchentag konnte man lesen: „Seelsorge ist...Wege finden, ...sich Zeit nehmen füreinander, ...Gefühlen Raum geben, ...den Rücken stärken, ...Gefühle entwirren ..., einen Weg mitgehen, ...Hoffnung wachsen lassen, ...das Dunkel mit aushalten, ...Worte finden - Beten, ...Symbole wirken lassen, ...Gottesdienst feiern, ...“

Von Anfang an war christliche Seelsorge das, was Christen einander und anderen Menschen zuteil werden lassen. An den sog. „Werken der Barmherzigkeit“ (Mt.25: u.a. Hungernde speisen, Kranke besuchen, zu Gefangenen gehen; später wurde noch hinzugefügt: Tote bestatten, Trauernde besuchen.

Daran also wurde deutlich: Seelsorge ist Beistand, Hilfe, Begleitung, Zuwendung zum Mitmenschen in seiner Not und auf verschiedenen Wegstrecken seines Lebens, bei Einschnitten, Verlusten, Veränderungen, bei Orientierungen im Leben. Dabei ist Seelsorge als christliche Begleitung auf das ganze Leben bezogen, nicht allein auf Probleme, Brüche, Krisen.

Am Kranken- und Sterbebett ist die stärkende und tröstende Dimension der Seelsorge besonders deutlich. Seelsorge geschieht dabei in persönlicher Zuwendung im Gespräch, Hören und Reden und sie geschieht in besonderer gegenseitiger Wahr-nehmung, die eine Atmosphäre des Vertrauen braucht und schafft, in gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung.

Auf dieser Grundlage ist es möglich, einander mit Vertrauen und dem Gefühl der Sicherheit zu begegnen und sich auf ein Gespräch ohne Angst einzulassen. Christliche Seelsorge lebt davon, daß in ihr die geistliche Dimension mit anwesend ist, die ihre Orientierung der Menschensorge von Jesus Christus verdankt.

Hermann Schubert, Klinik-Pfarrer an der BG-Klinik Tübingen

Schuld-Sünde

Schuld ist persönliche oder gemeinsame Schuld. Heute erkennen wir zusätzlich eine Art „strukturelle Schuld„. Sie betrifft schwere Schäden an Mensch und Natur, die man nicht mehr genau einzelnen Schuldigen zuschreiben kann. Bei der durch Emissionen verursachten Klimaveränderung liegt der größte Schöpfungsschaden überdies noch unsichtbar in der Zukunft.

Sünde meint dies alles als Schuld vor Gott, als eine grundsätzliche Schuld, die sich nach dem Alten Testament vor allem in dreifacher Gestalt zeigt: im Versuch des Menschen, zu sein wie Gott (Sündenfallerzählung, Gen 3), in Machtgier, Neid und Gewalt gegen andere (Kain und Abel, Gen 4) und in der grenzenlosen technologischen Selbstherrlichkeit, alles erreichen zu wollen (Turmbau zu Babel, Gen.11). In allem äußert sich mangelndes Vertrauen auf Gott. Anderes tritt an seine Stelle, an das wir unser „Herz hängen„ (Martin Luther). Sünde ist der permanente Verstoß gegen das 1. Gebot.

Im Neuen Testament beschreibt Paulus Sünde als Unvermögen des Menschen schlechthin, als Widerspruch zwischen Wollen und Können: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.„(Röm 7, 19)

Zusammengefasst treten somit bei dem Wort Sünde nicht (nur) einzelne Verfehlungen („Sünden„) vor Augen; im Singular verweist „Sünde„ auf die falsche Ausrichtung des menschlichen Herzens überhaupt. Überwunden wird sie darum auch nicht durch moralische Appelle und einzelne Anstrengungen, sondern nur durch die Umkehr des Herzens zu Gott kraft seiner uns erneuernden Hilfe aus Liebe und Barmherzigkeit.

Karl Ernst Nipkow, em. Prof. für praktische Theologie (Religionspädagogik)

Versöhnung

Allgemein gesprochen geht es bei Versöhnung darum, daß die Feindschaft zwischen zwei Gegnern beendet wird. Dadurch das Schuld anerkannt wird, die Schuld gesühnt wird, also Wiedergutmachung erfolgt und so der Weg frei wird zu einem neuen Frieden. Aus Feinden werden Partner.

Konkret ist manchen noch der Kniefall Willy Brandts in Erinnerung, der die Versöhnung mit „dem Osten“ einleitete. Aktuell war die Diskussion um die Wiedergutmachung der Schuld, die an Zwangsarbeitern geschehen ist.

Allgemein gesprochen leben Christen davon, daß Gott die Schuld der Menschen vergibt. Konkret wird das im Abendmahl erlebt. Wir stehen zu unserer Schuld und lassen uns die Vergebung Gottes zusprechen. Der Weg zu einem Neuanfang im persönlichen Leben wird frei.

Das Erlebnis der Versöhnung und Entlastung ist zugleich eine Verpflichtung: christliche Kirchen und Initiativen versuchen bei der Beendigung von Feindschaft zu helfen und Versöhnung zu einem politischen Ziel und gesellschaftlicher Wirklichkeit zu machen.

Wer wissen will, was Versöhnung im täglichen Leben noch sein kann, der soll mal das neue Kirchenlied „Wie ein Fest nach langer Trauer“ lesen, im Gesangbuch unter der Nummer 660.

Pfarrer Michael Knöller

Vergebung-Absolution

Unser Zusammenleben braucht Vergebung, weil wir immer wieder aneinander schuldig werden. Wo ich meinen Mitmenschen verletze, ihm Schaden zufüge, gewollt oder ungewollt, materiell oder seelisch, werde ich an ihm schuldig.

Vertrauen ist gestört, beschädigt. Heilung kann nur dadurch entstehen, daß der Verletzte mir vergibt und so einen neuen Anfang unserer Beziehung ermöglicht. Vergeben ist mehr als Vergessen oder das so oft praktizierte „unter den Tisch kehren“.

Die Bibel sieht in allem auch ein Schuldig-werden gegenüber Gott. Sie nennt das Sünde und ruft zur Umkehr, zur Buße. Sie sagt uns aber auch, daß Gottes Liebe, wie sie uns Jesus gelehrt und gelebt hat, größer als alle Schuld ist, die Menschen auf sich laden. Wir dürfen sie vor Gott bringen und der Vergebung gewiß sein. Dies gilt auch, wo Menschen uns nicht vergeben wollen oder können.

Gottes Vergebung kann uns ganz persönlich, aber auch öffentlich zugesprochen werden. So geht bei der Abendmahls-, bzw. Eucharistiefeier, das Bekenntnis der Schuld voraus, in der evang. Kirche als formuliertes Beichtgebet, das uns zum Schuldbekenntnis ruft, in der kath. Kirche ähnlich oder als Ohrenbeichte. Wo Menschen ihre Schuld bekennen, wird ihnen Gottes Vergebung zugesprochen, Absolution erteilt.

Christoph Klaffke, Pfr.i.R.

Wunder

Jesus hat Kranke geheilt, einer großen Menschenmenge Nahrung verschafft, Menschen angenommen, den Kindern und Frauen Achtung entgegengebracht, Gottes Liebe in eine Welt der Feindschaft und Verhärtungen gebracht. Wunder nennt man diejenigen seiner Taten, die unserem naturwissenschaftlichen Weltbild widersprechen.

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit den Wundern Jesu: die einen lehnen die Wunder aus verstandesmäßigen Überlegungen ab, die anderen sagen, man müsse die Wunder einfach glauben. Ein dritter Weg mag aus dieser Sackgasse heraushelfen.

Zur Zeit Jesu waren Wunder durchaus im Bereich des Denkbaren angesiedelt. Es gab noch andere Wuntertäter. Entscheidend war, warum diese Wunder vollbracht wurden. Kaisern wurden Wundertaten zugeschrieben, um ihre Macht zu demonstrieren. Andere benutzten Wunder, um sich selbst als besondere Menschen darzustellen oder zur Unterhaltung anderer.

Jesus weist nach seinen Wundertaten immer auf den Gott hin, in dessen Namen er Wunder vollbringt. Die Wundertaten selbst gehören inhaltlich zu seinen sonstigen Taten und seiner Verkündigung: Sie wollen Demonstrationen der Liebe Gottes zu uns Menschen sein. Wunder gehören in die obengenannte Reihe dessen, was Jesus uns von Gott erzählen möchte: Gottes Fürsorge erstreckt sich auf Körper und Seele des Menschen.

Pfarrerin z. A. Carola Längle

Zorn Gottes

„Da entbrannt Gottes Zorn“, so heißt es mehrmals in der Bibel. Aber können wir heute noch von einem zornigen Gott reden? Die einen lehnen es ab weil sie einen zornigen Gott mit dem Gott, den Jesus als den Gott der Liebe verkündet hat, nicht zusammen bringen können. Die anderen halten fest an der Rede vom zornigen Gott als biblisch vorgegeben und notwendig um den Ernst der Verkündigung zu erhalten.

Doch es geht weder darum, einen lieben Gott wie ein überdimensionales Kuscheltier in die Wolken zu zeichnen noch einen unberechenbaren Gott zu verkünden, mal liebend, mal zornig, vor dem letztlich nur Furcht und Unsicherheit ausgeht.

Mit der Rede vom Zorn Gottes soll den Menschen im Gegensatz zu einem trockenen, leblosen Gott der Philosophen ein sehr leidenschaftli-cher, an seinen Menschen interessierter Gott gezeigt werden.

Gott hat die Menschen als Partner erwählt, er hat mit ihnen seinen Bund geschlossen. Er nimmt sie ernst, mit allen Konsequenzen ihres Tuns.Da, wo sie den Bund verletzen, das Recht vernachlässigen, sich den sichtbaren Göttern, den Götzen zuwenden, da entbrennt der Zorn Gottes. Sein Zorn richtet sich gegen das, was er in seiner Liebe nicht will. Jeder, der wirklich liebt, kann diese biblische Rede nachvollziehen: Liebe ohne Zorn ist leblos und nicht mehr am anderen interessiert. Doch es bleibt immer von Liebe umschlossener Zorn. So reden Altes und Neues Testament vom Erbarmen Gottes, das immer wieder das letzte Wort hat.

Pfarrer Michael Knöller

ABC des Glaubens

Die evangelischen Theologin und Theologen von Pfrondorf haben Ihnen wichtige Worte des Christseins vorgestellt. Ihnen allen möchte ich für die Mitarbeit danken. Ein ABC des Glaubens ist so entstanden, von „Abendmahl“ bis „Zorn Gottes“. Ein ABC, nicht vollständig, nicht ausführlich und, hoffentlich, nicht langweilig.

Christinnen und Christen sollen wissen, worauf sie sich verlassen können. Und sie sollen sprechen können über ihren Glauben und ihre Hoffnung. Dazu wollten wir einen Beitrag leisten. Ich hoffe, es ist uns gelungen. Ich jedenfalls fand die Arbeit am ABC und die Gespräche im begleitenden Gesprächskreis immer sehr anregend und sinnvoll.

Das ABC ist in einer Broschüre noch einmal zusammengestellt, eine „Westentaschen-Theologie“ der Pfrondorfer TheologInnen. Sie kann im Pfarramt bestellt werden.

Pfarrer Michael Knöller

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Das Kirchenjahr

    Losung und Lehrtext für Mittwoch, 18. Oktober 2017:

Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? (2.Samuel 12,9)

Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. (2.Timotheus 2,19)

 

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